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TPorsche-Trecker am Stader Hafen: Dieser Altländer hat ein besonderes Hobby

Hans Joachim Sumfleth besitzt seit den 1990ern einen Porsche-Trecker.

Hans Joachim Sumfleth besitzt seit den 1990ern einen Porsche-Trecker. Foto: Haardt

Knallrot und ein Porsche-Oldtimer: Hans Joachim Sumfleth aus Grünendeich pflegt seit fast 30 Jahren keinen Sportwagen, sondern seinen Porsche-Trecker.

Montag, 27.04.2026, 07:00 Uhr

Stade. „Porsche-Fahrer sind wetterfest”, sagt Hans Joachim Sumfleth aus Grünendeich und lacht. Hinter ihm auf einem Parkplatz am Stader Hafen stehen knapp 20 knallrote Trecker - alle Marke Porsche, alle ohne Schutz vor Wind und Wetter für den Fahrer.

Obwohl der Montagmorgen mit Regen beginnt, haben sich Liebhaber und Besitzer der Oldtimer-Zugmaschinen wie Sumfleth der Ausfahrt des Porsche-Diesel Clubs Europa nach Stade angeschlossen. „Da muss man eben eine dicke Jacke anziehen”, meint Eckhart Kohlscheen, Vormann der Region Nordheide des Clubs und Organisator der Fahrt.

Wettergeschützt sind die Fahrer auf den alten Zugmaschinen nicht. Trotzdem fand die Ausfahrt des Porsche-Diesel Clubs auch bei schlechtem Wetter statt.

Wettergeschützt sind die Fahrer auf den alten Zugmaschinen nicht. Trotzdem fand die Ausfahrt des Porsche-Diesel Clubs auch bei schlechtem Wetter statt. Foto: Haardt

Porsche-Trecker erinnert an Kindheit

Der Porsche-Diesel Club hat sich einer Sache verschrieben: den roten Porsche-Diesel-Traktoren, die zwischen 1950 und 1963 produziert wurden. Laut Kohlscheen gibt es zwei Arten, wie Menschen zu dem Nischenhobby finden: „Entweder hatten die Eltern einen Porsche-Trecker. Oder es sind Porsche-Fahrer, die irgendwann merken: Es gibt ja auch Trecker von Porsche.”

Bei Hans Joachim Sumfleth ist Ersteres der Fall. „Meine Eltern hatten einen Trecker, auf dem ich Fahren gelernt habe. Deshalb schlägt mein Herz für den Porsche-Diesel.” Der Trecker, mit dem Sumfleths Eltern ihren Obstanbaubetrieb im Alten Land bewirtschafteten, wurde später verkauft.

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Bis 2015 führte Sumfleth den Betrieb seiner Eltern weiter und kaufte sich Ende der 1990er Jahre einen „neuen” alten Porsche-Trecker, einen Porsche Super mit 38 PS. „Da kommen dann die Erinnerungen an die Kindheit wieder”, sagt Sumfleth.

Mit der Zugmaschine sind er und seine Ehefrau am Montagmorgen mit den anderen Treckerfahrern gemütlich aus Wisch losgefahren. Höchstgeschwindigkeit: 24 km/h. Kurz vor zwölf Uhr kommt die Treckerkolonne in Stade an, und die Fahrer machen Mittagspause.

Die Porsche-Trecker sind gut erkennbar an ihrer roten Farbe und der runden Haube.

Die Porsche-Trecker sind gut erkennbar an ihrer roten Farbe und der runden Haube. Foto: Haardt

Rote Porsche-Trecker sind „Volkstraktoren”

Dass Porsche, bekannt für hochpreisige Sportwagen, einst auch Trecker hergestellt hat, wüssten nicht viele, meint Porsche-Diesel-Vormann Kohlscheen. Die ersten Entwürfe fertigte der Ingenieur Ferdinand Porsche bereits 1937 auf Geheiß Adolf Hitlers an, wie aus der Arbeit des Historikers Hans Mommsen hervorgeht. Ziel sei es gewesen, einen sogenannten „Volkstraktor” als Äquivalent zum „Volkswagen” zu bauen. In Produktion ging die Maschine erst nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1950.

Der Club veranstaltet oft Ausfahrten für Treckerbesitzer, unter anderem in Norddeutschland, aber auch in Tirol und Italien.

Der Club veranstaltet oft Ausfahrten für Treckerbesitzer, unter anderem in Norddeutschland, aber auch in Tirol und Italien. Foto: Haardt

„Insgesamt wurden etwa 120.000 Trecker verkauft”, weiß Kohlscheen. Heute sind die landwirtschaftlichen Maschinen, die sich durch ihre rote Farbe und runde Haube auszeichnen, Sammlerstücke und nicht mehr auf dem Acker zu finden. Besitzer der Oldtimer können sich im Porsche-Diesel Club Europa vernetzen, der jährlich mehrere Ausfahrten organisiert, unter anderem im Umland von Hamburg, aber auch in Süddeutschland, Tirol und Italien.

Porsche Cayenne zieht alten Trecker

Hans Joachim Sumfleth hat schon an einigen dieser Ausfahrten mit seinem Trecker teilgenommen. „Normalerweise stehen die Fahrzeuge, die heute hier sind, trocken in einer Garage”, sagt er. Er selbst wohnt in Grünendeich und konnte mit seiner Maschine direkt zum Treffpunkt in Wisch fahren. Andere Teilnehmer hingegen haben ihre Trecker extra mit Hängern ins Alte Land transportiert. „Da zieht dann ein Porsche Cayenne den alten Porsche-Trecker”, berichtet Sumfleth.

Er selbst hat keinen Hänger und nimmt deshalb nur an Ausfahrten in Hamburg und Umgebung teil. Besonders gerne erinnert Sumfleth sich an eine Fahrt nach Hamburg im Jahr 2015: „Da war das Wetter ähnlich schlecht wie heute. Aber die Leute haben gestaunt und gewunken, als wir durch die Stadt gefahren sind.”

Instandhaltung ist kostspielig

Dass die Trecker nur zu Ausfahrten die heimische Garage verlassen, liegt daran, dass die Instandhaltung ziemlich aufwendig und teuer sein kann: „Die Trecker sind alle über 60 Jahre alt oder noch älter. Da kann man schon knapp 20.000 Euro versenken", erklärt Sumfleth. Seinen Porsche-Trecker hat Sumfleth über eine Zeitungsanzeige in Drochtersen gefunden. Die Maschine war beim Kauf vergleichsweise gut in Schuss. Trotzdem mussten sämtliche Blechteile ausgebeult und neu lackiert werden.

Mit dem restaurierten Oldtimer fuhr Sumfleth am Nachmittag zurück ins Alte Land zum Kaffeetrinken und zu einem Obstabpackbetrieb. Am Dienstag stand noch eine Fahrt nach Buxtehude an, bevor Sumfleth dem alten Trecker wieder eine Pause gönnte.

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