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TOmas gegen Rechts: Von der Stader Gruppe zur Europa-Gründung

Europa im Blick: Dörte Schnell hat schon die Omas gegen Rechts in Stade und Hamburg mitgegründet.

Europa im Blick: Dörte Schnell hat schon die Omas gegen Rechts in Stade und Hamburg mitgegründet. Foto: Richter

Antidemokratische Strömungen in Europa erstarken. Um vor die Lage zu kommen, haben die Omas gegen Rechts jetzt eine Europaorganisation gegründet. Mittendrin: Dörte Schnell, Mitbegründerin der Stader Omas.

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Von Anping Richter
Mittwoch, 21.01.2026, 05:00 Uhr

Landkreis. „Wir sind heute die entscheidende Kraft im Kampf gegen Demokratiefeinde in Deutschland“, sagt Dörte Schnell von den Omas gegen Rechts. Ein selbstbewusstes Statement, für das es gute Gründe gibt: Erst 2017 gegründet, haben die Omas gegen Rechts inzwischen mehr als 35.000 Vereinsmitglieder und noch mehr Mitstreiterinnen. Mehr Frauen als sie bringt derzeit keine feministische Bewegung in Deutschland auf die Straße.

Sie haben jetzt die Europa-Organisation der Omas gegen Rechts gegründet (von links): Rosmarie Brunner (Schweiz), Monika Salzer (Österreich), Dörte Schnell (Deutschland).

Sie haben jetzt die Europa-Organisation der Omas gegen Rechts gegründet (von links): Rosmarie Brunner (Schweiz), Monika Salzer (Österreich), Dörte Schnell (Deutschland). Foto: Dörte Schnell

Dörte Schnell ist seit den Anfängen dabei. Als die erste Gruppe der Omas gegen Rechts 2017 als Facebookgruppe von der Österreicherin Monika Salzer gegründet wurde, trat sie bei. Sie schloss sich auch an, als am 27. Januar 2018, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, die Deutschland-Gruppe der Omas gegen Rechts ebenfalls online gegründet wurde. Kurz darauf, im Februar 2018, gehörte sie zum Gründungsteam der Hamburger Omas. Es war die erste nicht digitale Gründung.

Die Initiative wird zur Bewegung

„Damals war ich noch als Sozialarbeiterin in Hamburg tätig“, berichtet Dörte Schnell. Die Gruppe wuchs an. Bald wurde südlich der Elbe in Neugraben eine zweite gegründet. 2019 gründete Dörte Schnell, die bis vor kurzem in Hammah wohnte, mit Mitstreiterinnen die Omas gegen Rechts in Stade. Jetzt hat sie mit der Österreicherin Monika Sulzer und der Schweizerin Rosmarie Brunner die Omas gegen Rechts Europa gegründet.

„Es war etwas ganz Neues, dass alte Frauen sich öffentlich im politischen Kontext einmischen“, sagt Dörte Schnell. „Wir backen Kuchen und kümmern uns um unsere Enkelkinder - und wir klären auf, organisieren Petitionen, schreiben Politiker an und sind auf der Straße mit unseren Schildern massenhaft sichtbar.“

Ihr ist es wichtig, zu betonen, dass die Omas keine Gegenbewegung sind, sondern sich für etwas einsetzen: „Für Demokratie, Menschenrechte und eine starke Zivilgesellschaft. Deshalb sind wir gegen Rechts.“ Darum sei es von Anfang an gegangen.

Gründungen der Omas auch in Südtirol und Polen

Angesichts der drohenden Entwicklungen rund um den erstarkenden Rechtsextremismus und Nationalismus wollten sie sich für die Demokratien und den Wohlfahrtsstaat in einem liberalen Europa einsetzen. Seither haben sich die Omas zu einer internationalen Graswurzel-Bewegung entwickelt. Auch in Südtirol und in Polen gibt es mittlerweile ähnliche Initiativen und in Portugal und den Niederlanden Interesse an Gründungen.

Mit ihren prägnanten Demo-Schildern und ihrer verlässlichen Präsenz auf der Straße sind die Omas zu einer politischen Kraft geworden, mit der gerechnet werden muss. „Unseren Welpenschutz haben wir längst verloren“, sagt Dörte Schnell - und korrigiert sich lachend: Sie meine damit das Image der „lieben, alten Oma“.

Angriffe von politischen Gegnern

Dass es damit vorbei war, sei spätestens klar geworden, als im vergangenen Jahr mit kleinen Anfragen, unter anderem an den Deutschen Bundestag, versucht wurde, den Omas parteipolitische Parteinahme und finanzielle Bereicherung zu unterstellen. „Für uns gab es aber auch einen großen Schub und sehr viele Beitritte, als Merz mit den Stimmen der AfD im Bundestag ein Migrationsgesetz durchbringen wollte und wir dagegen Demos organisierten“, sagt Dörte Schnell.

Die Vorwürfe der finanziellen Bereicherung konnten die Omas schnell aus der Welt räumen. Doch die parlamentarischen Anfragen, die zunächst Misstrauen säten, sehen sie als Angriff auf die Zivilgesellschaft - „ein beliebtes Mittel, autoritäre Strukturen einzuführen und das gesellschaftliche Engagement Tausender Freiwilliger in Misskredit zu bringen“, heißt es in der Pressemitteilung, die zur Gründung der Organisation auf europäischer Ebene herausgegeben wurde. Die Omas gegen Rechts betonen, dass sie sich in einem gleichmäßigen Abstand zu allen demokratischen Parteien verstehen.

Bei jungen Demo-Teilnehmern beliebt

Bei Demonstrationen genießen die Omas gegen Rechts Respekt. „Junge Leute begrüßen uns mit Sprechchören - und sie hören auch auf uns“, berichtet Dörte Schnell. Durch ihre große Erfahrung mit Demonstrationen würden die Omas geschätzt. Sie üben sich in Strategien der Deeskalation und können gut einschätzen, ob eine Situation beginnt zu kippen.

Dörte Schnell und ihre Mitstreiterinnen bereiten jetzt das erste Europaforum vor. Sie rechnet damit, dass es im Herbst in Wien zusammentrifft. Und auch auf der lokalen Ebene wachsen die Omas weiter: In Harsefeld gibt es eine Neugründung. Zum Gründungstreffen am Mittwoch, 21. Januar, um 18 Uhr in den Räumen der Rotenburger Werke in der Schulstraße 10 sind alle Interessierten eingeladen.

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