TLeere: Wie wieder Leben in Bliedersdorfs Ex-Grundschule einziehen könnte
Sie stehen vor einer großen Aufgabe, doch noch fängt es klein an: Harald von Thaden (links) und Tobias Terne haben Pläne, wie es mit der alten Grundschule in Bliedersdorf weitergehen soll. Foto: Meyer
Wie geht es weiter mit der leerstehenden Schule? Dieses Thema beschäftigt Bliedersdorf. Zwei Ratsherren verraten erste Ideen zur zukünftigen Nutzung und zum Kauf.
Bliedersdorf. Im Anbau hängt eine überdimensionale Weltkarte an der Wand, durch das leicht verschmierte Fenster ist Australien zu erkennen. Davor stehen Lehrerpult und -stuhl und auf dem Boden liegen Papierschnipsel und etwas, das nach Tafel aussieht.
Leere. Die Ideengeber sehen verschenktes Potenzial in den Räumen der alten Grundschule. In Zukunft könnten hier Wohnungen entstehen. Foto: Meyer
Seit Schuljahresbeginn 2025/2026 ist das hier nur noch die alte Grundschule Bliedersdorf-Nottensdorf. In der Nottensdorfer Straße steht die 20 Millionen Euro teure neue Grundschule BliNo, die im August 2025 in Betrieb genommen wurde. Das leere Gebäude in der Schulstraße soll aber nicht zum Lost Place werden.
Leere Schule: Bliedersdorfer arbeiten mit „Herzblut“ an einer Lösung
Diesen Ort hätte man nicht mehr für einen zeitgemäßen Schulbetrieb „aufpeppen“ können, sagt Gemeinde- und Samtgemeinderatsmitglied Harald von Thaden (SPD). Als die Entscheidung für den Schulneubau feststand, war Politik und Dorfbewohnern klar: Hier muss etwas passieren. „Es ist in unser aller Interesse, dass hier kein leeres Gebäude steht“, sagt Bliedersdorfs Bürgermeister Tobias Terne (CDU).

Die verwaiste Grundschule in Bliedersdorf, die bis Sommer 2025 noch Schulkinder besucht haben. Nebenan sind Kita, Spiel- und Sportplatz, Dorfgemeinschaftshaus und das Restaurant Lindenkrug. Foto: Meyer
Von Thaden ist einer der Köpfe, die in der Arbeitsgemeinschaft „Siedlungsentwicklung“ gemeinsam über Lösungen nachdenken. „Da kam der Wunsch auf, dass viel von der Gebäudestruktur erhalten bleiben soll“, sagt der Bliedersdorfer über das „ortsbildprägende“ Schulgelände.
Der Bürgermeister hängt mit „Herzblut“ an diesem Ort: „Das ist die Schule von den meisten, die hier aufgewachsen sind.“ Terne verbrachte hier seine Grundschulzeit.
Kneipensterben
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Die Ideengeber in der AG bewegen sich im „Spagat“, so von Thaden: „Auf der einen Seite ist der Wunsch, viel zu erhalten, und auf der anderen muss es für die zukünftige Nutzung energetisch passen.“ Nicht nur die AG ist Ideengeber.
Diese Ideen haben Harald von Thaden und Tobias Terne für die Ex-Grundschule
Bereits 2023 wurden „die Weichen gestellt“, berichtet von Thaden. Studenten beschäftigten sich mit der Zukunft der Schule. Zum Schwerpunkt ihrer Entwürfe machten Studenten von der Hochschule 21 in Buxtehude und der HAWK Hildesheim das Wohnen.
Im Obergeschoss wohnten einige Jahrzehnte früher unter anderem Lehrer, einen Stock tiefer unterrichteten sie an der Weltkarte. Irgendwann könnten wieder Menschen einziehen - von Thaden spricht das Mehrgenerationen-Wohnen an.
Kopfkino: Jüngere Bliedersdorfer, die eine preiswerte Wohnung suchen, aber ihr Heimatdorf nicht verlassen wollen, leben mit älteren Bliedersdorfern, die nicht in einem Einfamilienhaus leben wollen, unter einem Dach. Ein kleines Café oder Co-Working-Spaces, also für alle Dorfbewohner zugängliche Büroarbeitsplätze, sind eine Option. Es brauche „Räume, in denen die Leute etwas gemeinsam tun“, sagt von Thaden. Konkrete Pläne gibt es noch nicht, wie viele Wohneinheiten es geben könnte.

Ist hier in Zukunft eine Wohnungstür? In der alten Grundschule könnten langfristig Bliedersdorfer wohnen. Sie soll kein Dorfgemeinschaftshaus 2.0 werden, aber könnte auch Räume haben, die der Dorfgemeinschaft zugutekommen. Foto: Meyer
Um die Ideen in Zukunft zu realisieren, denkt die AG darüber nach, das ehemalige Schulgebäude zu erwerben und es zu betreiben. Wie?
Es gibt eine Lösung für die Lösung
Die AG kann sich vorstellen, eine Genossenschaft zu gründen. In dieser würden sich Bliedersdorfer mit Anteilen beteiligen, um Dorfentwicklungsprojekte wie die Nachnutzung dieses Gebäudes umzusetzen.
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Das Gebäude gehört der Samtgemeinde Horneburg. Die will auf den Kosten des Leerstands nicht sitzen bleiben, und auch die Gemeinde Bliedersdorf könne und werde das Gebäude nicht kaufen. Nur mit Anteilen der Bürger sei ein Kauf ebenfalls nicht finanzierbar, sagen die beiden Lokalpolitiker, zudem müssten Kredite aufgenommen werden. Sie hoffen auch auf Fördergelder.

Eine Genossenschaft verfolgt wirtschaftliche Ziele, die nicht dem Einzelnen maximalen Gewinn bringen, sondern primär dem Gemeinwohl dienen. „Zumindest ein kleines Plus“ müsste laut Tobias Terne übrig sein, damit eine Genossenschaft Sinn ergibt. Eines der ersten Ziele wäre die Nachnutzung der Grundschule. Foto: Meyer
Genossenschaft - ja oder nein? Eine eigene AG arbeitet das demnächst auf. Auch ein anderer Weg ist denkbar.
Ein Investor könnte einsteigen - unter Umständen
„Wir könnten auf dem Markt nach Investoren suchen“, sagt der SPD-Mann. Er und Terne haben bei diesem Gedanken eine klare Vorstellung: Die Genossenschaft würde vorgeben, wie und wofür das Gebäude genutzt wird - und hartnäckig bleiben, wenn ein Investor anderes vorhat.
Noch sind Genossenschaft und Gebäudekauf Zukunftsmusik. Das ganze Projekt steckt in den Kinderschuhen. Über allem steht, sagt von Thaden: „Wir wollen unseren markanten Ortskern erhalten.“ Der Bürgermeister pocht darauf, dass Bliedersdorf seinen „dörflichen Charakter“ beibehält.
Ein „harter Kern von 40 Personen“ steht hinter den Ideen. Die Köpfe denken und rechnen ergebnisoffen weiter, wie in der Schule bald wieder Leben statt der Leere herrscht.

Die Grundschule im Schulweg in Bliedersdorf vom Hinterhof aus. Hier ist viel Platz, zum Beispiel für einen Garten. Das Gebäude könnte an dieser Stelle noch weiter ausgebaut werden. Foto: Meyer
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