TMehr Mitglieder, weniger Könige: So geht es dem Schützenwesen in der Region
Bald geht es wieder los: Wiepenkathen eröffnet traditionell im Kreis Stade die Schützenfest-Saison. (Symbolbild) Foto: Pixabay
Das Schützenwesen im Landkreis Stade ist gut aufgestellt. Trotzdem mangelt es den Vereinen zum Teil an Anwärtern auf Vereinswürden. So wollen sie Abhilfe schaffen.
Stade. Am 30. April startet im Landkreis Stade die Schützenfest-Saison mit dem Tanz in den Mai des SV Wiepenkathen. Bis Mitte September finden in der Region Stade knapp 60 Schützenfeste statt. Den Abschluss bilden die Schützen aus Dollern, die am 11. September ihren Schützenkönig krönen.
Zehn Vereine begehen zudem dieses Jahr ein Jubiläum. In Blumenthal, Sauensiek und Burweg steht das Hundertjahr-Jubiläum an, während die Vereine in Kutenholz, Wedel, Aspe, Groß Sterneberg und Jork-Ladekop ihr 75-jähriges Bestehen feiern. Die Asseler Schützen begehen ihr 125-Jahr-Jubiläum, ebenso wie der Verein Schüttdamm-Isensee.
Stetiges Wachstum seit Corona
Jan Steffens ist Vorsitzender des Schützenvereins Assel und gleichzeitig Präsident des Bezirksschützenverbands Stade (BSV). Er sieht einen positiven Trend bei den Mitgliederzahlen im Bezirk Stade. Im Vergleich zum Vorjahr zählt der BSV aktuell 257 Mitglieder mehr. Damit ist in etwa jeder elfte Einwohner aus dem Kreis Stade in einem Schützenverein organisiert. Steffens berichtet, dass die Zahlen nach Ende der Corona-Pandemie stetig gestiegen sind.
Licht- und Blasrohrschießen soll Nachwuchs anziehen
Diese positive Entwicklung zeigt sich auch im Jugendbereich der Vereine. Der BSV zählt über 2500 Nachwuchstalente im Schießen und in den Spielmannszügen in seinen Reihen und hat damit einen Bestwert seit Jahren erreicht.
Steffens sieht vor allem das Licht- und Blasrohrschießen als Möglichkeiten, Kinder schon früh an den Schießsport heranzuführen. Das Schießen mit Druckluftwaffen ist nach deutschem Recht erst ab zwölf Jahren erlaubt, Licht- und Blasrohrschießen unterliegen hingegen keiner Altersbegrenzung. Damit stellen diese beiden Disziplinen attraktive Einstiegsmöglichkeiten schon für junge Schützen dar.
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Während es genügend Nachwuchs in den Schützenvereinen der Region gibt, sieht Steffens jedoch an anderer Stelle einen Mangel: Vielen Vereinen fehle es an Mitgliedern aus den Jahrgängen 1970 bis 1980. Das führe zum Teil zu Problemen bei der Besetzung von Vereinswürden wie Schützenkönigen, Adjutanten oder Bestmännern, da es nicht genügend Anwärter gebe. Ziel der Jugendarbeit sei es unter anderem, in Zukunft solche Engpässe zu vermeiden. Steffens vertraut bei unbesetzten Würden auf die Vereine: „Ein nicht besetzter Titel sollte keinen Makel darstellen, da die Vereinsstrukturen eine solche Situation ohne Probleme auffangen können.”
Preissteigerungen machen sich in Vereinen bemerkbar
Während die Vereine sich nicht über Mitgliedermangel beklagen können, macht ihnen dennoch ein anderes Problem zu schaffen: die Preissteigerungen der letzten Jahre. Dadurch habe sich die finanzielle Situation der Vereine und Gilden nicht verbessert und unter anderem seien die Beiträge für Dachverbände wie den Deutschen Schützenbund gestiegen. Gleichzeitig mache sich diese Steigerung bei der Organisation von Schützenfesten zum Beispiel bei der Buchung von Musikgruppen bemerkbar.
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Steffens betont jedoch, dass dies nicht ausschließlich durch Erhöhung der Mitgliedsbeiträge gelöst werden dürfe: Die Vereine sollen „einen guten Ansatz hinzubekommen zwischen Erhöhungen von Mitgliedsbeiträgen, die natürlich ab und an unabdingbar sind und einer gleichzeitigen Anpassung des Angebots an die Mitglieder, damit die Attraktivität nicht verloren geht.”
Für die kommende Saison wünscht sich Steffens vor allem friedliche, gut besuchte Veranstaltungen: „Nur zusammen können die Schützenfeste so bestehen bleiben, wie wir sie kennen und lieben und so wie sie hoffentlich auch bleiben werden.”

Schützenwesen hat Tradition: Fahnenträger Stefan Petersen vom Schützenverein Großenwörden. Foto: Klempow
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