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Schwer erkrankt

TPlötzlich gelähmt: Landesliga-Fußballer kämpft sich zurück ins Leben

Kevin Ujvari (links) spielt für den FC Cuxhaven in der Landesliga und damit auch gegen den VfL Güldenstern Stade.

Kevin Ujvari (links) spielt für den FC Cuxhaven in der Landesliga und damit auch gegen den VfL Güldenstern Stade. Foto: May/Archiv

Schlagartig ist alles anders. Es fing mit einem unwohlen Gefühl an und endete in Lebensgefahr. Der Cuxhavener Kevin Ujvari war von einem auf den anderen Tag gelähmt, lag tagelang auf der Intensivstation. Nun kämpft er sich zurück ins Leben.

Von Jan Unruh Donnerstag, 02.11.2023, 19:00 Uhr

Cuxhaven. Den 11. September dieses Jahres wird Kevin Ujvari nicht mehr vergessen. Der Tag sollte sein Leben verändern. Der 23-Jährige ist ein fröhlicher und vor allem fitter junger Mann. Er spielt seit seiner frühen Kindheit Fußball - seit dem Sommer für den Landesligisten FC Cuxhaven. Sport nimmt eine große Rolle in seinem Leben ein. Umso überraschender wurde er von einem Tag auf den anderen mehr oder weniger aus seinem Leben gerissen.

Morgens zur Schule nach Cadenberge gefahren

Am Morgen des 11. Septembers ist er bereits mit einem leicht unwohlen Gefühl aufgestanden. Er hat sich nichts dabei gedacht und fuhr ganz normal zur Schule nach Cadenberge. Ujvari macht eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Während des Unterrichts kamen Kopfschmerzen hinzu, dann wurde sein linker Arm taub. Wenig später sein Mund. "Ab da kam es mir richtig komisch vor", sagt Kevin Ujvari rückblickend.

Kevin Ujvari aus Cuxhaven: "Das Drama ging los"

Beim Aufstehen spürte er plötzlich sein linkes Bein nicht mehr. Auch seine Sprache war beeinträchtigt. Seine Lehrerin schickte ihn nach Hause. Ein Mitschüler fuhr ihn. Zu Hause angekommen, legte er sich ins Bett und schlief sofort ein. Gegen 19 Uhr wachte er wieder auf. "Ich habe es nicht geschafft aufzustehen", so der 23-Jährige. Er schlief wieder ein. Gegen 2 Uhr wurde es immer schlimmer. "Das Drama ging los", beschreibt es Ujvari. Ihm wurde übel, er musste sich erbrechen. Hinzu kamen "ganz krasse Gleichgewichtsstörungen". Mit Hilfe seiner Mutter ging es zurück ins Bett.

Am nächsten Morgen rief sie einen Krankenwagen. Kevin Ujvari war schwindelig, er hatte Gleichgewichts- und auch Sprachstörungen. "Mein ganzer Körper hat gekribbelt", erinnert er sich. Sein erster Reflex: Er habe einen Schlaganfall. Im Krankenhaus in Cuxhaven wurde sein Zustand immer schlechter.

Vom Krankenhaus in Cuxhaven nach Bremerhaven-Reinkenheide

Er wurde von der Cuxhavener Notaufnahme ins Bremerhavener Klinikum Reinkenheide gebracht. Dort lag er auf der Intensivstation für Schlaganfallpatienten. Die Ärzte kämpften um sein Leben. Sein Zustand verschlechterte sich weiter. In den nächsten beiden Tagen habe sein ganzer Körper versagt. Er konnte nicht mehr sehen, reden oder seine Arme und Beine bewegen. Einzig die Lunge funktionierte noch. Er bekam Nierenkoliken. Ein zweites Mal wurde ihm Rückenmarksflüssigkeit entnommen, um die Diagnose zu bestimmen. Alles deutete auf eine Autoimmunkrankheit hin. Am vierten Tag im Krankenhaus war klar: Ujvari leidet unter einer ganz seltenen Form einer Hirnstammentzündung.

Ärzte sprechen von bis zu zwölf Monaten Krankenhaus-Aufenthalt

Sofort danach begann die Behandlung. So langsam stabilisierte sich der Zustand des 23-Jährigen. Die Lähmungen blieben. Nach ersten Einschätzungen der Ärzte sollte er sich auf einen längeren Krankenhausaufenthalt einstellen. Die Rede war von sechs bis zwölf Monaten. Doch ihm wurden gute Heilungschancen prognostiziert. Er müsse nur Geduld haben. "Der Körper muss sich selbst heilen", hat Ujvari von den Ärzten auf den Weg mitbekommen. Von Bremerhaven aus wurde der Cuxhavener direkt in eine spezielle Reha-Klinik nach Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern gefahren. Als er dort ankam, konnte er zumindest schon wieder gucken. "Ich habe mir die ganze Zeit Gedanken gemacht, was ist, wenn das jetzt so bleibt", so Ujvari.

Cuxhavener muss in Plau am See das Laufen wieder lernen

In Plau habe er nach mehreren Tagen ohne Mahlzeit auch wieder etwas essen können. Es ging bergauf. Der sonst so sportliche Cuxhavener musste auch das Laufen wieder lernen. Zu Beginn schaffte er es keine zehn Minuten mit Unterstützung der Pfleger auf den Beinen zu bleiben. Doch die Motorik kam langsam wieder. "Es wurde von Tag zu Tag besser", sagt er. Nach sechs Tagen lief er wieder alleine. Auch seine Sprache war nun wieder klar und deutlich. "Keiner hat damit gerechnet, dass das so schnell geht. Auch ich nicht. Aber das ist mein Wille", sagt der 23-Jährige.

Freunde und Familie aus Cuxhaven zu Besuch in Plau am See

Familie und Freunde besuchten ihn regelmäßig. Das gab ihm Kraft. Knapp vier Wochen nach dem Beginn der Tortur durfte er schon wieder nach Hause. "Ich bin so froh wieder hier zu sein", sagt er. Mittlerweile fühlt er sich wieder fast so wie vor dem Unglück. "Ich bin jetzt bei 90 Prozent", so Kevin Ujvari. Ab und zu habe er noch Kopfschmerzen. "Sonst absolut nichts." Wenn er von den Erlebnissen berichtet, kann er es selbst kaum glauben, was er in so kurzer Zeit durchlebt hat. "Es ist noch immer heftig für mich", sagt er. Er nehme viel aus diesen dramatischen Erfahrungen mit. Das Leben könne so schnell vorbei sein.

Kevin Ujvari spricht von einem Wunder, dass er nach so schwerer Krankheit so schnell wieder auf die Beine gekommen ist.

Kevin Ujvari spricht von einem Wunder, dass er nach so schwerer Krankheit so schnell wieder auf die Beine gekommen ist. Foto: Unruh

Ausbildung zum Heilerziehungspfleger als Hilfe

Die Ursache für diesen schweren Krankheitsverlauf war laut Aussage der Ärzte wahrscheinlich eine verschleppte Virusinfektion. "Das kann jedem Menschen passieren", sagt er. Kevin Ujvari hat noch einmal Glück gehabt. Geholfen hat ihm aber auch seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Er kennt sich mit schweren Schicksalen aus. "Jetzt wurde ich mal gepflegt", sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Selbst in der schweren Zeit, als er sich nur eingeschränkt bewegen konnte, habe er viel gelacht. Der Humor ging ihm nicht verloren.

Kevin Ujvari will zurück auf den Fußballplatz in Cuxhaven

In den nächsten Tagen und Wochen will er wieder ganz der alte werden - und irgendwann auch wieder auf dem Fußballplatz stehen. Er will sich kleine Ziele setzen. Erste Laufeinheiten hat er schon wieder absolviert. Bis er wieder auf dem Feld steht, wird es aber noch dauern. "Ich werde auf meinen Körper hören. Alleine, dass ich jetzt hier stehe, ist ein Wunder."

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