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Quereinsteiger

TMit 42: Wie zwei Männer aus Drochtersen spät zur Feuerwehr kamen

Es begann mit Neugierde: Matthias Stach (links) und Florian Hucht bei der Feuerwehr Drochtersen.

Es begann mit Neugierde: Matthias Stach (links) und Florian Hucht bei der Feuerwehr Drochtersen. Foto: Wertgen

Florian Hucht wohnt direkt gegenüber, Matthias Stach kam über eine Schulprojektwoche - beide sind mit 42 Jahren Quereinsteiger bei der Feuerwehr Drochtersen.

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Von Lars Wertgen
Dienstag, 17.03.2026, 17:50 Uhr

Drochtersen. 57.242 Stunden haben die Feuerwehrleute der Gemeinde Drochtersen im vergangenen Jahr investiert - für 208 Einsätze, für Übungen, für Ausbildung.

Florian Hucht zählt bereits dazu - mit 42 Jahren, als Quereinsteiger. Wer zur Feuerwehr kommt, hat meist die Jugendfeuerwehr hinter sich. Hucht nicht. Bei Einsätzen fehlt er noch - aber nicht mehr lange.

Feuerwehrhaus liegt direkt gegenüber

Hucht wohnt direkt gegenüber vom Feuerwehrhaus in Drochtersen. Zugezogen, selbstständiger Art Director. Manchmal schaute er mit seinem sechsjährigen Sohn neugierig rüber.

Irgendwann gab es eine Privatführung - Vater und Sohn schauten sich alles an. Den entscheidenden Anstoß gab dann Feuerwehrfrau Laura Horeis, die Hucht bei der Kita traf. Ob er nicht dazukommen wolle, fragte sie ihn beiläufig. Hucht wollte eigentlich erst einmal reinschnuppern.

Noch am selben Abend hatte er den Stundenplan für die QS1 - die erste Qualifikationsstufe, die Grundausbildung zum einsatzfähigen Feuerwehrmitglied.

Dass es so schnell ging, störte ihn nicht. „Ich wollte sowieso mehr Leute um mich herum haben“, sagt Hucht. Die Feuerwehr direkt gegenüber war da die perfekte Anlaufstelle - und der schnelle Stundenplan kein Überfall, sondern ein willkommener Schubs.

Der Weg zum ersten Einsatz

An sechs Samstagen absolviert Hucht in Drochtersen Lehrgänge. Rechtliche Grundlagen, Geräte- und Fahrzeugkunde, Funkgrundlagen, Kartenarbeit, Knotenkunde, verschiedene Brandarten - der Stoff ist breit.

Dazu kommt mindestens ein Übungsabend pro Woche. Am Ende stehen 76 Unterrichtseinheiten. Ein Erste-Hilfe-Kurs ist ebenfalls Voraussetzung.

Einen klassischen Abschlusstest gibt es nicht, sondern einen Kompetenznachweis: Auszubildende müssen Fragen beantworten und an mehreren Stationen zeigen, dass die Handgriffe sitzen - Schläuche kuppeln, Knoten binden, Löschangriffe ausführen.

Wer etwas gar nicht beherrscht, wird nachgeschult. Die Kurse sind aber Grundausbildung, kein Selektionsverfahren.

Lehrer wird Feuerwehrmann

Matthias Stach ist diesen Weg bereits gegangen. Der 42-Jährige ist Lehrer in Drochtersen.

Als er im Fernsehen mal einen Beitrag über eine Kooperation zwischen einer Schule und einer Feuerwehr sah, erinnerte er sich an seine Zeit in der Jugendfeuerwehr - und fragte bei der Feuerwehr Drochtersen an, ob sie bei der Schulprojektwoche mitmachen würden.

Die Projektwoche fand Stach so spannend, dass er kurz darauf selbst eintrat. Ein Jahr später gibt es wieder eine Projektwoche. Dieses Mal steht ein ausgebildeter Feuerwehrmann vor den Schülern.

Als der Melder zum ersten Mal losging

Stach hat seine ersten Einsätze hinter sich. Als der Melder zum ersten Mal piepte, war da sofort dieses Gefühl: Jetzt muss alles schnell gehen. „Das Herz hat gerast. Man hatte das Gefühl: Jetzt geht es los.“ Trotz Ausbildung und Übungen wusste er in diesem Moment nicht, ob er das Erlernte im Ernstfall wirklich abrufen kann.

Eine Brandmeldeanlage hatte ausgelöst. Vor Ort stellte sich heraus, dass Wasserdampf den Alarm verursacht hatte, was an diesem Ort öfter vorkommt. Die restlichen Kameraden waren von Beginn an entspannt. Ihre Souveränität überträgt sich.

Seinen ersten richtigen Einsatz erlebte Stach an Silvester: ein Mülltonnenbrand. Er sei schon routinierter gewesen. Der Austausch mit den Kollegen, das konstruktive Miteinander halfen dabei. „Das macht die Feuerwehr auch aus“, sagt Stach.

Schüler interessieren sich für Hobby

Dass Feuerwehr und Schule sich nicht ausschließen, hat Stach mit seiner Schulleitung geregelt. Im Ernstfall organisiert er über das Sekretariat eine Vertretung - und fährt los.

Als einmal der Alarm mit der Schulglocke zusammenfiel, jaulten seine Schülerinnen und Schüler: „Oh, hätte das nicht früher sein können?“ Am nächsten Tag war der Einsatz großes Thema. „Sie fragen regelmäßig nach“, sagt Stach.

Lebenserfahrung als Vorteil

263 Feuerwehrleute zählt die Einsatzabteilung der Gemeinde Drochtersen, 224 Männer und 39 Frauen. Das Durchschnittsalter liegt bei 33,5 Jahren. Hucht und Stach liegen also drüber - fühlen sich aber nicht deplatziert.

Erschöpfung nach langen Übungstagen sei normal und treffe die Jüngeren genauso, sagen beide. Und Lebenserfahrung könne sogar ein Vorteil sein. „Man hat ein größeres Vorwissen, eine gewisse Lebenserfahrung und mehr Gelassenheit“, so Stach.

Wächst mit seinen Aufgaben

„Die meisten sind durch die Jugendfeuerwehr gut vorgebildet“, sagt Gemeindebrandmeister Arnd König. Totale Neulinge seien für Ausbilder zwar ungewohnt, sie würden die Gruppe aber bereichern.

Anlaufschwierigkeiten sehen Hucht und Stach keine. Aufgaben bekommt man nach den eigenen Fähigkeiten, gearbeitet wird in kleinen Gruppen und nachzufragen ist keine Schwäche, sondern Pflicht, denn das Ziel ist, Gefahren zu vermeiden. Stach: „Man wächst in die verschiedenen Aufgabenbereiche der Feuerwehr hinein.“

Nach seiner Ausbildung wird das TAGEBLATT Florian Hucht in seinem ersten Jahr als Feuerwehrmann begleiten und über seine Erfahrungen berichten.

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