TNach dem Feuer: „Babas Grill“ kämpft mit Ruß – und Angst
Fünf Monate nach dem Feuer stehen Emine und Serdar Bayrak wieder vor ihrem „Babas Grill“ – und vor der Frage, wie es weitergehen soll. Foto: Willing
Ein Brief der Staatsanwaltschaft Stade sorgt bei dem Zevener Paar für weitere Ernüchterung. Was fünf Monate nach der möglichen Brandstiftung bleibt.
Zeven. Serdar Bayrak sieht müde aus. Seine Haare sind grauer geworden, die Augen schwer. Von der Wut, die direkt nach dem Brand im März noch deutlich zu spüren war, ist wenig geblieben. „Ich habe keine Kraft mehr“, sagt er. Was heute vor allem da ist: Erschöpfung.
Neben ihm steht Emine und schaut in den Gastraum. Viel ist dort nicht mehr zu erkennen von dem Laden, den die beiden erst kurz zuvor mit eigenen Händen hergerichtet hatten. Immer wieder bleibt ihr Blick an Stellen hängen, an denen noch Ruß sitzt. Seit dem Brand ist sie nur selten hier. Zu viel erinnert sie an die Nacht, in der ihr Mann in den Rauch lief, um die Flammen zu löschen.
Erst fünf Monate nach dem Feuer haben die Bayraks angefangen, sauberzumachen. Stück für Stück. Für die Wände braucht Serdar einen speziellen Rußentferner – „mit Spülmittel bekommt man das nicht sauber“, sagt er. Der Geruch sitzt tief. In den Wänden, im Boden, überall. Und während Serdar versucht, wieder Ordnung in den Laden zu bringen, steht eine Frage im Raum: Wofür eigentlich?
Denn der Neustart, auf den die beiden so lange hingearbeitet hatten, ist längst wieder in weiter Ferne.
50.000 Euro Schaden: Wiederaufbau statt Eröffnung
Noch kurz vor dem Brand sah alles anders aus. Serdar hatte neue Wände gezogen, einen neuen Fußboden verlegt und die Geräte eingebaut. Eine Woche später sollte „Babas Grill“ eröffnen. Dann kam das Feuer.
Heute ist von diesem Plan wenig übrig. „Wir haben circa 50.000 Euro Schaden“, schätzt Serdar. Elektronische Geräte sind kaputt, Fliesen müssen erneuert werden. Die Granitplatte der Salattheke hat das Feuer überstanden. Die Spezialanfertigung aus der Türkei ist unversehrt geblieben – das Kühlsystem darunter nicht. Die Theke steht inzwischen im Internet zum Verschenken. Der Motor ist kaputt.

Emine und Serdar Bayrak stehen vor den Resten ihres Imbisses „Babas Grill“ in Zeven. Foto: Willing
Serdar macht trotzdem weiter. Wieder in Eigenregie. Eine Reinigungsfirma wäre zu teuer. „Wir haben damals alles neu gemacht“, sagt er. „Jetzt müssen wir wieder von vorne anfangen.“
Ermittlungen ohne Ergebnis, die Frage nach dem Täter bleibt
Ende Mai kommt ein Brief von der Staatsanwaltschaft Stade. Knapp zwei Monate nach dem Brand. Der Satz darin ist kurz: „Das Ermittlungsverfahren ist eingestellt worden. Ein Täter konnte nicht ermittelt werden.“
Die Versicherung übernimmt einen Teil des Schadens. Weil in der Brandnacht jedoch weder Kameras noch Alarmanlage eingeschaltet waren, bleibt das Meiste an den Bayraks hängen. Auch die Gewinnausfallversicherung hilft nur begrenzt, die laufenden Kosten aufzufangen.
Ein Sicherheitsberater war inzwischen bei den Bayraks. Die Fenster sollen nachgerüstet werden. Trotzdem bleibt der Gedanke an einen möglichen vierten Anschlag. „Vor Feuer kann ich mich nie zu 100 Prozent schützen“, sagt Serdar.
Der Brand setzt beiden noch immer gesundheitlich zu
Serdar übernachtet inzwischen wieder zu Hause. Vor dem Brand hatte er im Geschäft geschlafen – um Präsenz zu zeigen und aufzupassen. Doch Emine macht sich zu große Sorgen, wenn ihr Mann allein im Laden ist.
Emine nimmt seit dem Brand eine doppelt so hoch dosierte Blutdruckmedikation. Beide schlafen schlecht. Serdar geht zu einem Psychologen und hofft auf eine Kur. „Ich habe im Moment kein Ziel“, sagt er. „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.“
Wann „Babas Grill“ wieder öffnen soll? Serdar weiß es nicht. Auch einen Dönerladen will er nicht mehr betreiben. Seine Kinder seien ebenfalls dagegen. Zu groß ist die Sorge, dass wieder etwas passiert. Dabei mag Serdar seinen Beruf eigentlich noch immer – und Döner esse er weiterhin gern.
Noch kein Neustart, aber auch kein Aufgeben
Ganz aufgeben können die Bayraks aber auch nicht. Da ist der Kredit, der weiter abbezahlt werden muss. Serdar selbst geht kaum davon aus, nach seiner Krankheitsgeschichte noch einmal in ein normales Angestelltenverhältnis wechseln zu können. „Es muss weitergehen“, sagt er.
Neue Fliesen sind bestellt, auch eine Menütafel wird irgendwann wieder angeschafft werden – was künftig darauf stehen wird, ist allerdings noch offen. Einen konkreten Eröffnungstermin gibt es ebenfalls nicht. Es ist eher der Versuch, überhaupt wieder Boden unter den Füßen zu bekommen.
Auch deshalb gehen die Bayraks mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit. Aufmerksamkeit soll abschrecken. Wenn viele hinschauen, passiert vielleicht nichts mehr.
Sicherheit können sie sich nicht kaufen. Und so bleibt neben dem Ruß an den Wänden vor allem eine Frage: Wann fühlt sich dieser Ort wieder wie ein Laden mit Zukunft an – und nicht wie der Ort, an dem alles zum vierten Mal passieren könnte?
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