TParty im Sonnenuntergang: Grossstadtgeflüster lässt die Elbfähre beben
Schöner geht's nicht: Sonnenuntergang, Lieblingsband und Leichtigkeit in der Seeluft. Foto: Klempow
Das Konzert ist ausverkauft, die Atmosphäre unschlagbar. Grossstadtgeflüster feiert auf der FRS-Elbfähre zwischen Wischhafen und Glückstadt eine große Party, sommerleicht – und: rotzfrech.
Wischhafen. Es funkelt auf der Fähre. Die Diadem-Dichte ist am Donnerstagabend im Publikum groß, die Stimmung bestens. „Diadem“ ist ihr Lieblingssong, sagen Isabell Bosse und Kerstin Schade.
Constantin hat das Funkeln nicht im Haar, sondern in den Augen. Der Zehnjährige aus Hamburg ist einer der Glücklichen, die ein Ticket für das Konzert von Grossstadtgeflüster ergattert haben. Nur 400 Menschen dürfen an Bord.
Kapitän ist der Patenonkel
Der Himmel ist knallblau, die Sonne noch warm. Constantin und seine Eltern stehen in der ersten Reihe. „Wir haben schon die ganze Woche Grossstadtgeflüster gehört“, erzählt seine Mutter Tanja Schmidt. Constantin liebt die Musik. Es ist sein erstes Konzert mit Texten, die nicht unbedingt schulhofkompatibel sind.
Music-Cruise-Konzert
T Feine Sahne Fischfilet rocken die Elbfähre im Dauerregen
Die Schmidts haben sich T-Shirts passend zu den Songs gemacht. „Ich kündige“ steht auf Constantins Rücken. „Wenn ich deine Eltern wär“ tragen Tanja und Martin Schmidt. „Fanden wir lustig“, sagt sie und grinst. Constantin strahlt noch mal mehr, als sein Patenonkel die Familie umarmt.

Familientreffen beim Konzert (von links): Familie Schmidt in selbst gemachten Fan-Shirts und Schiffsführer Rafael Umland und seine Frau Kerstin. Foto: Klempow
Er hat nur kurz Zeit. Rafael Umland steuert die vielleicht schönste Konzert-Location in der Region von Wischhafen nach Glückstadt und später die Elbe abwärts, bis etwa Höhe Freiburg. „Um neun Uhr ist Niedrigwasser, dann fahren wir mit der Tide zurück“, sagt der Schiffsführer aus Krummendeich.
Schiffsglocke eröffnet Konzert
Der Wind frischt auf, als die Fähre Richtung Mündung pflügt. Achtern schenkt das Ankerplatz-Team aus. Elbe und Abendrot - einige klinken sich nicht nur für Bier und Fischbrötchen, sondern auch für Selfies vor dem Sonnenuntergang kurz vom Konzert aus. Der Charme der Location ist unschlagbar. Leichtigkeit liegt in der Luft.

Leichtigkeit liegt in der Luft: Grossstadtgeflüster macht die Fans glücklich. Foto: Klempow
Um halb neun ist es so weit. Kapitän Umland schlägt vier Mal die Glocke auf der Brücke. Die ersten Töne zu „Wenn ich deine Eltern wär“ dröhnen aus den Boxen. Schlagzeuger Chriz Falk und Keyboarder Raphael Schalz nehmen auf der Bühne ihre Plätze ein. Sängerin Jen Bender ist erst nur aus dem Off zu hören. Als sie endlich auf die Bühne schlendert, bricht das Publikum in Applaus aus.
Von „Feierabend“ bis „Fickt-Euch-Allee“
Die Berliner Band feiert an Bord eine große Party. Von Anfang bis Ende geben die drei alles, animieren das Publikum zum Springen und Klatschen und gehen keine Sekunde vom Gaspedal. Songs wie „Feierabend”, „Ich kündige” und „Fickt-Euch-Allee” bestechen durch rotzfreche Texte und eingängige, dröhnende Rhythmen.
Grossstadtgeflüster live auf der Elbfähre
Die Atmosphäre auf dem Schiff ist eine ganz besondere. Während am Ufer einige Schafe ungerührt über den Deich spazieren und die untergehende Sonne den Himmel orange färbt, witzelt Jen Bender mit Berliner Akzent mit ihrem Bandkollegen Schalz. „Hallo Elbe. Sprecht ihr hier Elbisch?”, fragt er.
Autobahnprojekt
Bau der A20 geht nach langer Unterbrechung jetzt weiter
Für die Band ist der Abend ein besonderes Erlebnis. „Das verunsichert mich fast ein bisschen", sagt Bender zwischen den Songs. „Ick kann hier jedes einzelne Gesicht erkennen." Sie entdeckt Constantin und seine Familie in ihren selbst gemachten T-Shirts und findet sie großartig.

Sängerin Jen Bender genießt das Konzert auf der Elbe sichtlich. Foto: Klempow
Zu „Diadem“ setzt auch sie sich ihr funkelndes Accessoire aufs Haupt. Für den Song „Hallus" gibt es einen Kostümwechsel. Zu den Klängen von „Je t'aime ... moi non plus” von Jane Birkin und Serge Gainsbourg verschwindet Bender hinter einem Paravent. Lasziv wirft sie von hinten ihre Kleidung darüber. Sie tritt wieder auf die Bühne, jetzt in neongelber Warnweste, Anglerhut und Sonnenbrille. Das Publikum ist begeistert.
Beim letzten Song bebt der Boden
Die Sonne geht unter. Aber einen letzten Song hat die Band sich für den Schluss aufgehoben: „Ich muss gar nix”. Die Band und die Zuschauer geben noch einmal alles. Beim Refrain springt das Publikum auf und ab, und der Boden bebt - auch oben auf der Brücke bei Kapitän Rafael Umland.

Die Sonne ist untergegangen, die Party an Bord noch nicht vorbei.
Grossstadtgeflüster verabschiedet sich von den Fans mit Küsschen. Dann verschwinden sie von der Bühne. Einen Backstage-Bereich gibt es nicht. Hinter der Bühne ist die Elbe. Stattdessen zieht sich die Band understage die Treppe hinunter zurück.
Konzert-Resümee: „Megaschön“
Einer von der Crew nimmt Constantins T-Shirt mit. Er bekommt es mit den Unterschriften der Band zurück. Besser kann das erste Konzert eines Fans nicht enden. Auch Tanja Schmidt schwärmt: „Das war das schönste Konzert, das ich je besucht habe“. So nah an der Band, aber so viel Platz -„megaschön“.
Großstadtgeflüster auf der Elbfähre
Die Bühnencrew beginnt mit dem Abbau. Um 5.30 Uhr zur ersten Fährabfahrt muss alles leer und sauber sein. Am Anleger strömen die Fans von Bord und in die Nacht. Lichter entfernen sich wippend - Diademe gibt es auch mit LED-Beleuchtung.
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