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Technik kontra Natur

TNachtverbot für Mähroboter soll Igelsterben in Stader Gärten stoppen

Igel stehen inzwischen auf der Vorwarnliste zur Roten Liste für vom Aussterben bedrohte Tierarten.

Igel stehen inzwischen auf der Vorwarnliste zur Roten Liste für vom Aussterben bedrohte Tierarten. Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Rasenmähroboter im Garten: praktisch, aber tödlich für Igel und Co. Das Amt für Naturschutz im Landkreis Stade warnt und Grüne und SPD in Niedersachsen fordern ein nächtliches Mähverbot.

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Von Karsten Wisser
Freitag, 06.03.2026, 10:05 Uhr

Landkreis. Mähroboter liegen im Trend, da sie Zeit bei der Gartenarbeit sparen. Doch für Igel und andere nachtaktive Tiere wie Amphibien und Kleinsäuger sind sie eine tödliche Gefahr.

Das Amt für Naturschutz im Landkreis Stade warnt davor, ebenso die Harburger Kollegen und die Naturschutzorganisation BUND Deutschland. Sie sehen den nächtlichen Einsatz als Bedrohung für Teile der Tierwelt. Grüne und SPD wollen das nächtliche Mähen verbieten.

Igel sind Mährobotern schutzlos ausgeliefert. Sie fliehen nicht, sondern stellen bei Gefahr die Stacheln auf, was sie nicht vor den rotierenden Klingen schützt. Die Verletzungen sind oft tödlich.

Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang

Viele Städte und Gemeinden reagieren: In Erfurt, Leipzig, Köln und Göttingen ist die nächtliche Nutzung von Mährobotern zum Schutz von Igeln und Co. verboten. Diese Verbote gelten meist ab 30 Minuten vor Sonnenuntergang bis 30 Minuten nach Sonnenaufgang. In vielen anderen deutschen Kreisen und Städten gibt es Anträge für Mähroboter-Verbote.

Ein Nachtfahrverbot schränkt niemanden spürbar ein, rettet aber unzählige kleine Leben.

Pascal Leddin, Bündnis 90/Die Grünen

Grüne und SPD haben im Niedersächsischen Landtag einen Antrag eingebracht, der landesweit klare Bedingungen für den Einsatz von Mährobotern vorsieht, insbesondere zur Regulierung der Nachtstunden. „Ein Nachtfahrverbot schränkt niemanden spürbar ein, rettet aber unzählige kleine Leben“, betont Pascal Leddin gegenüber dem TAGEBLATT, er ist Landtagsabgeordneter der Grünen aus Uelzen und betreut den Landkreis Stade.

Schnittwunden und amputierte Gliedmaßen

Eine Studie der Universität Aalborg in Dänemark aus 2023 testete 18 Mähroboter. Keiner erkannte im Gras liegende Igel als Hindernis. Einige fuhren über die Tiere hinweg und verursachten schwere Verletzungen wie Schnittwunden, amputierte Gliedmaßen und aufgeschlitzte Bäuche.

Auch Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) haben nachgewiesen, dass Mähroboter ein Tier- und Artenschutzproblem darstellen können. Igel gehören laut Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Tieren und dürfen weder gefangen noch verletzt oder getötet werden.

Ein Igel mit einer Kopfverletzung wird in einer Wildtierauffangstation behandelt. Tierschutzverbände in Deutschland fordern, den Einsatz von Mährobotern zu beschränken.

Ein Igel mit einer Kopfverletzung wird in einer Wildtierauffangstation behandelt. Tierschutzverbände in Deutschland fordern, den Einsatz von Mährobotern zu beschränken. Foto: Sascha Thelen/dpa

Ein weiterer Kritikpunkt an Mährobotern ist, dass sie das Gras oft zu kurz mähen. Der Rasen trocknet schneller aus und benötigt mehr Wasser als wenn er länger bleibt. In trockenen Sommern ist Wasser zu kostbar, um damit Rasen zu bewässern.

Mähroboter vernichten Nahrungsangebot

Mähroboter schaden nicht nur Igeln. Amphibien, Frösche und viele andere Tiere werden von den scharfen Klingen regelrecht geschreddert. Sie mähen alles weg, was auf dem Rasen blüht und vernichten damit auch das Nahrungsangebot für Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer und Insekten.

Weniger Insekten bedeuten weniger Futter für Igel, die dann auf Schnecken ausweichen. Schnecken übertragen häufig Parasiten, die Igel krank machen oder töten können. „Wer Igel schützen möchte, verzichtet besser ganz auf Mähroboter“, fordert der BUND Deutschland.

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