TMillionen-Projekt in Nottensdorf im Bau: Solarstrom versorgt 1500 Haushalte
Blick von der K36 nördlich der Bahnlinie auf die Freiflächenphotovoltaik-Anlage „Schragenberg“ in der Gemeinde Nottensdorf. Im Hintergrund liegt der Bullenbruch. Foto: Vasel
Nördlich der Bahnlinie ist in Nottensdorf die erste Freiflächenphotovoltaik-Anlage in der Samtgemeinde Horneburg im Bau. Das steckt hinter dem Millionen-Projekt.
Nottensdorf. Auf einer Fläche von 4,65 Hektar entsteht eine Anlage mit einer Leistung von 6,2 Megawatt Peak (MWp). Das ermöglicht laut Projektentwickler WiNRG aus Hamburg eine „klimafreundliche Stromversorgung“ von circa 1500 Haushalten im Jahr. Diese Investition in erneuerbare Energie spare jährlich 3000 Tonnen Kohlenstoffdioxid ein.
Rein rechnerisch entspreche die Freiflächen-PV-Anlage damit fast einem Windrad der neuesten Generation, rechnet der Bauamtsleiter der Samtgemeinde Horneburg, Roger Courtault, vor. Die neuen Windräder bringen es - bei einer Gesamthöhe von etwa 250 bis 270 Metern - auf 7 MWp.
Die WiNRG-Gruppe in Hamburg hatte diese Freiflächen-PV-Anlage als Projektentwickler auf den Markt gebracht. WiNRG verantwortet Großprojekte in Europa und in Australien - von Photovoltaik- über Batteriespeicher - bis zu Windenergie-Anlagen.
Millionen-Investition in die Energiewende
Mittlerweile gehört der im Bau befindliche Solarpark südlich des Bullenbruchs zur GME clean power AG aus Hösbach in Bayern. „Wir investieren 3,5 Millionen Euro“, sagte Manager Ronny Hager dem TAGEBLATT.

Spätestens 2027 soll die Freiflächen-PV-Anlage in Betrieb gehen. Foto: Vasel
Die erste Freiflächenphotovoltaik-Anlage in der Samtgemeinde Horneburg wird vermutlich erst im Jahr 2027 ans Netz gehen. Das liege an den langen Lieferzeiten für die Trafo-Technik. Auch ein Batteriespeicher ist geplant, so Hager.
Die Solaranlage liegt im Einzugsbereich des Landschaftsschutzgebietes Bullenbruch. Die ungefähr 640 Hektar große Wiesen-, Weide- und Niedermoorlandschaft am Rande des Alten Landes ist ein Wiesenbrutvogelgebiet von nationaler Bedeutung. Die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Stade hatte „keine Einwände“ gegen den Bau gehabt, so Kreissprecher Daniel Beneke. Auf der 4,65 Hektar großen Fläche sei vorher Mais angebaut worden.
Solarpark liegt im privilegierten Bereich an der Bahnlinie
Das Areal liegt in dem 200-Meter-Korridor entlang der Bahnlinie. Diese Fläche zur Nutzung solarer Strahlungsenergie zählt - wie an Autobahnen - laut Paragraf 35 des Baugesetzbuches (BauGB) zu baurechtlich privilegierten Flächen. Bundesweit könnten an Autobahnen und Bahnlinien rein rechnerisch PV-Anlagen mit einer Leistung von 72 Gigawatt entstehen. Das entspricht 52 bis 72 Atomkraftwerken.
Die Aufstellung eines Bebauungsplans war damit in dem Bereich für eine Baugenehmigung nicht erforderlich. Für letztere ist allein der Landkreis Stade zuständig, nicht die Gemeinde Nottensdorf.
Gemeinde Nottensdorf profitiert finanziell
Die Gemeinde Nottensdorf wird allerdings von dem Bau finanziell profitieren. Bei Inbetriebnahme wird eine Akzeptanzabgabe für den tatsächlich eingespeisten Strom an die Kommunen fällig - 0,2 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh). Mittel- und langfristig könne Nottensdorf mit Gewerbesteuer-Einnahmen rechnen. Davon verbleiben mindestens 90 Prozent in der Standortgemeinde.
Bürgermeister Hartmut Huber (CDU) hätte sich einen anderen, weniger ins Auge fallenden Standort gewünscht, gleichwohl rechnet die Kommune in Folge der Investitionen in die Wind- und Solarkraft mit Einnahmen im fünfstelligen Bereich.
Die von WiNRG und GME auf den Weg gebrachte Freiflächen-PV-Anlage entsteht nicht auf den Flächen, die 2025 im Zuge der Potenzialflächenanalyse der Klimaschutzregion Altes Land und Horneburg favorisiert worden sind. Das Fachbüro Cappel + Kranzhoff aus Hamburg hatte 2025 besonders geeignete und verträgliche Flächen ermittelt. Ausbauziel: 127 Hektar.

Blick auf die in der Potenzialflächenanalyse der Klimaschutzregion Altes Land und Horneburg favorisierten Standorte (farbig) für Freiflächen- und Agri-PV-Anlagen. Foto: Cappel + Kranzhoff
Heruntergebrochen auf die drei Kommunen bedeutet das: Auf die Samtgemeinde Horneburg entfielen 42,31 Hektar, auf die Samtgemeinde Lühe 40,88 Hektar und auf die Gemeinde Jork 43,87 Hektar für Freiflächenphotovoltaik- beziehungsweise Agri-PV-Anlagen (über Obstplantagen).
Niedersachsen setzt auf die Sonne
2035 soll sich die Stromversorgung in Niedersachsen fast vollständig aus erneuerbaren Energien speisen. Das Land will bis 2040 seinen Energiebedarf klimaneutral zu 100 Prozent aus Erneuerbaren decken. Mehr Photovoltaik - dieses Ziel soll insbesondere mit Anlagen an und auf Gebäuden erreicht werden (50 Megawatt). In kleinerem Maßstab sollen Freiflächen beansprucht werden.
Das Landesraumordnungsprogramm sieht vor, dass bis 2035 knapp 0,47 Prozent der Landesfläche (22.500 Hektar) für Solarenergie genutzt werden soll. 15 Gigawatt sollen in Niedersachsen über die Freiflächenphotovoltaik erreicht werden.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.