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Tierschutz

TPony im Hundezwinger: Die Fälle des Stader Veterinäramts

Im vergangenen Jahr hat das Veterinäramt im Kreis Stade drei Ponys gerettet. Anders als das hier abgebildete Tier hatten sie bei ihrer Besitzerin kaum Tageslicht gesehen (Symbolbild).

Im vergangenen Jahr hat das Veterinäramt im Kreis Stade drei Ponys gerettet. Anders als das hier abgebildete Tier hatten sie bei ihrer Besitzerin kaum Tageslicht gesehen (Symbolbild). Foto: Matthias Böckel / Pixabay

Weil sie sich nicht um ihre Tiere gekümmert haben, musste das Veterinäramt des Landkreises Stade 2025 neun Besitzern die Haltung verbieten. Besonders dramatisch war der Zustand dreier Ponys.

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Von Anke Settekorn
Montag, 23.03.2026, 22:59 Uhr

Landkreis. 493 Tierschutzanzeigen gingen im vergangenen Jahr beim Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Stade ein. In mehr als der Hälfte der Fälle haben die Mitarbeiter des Veterinäramts bei den darauf folgenden Kontrollen dann auch Verstöße festgestellt. „Die meisten Verstöße betrafen schlechte beziehungsweise nicht tierschutzgerechte Haltebedingungen“, teilt Daniel Beneke, Sprecher des Landkreises Stade, dem TAGEBLATT auf Nachfrage mit.

Die Mitarbeiter des Veterinäramts kontrollieren Tierhaltungen im Kreis Stade aufgrund von Tierschutzanzeigen, aber auch aufgrund von Risikobeurteilungen beziehungsweise routinemäßig oder aufgrund vorheriger Verstöße.

„In der Regel erfolgen die Kontrollen unangekündigt“, sagt Daniel Beneke. Daneben gibt es tierschutzrechtliche Kontrollen, die bei Antrag auf Ausstellung von Gesundheitsbescheinigungen, zum Beispiel bei Transporten oder der Mitnahme von Tieren ins Ausland, erforderlich werden.

Veterinäre kontrollieren 711-mal

Im Jahr 2025 hat das Veterinäramt insgesamt 711 Kontrollen durchgeführt. Kleintierhaltungen (361 Kontrollen) und Rinderhaltungen (137) wurden am häufigsten kontrolliert, gefolgt von Geflügelhaltungen (96 Kontrollen), Schweinehaltungen (33) und Schaf-/Ziegenhaltungen (32). Insgesamt 52 Kontrollen gab es bei anderen Tierhaltungen - zum Beispiel von Affen, Axolotl, Papageien, Alpakas, Geckos, Schlangen und Schildkröten.

Landkreis der Geflügelhalter

3750 Tierhalter sind aktuell im Landkreis Stade registriert. Spitzenreiter ist das Geflügel mit 1568 gemeldeten Haltungen. Auch Pferde erfreuen sich großer Beliebtheit (1095 Tierhaltungen). Weiterhin gemeldet wurden dem Veterinäramt 498 Rinderhaltungen, 295 Schafhaltungen, 166 Schweinehaltungen und 128 Ziegenhaltungen.

Die Haltung von Hunden, Katzen und anderen Heimtieren muss den Veterinärämtern nicht gemeldet werden.

Vernachlässigung gehört zu den häufigsten Verstößen

Im Jahr 2025 wurden laut Beneke im Kreis Stade 89 Bußgelder von 100 bis 3400 Euro verhängt. Elf Strafanzeigen wurden vom Veterinäramt an die Staatsanwaltschaft abgegeben.

Zu den Verstößen, die im Landkreis Stade am häufigsten geahndet wurden, gehörte unter anderem die fehlende medizinische Behandlung bei erkrankten Tieren durch einen Tierarzt. Oft musste das Veterinäramt im vergangenen Jahr auch die Vernachlässigung der Tiere ahnden. Dazu gehört beispielsweise die fehlende Huf- oder Klauenpflege bei Pferden, Ponys, Eseln und Rindern oder wenn geeignete Liegeflächen für Pferde, Schafe und Rinder fehlen – unter anderem, weil die Flächen verschmutzt, feucht oder ohne Einstreu waren.

Ein häufiger Fehler von Pferdehaltern: Die Tiere standen in zu kleinen Einzelboxen oder hatten nicht ausreichend freien Auslauf, zum Beispiel auf einer Weide oder einem Paddock. Oft angemahnt wurde der fehlende Witterungsschutz bei der Freilandhaltung von Schafen, Pferden oder Herdenschutzhunden.

Mehrfach ahnden mussten die Veterinäre auch eine Schlachtung von hochtragenden Kühen im letzten Drittel der Trächtigkeit. Und immer wieder gab es Tierhalter, die sich trotz eines bereits angeordneten Haltungs- und Betreuungsverbots Tiere zugelegt haben.

Ponys völlig verwahrlost – Besitzerin darf keine Tiere mehr halten

Insgesamt neun Halte- und Betreuungsverbote hat das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Stade im Jahr 2025 erlassen. Das sind weniger als in den Vorjahren (2024: 13 Verbote, 2023: 11 Verbote).

Hinter den Verboten stehen oft traurige Tierschicksale wie das der drei Ponys - laut Kreissprecher ein Beispiel für eine „hochgradige Verwahrlosung“.

Nach einer Tierschutzanzeige entdeckten die Mitarbeiter des Veterinäramts auf einer vernachlässigten Hofstelle in einem baufälligen Stall drei kleine Ponys. Ihr Allgemeinzustand sei „äußerst schlecht“ gewesen.

Pony in Hundezwinger eingesperrt

Zwei der Ponys standen gemeinsam in einer viel zu kleinen, dunklen Box ohne Futter und Wasser. „Der Boden war mit dicken Schichten aus über Wochen angesammelten Pferdeäpfeln und Urin bedeckt“, sagt Daniel Beneke. Das dritte Pony war in einem Hundezwinger untergebracht.

Alle drei Ponys hatten nach Angaben des Landkreissprechers ein hochgradig verschmutztes und verklebtes Fell, diverse Parasiten und waren stark abgemagert. „Offensichtlich waren sie kaum gefüttert und nicht bewegt worden“, so Beneke. Zwei Ponys hatten beim Herausführen aus dem Stall erhebliche Schwierigkeiten beim Laufen.

Die Tiere konnten gerettet werden: Sie wurden der Besitzerin entzogen und in eine Pflegestelle gebracht. Dort wurden sie liebevoll gepflegt und aufgepäppelt. Gegen die Halterin hat das Veterinäramt ein Haltungs- und Betreuungsverbot für Pferde erlassen.

Qualzuchten von Hunden und Katzen

Nicht nur Tierhalter kontrolliert das Veterinäramt. Auch Züchter geraten regelmäßig in den Fokus der Mitarbeiter. Wer Tiere gewerbsmäßig züchtet, benötigt dafür eine Erlaubnis des Landkreises Stade. Dennoch haben Züchter im Kreis Stade in den vergangenen Jahren immer wieder gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.

Zum Beispiel, indem sie zu viele Tiere gezüchtet und gehalten haben. Auch Qualzuchten ahndete das Veterinäramt. Das betrifft zum Beispiel Nackthunde und Nacktkatzen oder extrem kurzköpfige Hunde und Katzen, die infolge der Zucht gesundheitliche Probleme haben.

Wo man Tierschutzverstöße melden kann

Wer mitbekommt, dass Tiere unter tierschutzwidrigen Bedingungen gehalten, schlecht behandelt oder vernachlässigt werden, kann dies beim Landkreis Stade melden. Das Veterinäramt nimmt Beschwerden über Missstände in der Tierhaltung über das Serviceportal des Landkreises Stade entgegen. Tierschutzanzeigen können dem Landkreis auch schriftlich gemeldet werden.

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