Pilzvergiftung? Notruf berät ungewöhnlich viele Menschen
Wegen ihrer Ähnlichkeit zu Champignons sind Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen besonders häufig. (Symbolbild) Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
Das aktuelle Wetter ist perfekt für reiches Pilzwachstum. Doch mit den Pilzen kommen auch Vergiftungen. Ein Fachmann hat einen dringenden Rat.
Göttingen. Wegen einer möglichen Pilzvergiftung haben zuletzt ungewöhnlich viele Menschen im Norden den Giftnotruf gewählt. Knapp 300 Beratungsfälle zählte das Giftinformationszentrum (GIZ) Nord im September, wie aus einer Statistik hervorgeht. Üblicherweise sind es in dem Monat nicht mehr als 175 Fälle.
Ein Grund zur Beunruhigung ist das laut GIZ-Nord-Chef Andreas Schaper aber nicht. Der große Ausschlag sei auf das Wetter zurückzuführen. „Wenn auf eine lange Trockenzeit Regen folgt, sprießen Pilze nur so aus dem Boden“, sagte der Fachmann. Und: Viele Pilze würden immer auch viele Vergiftungen oder Verdachtsfälle bedeuten. Aktuell gebe es „unglaublich viele Pilze“. Die Folge: rund zehn Anrufe pro Tag für Beratungen zu möglichen Pilzvergiftungen.
Besonders betroffen sind laut Schaper entweder Kinder, die unbedarft giftige Pilze essen oder Sammler, die versehentlich zu einem giftigen Pilz greifen. In den allermeisten Fällen handele es sich dann um Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen. Die würden häufig mit Wiesenchampignons verwechselt und seien an vielen Orten zu finden, etwa auf Spielplätzen, im Garten oder in Wäldern. Tückisch ist: Die Vergiftung fällt meist erst nach einigen Stunden auf.
Fachmann: Nicht auf KI oder Apps verlassen
Der Experte empfiehlt bei Verdacht auf eine Vergiftung schnell zu handeln. Vergiftungen durch den Knollenblätterpilz könnten tödlich enden, da das Gift die Leber angreife. Es sei aber behandelbar, unter anderem mit einem Gegengift und schlimmstenfalls mit einer Lebertransplantation. Darüber hinaus warnt Schaper davor, als Unerfahrener Pilze zu sammeln und diese mit Büchern, Apps oder KI-Assistenten zu bestimmen. „Das ist zu unsicher!“
Der Giftnotruf berät medizinisches Personal ebenso wie Bürgerinnen und Bürger zu Vergiftungen sowie in akuten Notfällen. Die Einrichtung ist für die Bundesländer Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein zuständig.