TNavi führt in die Irre: Google-Posse um einen Straßennamen
Ortsbürgermeister Reiner Feldmann (links) und Unternehmer Andreas Rupietta an der Straße Am Grasweg, die Google bis vor kurzem mit der Straße Grasweg verwechselt hat. Foto: Dührkop
Der Frust bei Unternehmer Andreas Rupietta ist groß. Seit neun Jahren kämpft er um die korrekte Darstellung seiner Adresse. Drei weitere Firmen im Kreis Cuxhaven sind betroffen - mit Folgen.
Geestland. Was für die Anwohner auf der Hand lag, stellte sich als Trugschluss heraus: Die Straße Im Wiebusch in Sievern im Kreis Cuxhaven wurde im Zuge der Gemeindefusion bereits 2015 umbenannt. Denn Im Wiebusch gab es bereits in Elmlohe. Dort wohnten mehr Anlieger als in Sievern, so dass ein neuer Name gesucht wurde. Da es die erste Straße ist, die vom Grasweg abzweigt, lag Am Grasweg nahe. „So wie es auch oft heißt An der Kirche“, sagt Andreas Rupietta.
Hätte der Unternehmer geahnt, welche Problematik durch die Namensgleichheit - mit Unterschied einer Präposition - auftreten würde, hätte er sicher für einen gänzlich anderen Namen gestimmt.
Denn seit neun Jahren kämpft der Brennholzhändler mit den Folgen. Die Navigationshilfe des Internetbrowsers Google führte Kunden, Paketzusteller und Lieferanten in die Straße Grasweg.
Navi führt in die Irre: Unternehmer ärgern sich über falsche Wegführung
Drei weitere Unternehmer waren ebenfalls von der falschen Darstellung betroffen, die sich bei Karin Beier, Wirtschaftsförderin der Stadt Geestland, vor rund einem Jahr gemeldet hatten. Die Stadt versuchte, den Weltkonzern, der Millionen Menschen auf den richtigen Weg bringt, offiziell auf das Problem aufmerksam zu machen: „Wir als Stadt haben bereits mehrfach an Google gemeldet, dass die Straße zwischen Grasweg und Lange Straße (führt parallel zur Sieverner Straße) nicht Grasweg, sondern Am Grasweg heißt.“ Doch Fehlanzeige. Es tat sich nichts. Zum Leidwesen der Firmen: Zulieferer und Kunden finden die Adressen nicht.
Da das Problem schon seit neun Jahren existiert, hatte sich Rupietta mittlerweile damit arrangiert. „Die meisten haben Handys und rufen dann kurz durch“, sagt er.

Screenshot einer Streckenführung bei Google Map, der die Wegführung zu Unternehmen in der Straße Am Grasweg im Gewerbe- und Technologiepark Sievern zeigt. Foto: Google Maps
Doch gerade im Paketzustelldienst seien zunehmend Fahrer mit schlechten Deutsch-Kenntnissen unterwegs, was erschwerend hinzukomme. „Ich gucke immer erst auf den Adressaufkleber, ehe ich ein Paket öffne“, sagt Rupietta. Man kennt sich in Sievern, so dass es einen direkten Draht zum Anlieger Grasweg 3 gibt und man sich auf nachbarschaftlicher Basis mit den letzten Metern der Paketzustellung entgegengekommen sei. Dass es dauert, bis die neue Straßenbezeichnung überall durchgesickert wäre, habe man sich gedacht.
Auch die Telekom habe zuerst immer noch Im Wiebusch im Telefonbuch weitergeführt.
Ortsbürgermeister: „Das ist doch wirklich traurig“
Die Geduldsfäden wurden von Google besonders lange strapaziert. Auch der Ortsbürgermeister Reiner Feldmann bekam über den Ortsrat von der Problematik mit. „Das ist doch wirklich traurig“, sagt er beim Ortstermin, „dass es so langwierig ist.“
Die zähe Umstellung auf den neuen Namen zog für Rupietta besonderen Aufwand nach sich. Vor Jahren bereits hat ihm ein Steuerprüfer jede Menge Rechnungen mit veralteter Anschrift angekreidet.
Formeller Fehler stellt Steuerprüfung vor zusätzliche Hürde
Die Folge: Es hätte eine Mehrwertsteuerrückzahlung angestanden. Verhindert wurde diese wegen dieses formellen Fehlers nur durch neuerliche Adressaufkleber, die aber alle noch mal abgestempelt werden mussten.
Nach der jahrelangen Geduldsprüfung sind die Rufe der Beschwerdesteller endlich erhört worden. Im Zuge einer Rechercheanfrage der „Nordsee-Zeitung“ kam endlich Schwung in die Sache. Pünktlich zum Vor-Ort-Termin mit der Pressevertreterin war das Darstellungsproblem in der Google-Navigation gelöst. „Man muss am Ball bleiben“, sagt Ortsbürgermeister Feldmann.