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Integration

TMontessori Grundschule: Ein wichtiger Anker im Altländer Viertel

Schulleiter Thomas Heitmann arbeitet seit 1998 an der Montessori Grundschule im Altländer Viertel in Stade.

Schulleiter Thomas Heitmann arbeitet seit 1998 an der Montessori Grundschule im Altländer Viertel in Stade. Foto: Stehr

Unter schwierigen Bedingungen leistet das Team der Montessori Grundschule in Stades sozialem Brennpunkt einen Beitrag zur Integration - und macht dabei auch Hausbesuche.

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Von Lena Stehr
Freitag, 15.05.2026, 16:50 Uhr

Stade. Im Altländer Viertel in Stade ist mehr als jeder zweite Bewohner Ausländer. Hier leben Menschen aus etwa 20 verschiedenen Nationen, hauptsächlich aus Bulgarien und Afghanistan, auf engem Raum zusammen. Der Anteil von Sozialleistungsempfängern und Menschen mit niedrigem Einkommen ist hoch. Mitten in diesem sozialen Brennpunkt liegt seit 30 Jahren die Montessori Grundschule. Das besondere pädagogische Konzept kommt den Kindern hier besonders zugute.

Was steckt hinter dem Montessori-Konzept?

Beim Montessori-Konzept steht das Kind als „Baumeister seiner selbst“ im Mittelpunkt. Unter dem Leitsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“ lernen die Kinder in ihrem eigenen Tempo in altersgemischten Gruppen, durch viel Freiarbeit und mit Hilfe von speziell entwickeltem Material.

Das Material besteht meist aus Holz, besitzt einen hohen Aufforderungscharakter und soll die Sinne schulen. Ein Klassiker sind zum Beispiel Zahlenstäbe fürs Mengenverständnis und der Rosa Turm. Er besteht aus zehn unterschiedlich großen Kuben und soll Größenunterschiede vermitteln. Das funktioniert auch, wenn Kinder noch nicht sicher in der deutschen Sprache sind - ein Kernproblem an der Schule im Altländer Viertel.

Insgesamt 245 Kinder besuchen die Montessori Grundschule im Altländer Viertel. Die meisten haben ausländische Wurzeln.

Insgesamt 245 Kinder besuchen die Montessori Grundschule im Altländer Viertel. Die meisten haben ausländische Wurzeln. Foto: Stehr

Aktuell besuchen 245 Schülerinnen und Schüler die Montessori Grundschule, Tendenz steigend, sagt Thomas Heitmann. Er kam 1998 als Konrektor an die Schule, seit 2018 ist er Schulleiter. Zu seinem Team gehören 22 Lehrkräfte, zwei Sonderschulpädagogen, fünf Schulsozialarbeiter, 15 pädagogische Mitarbeiter und mehr als 20 Ehrenamtliche. Sie alle sind vor allem eins: Sprachvorbilder.

„Sprache ist unser Hauptgeschäft“, sagt der Schulleiter

Der Migrationsanteil bei den Kindern in der Montessori Grundschule liegt bei 95 Prozent. Manche Kinder sprechen bei der Einschulung kein einziges Wort Deutsch. „Sprache ist unser Hauptgeschäft, ohne Sprache geht nichts“, sagt Thomas Heitmann. Der Schulleiter ist deshalb froh, dass die Schule nicht nur vom bundesweiten Startchancen-Programm, sondern auch vom Sprachförderprogramm „MITsprache“ der Stiftung Fairchance profitiert.

Sowohl Lehrkräfte als auch pädagogische Mitarbeiter sind speziell geschult. Bücher und Unterrichtsmaterialien sind an die besonderen Bedarfe angepasst, enthalten zum Beispiel weniger Text und mehr erklärende Bilder. Drei bis vier Mal wöchentlich finden zudem Sprachtrainings für die Kinder statt. Auch Eltern können in der Schule Deutsch lernen.

Aktuell besuchen zwölf Mütter die Sprachgruppen am Nachmittag inklusive Kinderbetreuung. „Der Bedarf ist deutlich größer“, sagt Thomas Heitmann. Möglich sei dieses Angebot nur mit Unterstützung des Stader Damen-Service-Clubs Soroptimist International und der Stadt Stade.

Hausbesuche mit Videodolmetscher

Dass viele Schuleltern kein Deutsch sprechen, mache die Elternarbeit sehr speziell, sagt Thomas Heitmann. Während an anderen Grundschulen die Klassenzimmer beim Elternabend voll seien, kämen hier häufig nur drei bis vier Eltern vorbei, manchmal auch gar keine. Deswegen besuchen die Klassenlehrkräfte alle Mütter und Väter zu Hause. Mit einem Videodolmetscher im Gepäck.

Grundschulleiter Thomas Heitmann und sein Team nutzen Videodolmetscher, um mit Eltern von Schulkindern ins Gespräch zu kommen.

Grundschulleiter Thomas Heitmann und sein Team nutzen Videodolmetscher, um mit Eltern von Schulkindern ins Gespräch zu kommen. Foto: Stehr

Den oder die Dolmetscherin können die Lehrkräfte über ein Programm auf dem Laptop anwählen und für die Elterngespräche nutzen. Die Kosten trägt die Stadt Stade. Ohne diese Möglichkeit wäre teilweise gar kein Austausch möglich, sagt der Schulleiter. Außerdem hätten die Hausbesuche noch einen anderen Vorteil.

„Wir lernen so die ganze Familie kennen und bekommen einen Eindruck davon, wie die Kinder leben“, sagt Thomas Heitmann. Viele Familien seien sehr gastfreundlich. Manche leben unter einfachsten Bedingungen, manchmal nur mit einer Matratze und Fernseher im Zimmer und auf engem Raum.

An der Montessori-Grundschule gibt es insgesamt drei schalldichte Meetingboxen.

An der Montessori-Grundschule gibt es insgesamt drei schalldichte Meetingboxen. Foto: Stehr

Manche Kinder leiden unter den Bedingungen, werden vernachlässigt oder erleben in ihrem Umfeld schlimme Dinge. Für sie gibt es eine Traumagruppe an der Schule. Einmal in der Woche bekommt das Montessori-Team dabei - gesponsert vom Kinderschutzbund - Unterstützung von einem Kunsttherapeuten. „Wir müssen hier viel auffangen und viel Beziehungsarbeit leisten“, sagt Thomas Heitmann.

An der Montessori Grundschule im Altländer Viertel liegt der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund bei mehr als 95 Prozent.

An der Montessori Grundschule im Altländer Viertel liegt der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund bei mehr als 95 Prozent. Foto: Stehr

Dass sich die Situation im Altländer Viertel künftig entspannen wird, glaubt der Schulleiter nicht. Dafür würden zu viele neue, günstige Wohnungen vor Ort gebaut. Die Montessori Grundschule wird ein wichtiger Anker im Altländer Viertel bleiben.

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