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Politik

TRampensau-Auftritt eines Polit-Stars: Markus Söder in Stade

„Auf der Wies‘n sind sie ein bissl größer, aber vielen Dank“, sagt Söder, als Kai Seefried (links) ihm sein „Herz für den Landkreis Stade“ überreicht. Rechts: Sebastian Lechner.

„Auf der Wies‘n sind sie ein bissl größer, aber vielen Dank“, sagt Söder, als Kai Seefried (links) ihm sein „Herz für den Landkreis Stade“ überreicht. Rechts: Sebastian Lechner. Foto: Wisser

Prominente Politiker kommen zurzeit fast täglich in den Kreis Stade. Doch Markus Söder sticht heraus: Er ist kein Promi. Er ist ein Star. Das macht sein Auftritt im Stadeum klar.

Von Anping Richter und Karsten Wisser 28.08.2026, 17:55 Uhr

Stade. Alle warten auf ihn: 650 Menschen, die Markus Söder live im Stadeum erleben wollen und 30, die gegen seinen Besuch in Stade protestieren. Doch auch dem Fahrer des bayerischen Ministerpräsidenten bleibt es nicht erspart, sich durch den Feierabendverkehr von Hamburg nach Stade zu kämpfen.

Ob es ein Mietwagen ist? Auf jeden Fall ist es ein großer, schwarzer SUV, natürlich von BMW. Söder hat einen Ruf zu verteidigen: Laut Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe war er 2025 der deutsche Spitzenpolitiker mit dem höchsten CO2-Ausstoß. Sein BMW X7 schaffte 292 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer.

Sprechchöre in Richtung der Warteschlange

„Klimaschutz ist nicht alles, aber ohne Klimaschutz ist alles nichts“, steht auf einem der Plakate, mit denen die Protestierenden sich ein Stück neben dem Haupteingang platziert haben. „Abschiebungen? Nur nach Bayern!“, fordert ein anderes. Die Jugendorganisationen von Grünen, Linke und SPD haben aufgerufen. Hin und wieder stimmen sie in Richtung der Wartenden, die vor dem Eingang in der Schlange stehen, Sprechchöre an. Um 16.30 Uhr sind fast alle drinnen. Von Söder keine Spur.

Mit Schildern und Sprechchören: Protest gegen den Söder-Besuch in Stade.

Mit Schildern und Sprechchören: Protest gegen den Söder-Besuch in Stade. Foto: Richter

Drinnen im Saal läuft derweil das Vorprogramm: Arne Kramer, CDU-Kandidat für das Stader Bürgermeisteramt, stellt sich und seine Ideen vor. Niedersachsens CDU-Vorsitzender Sebastian Lechner nutzt die Zeit lieber, um draußen das Gespräch mit den Demonstranten zu suchen.

„Söder bremst die europäischen Stromzonen aus, das macht unseren Strom hier vor Ort teurer“, sagt Martin Lüdders von der Grünen Jugend. Lechner verweist darauf, dass Bayern und Söder sich bald freuen werden, Windstrom über Südlink zu bekommen.

Enttäuschte Hoffnung eines Jungen Linken

Einer der Jungen Linken hofft auf ein Selfie. Er schätze Söder aber nur als Foodblogger, betont er. Doch dazu kommt es nicht mehr. Söder wird durch den Hintereingang ins Stadeum geschleust.

Um 17.33 Uhr betritt er den großen Saal im Stadeum. Das Blasorchester Himmelpforten stimmt die Bayern-Hymne an. Unter stehenden Ovationen zieht Markus Söder, rechts und links Hände schüttelnd, zur Bühne.

Auf der Bühne zeigt Söder sich in seiner Paraderolle: als Rampensau. Er schmeichelt: „Wenn es darum geht, wo man Urlaub macht, ist ja klar: Entweder zu Euch oder zu uns.“

Gesprächsrunde mit Stargast: Landrat Kai Seefried, Markus Söder, Sebastian Lechner und Moderatorin Theresa Hein.

Gesprächsrunde mit Stargast: Landrat Kai Seefried, Markus Söder, Sebastian Lechner und Moderatorin Theresa Hein. Foto: Wisser

Die Pointen sitzen. Söder erklärt, wie Bayern den Wandel vom Agrarland zum Industriestandort geschafft hat - und gibt Tipps: „Wir können nicht nur Geld für die hundertste Sozialleistung ausgeben. Wenn wir nicht endlich umsteuern für Technik, Forschung, Leistung und Innovation, wird Deutschland nicht mehr so stark sein wie bisher.“ Dazu passend erzählt Lechner, wie der Plan scheiterte, Stade als Standort für innovative Fusionstechnologie zu etablieren und Bayern die Chance nutzte.

„Gesunder Menschenverstand“ als Richtlinie

Söder schimpft über NGOs „die von irgendwoher kommen“ um wegen „möglicher zukünftiger Fortpflanzungsreviere der Haselmaus“ zukunftsweisende Projekte durch Klagen zu behindern. Der „gesunde Menschenverstand“ sei der richtige Kompass: „Lasst uns so investieren, dass es die Mehrheit der Menschen auch versteht.“ Spontaner Applaus brandet auf.

Markus Söder im Kreis der niedersächsischen CDU-Vertreter auf der Bühne des Stadeum.

Markus Söder im Kreis der niedersächsischen CDU-Vertreter auf der Bühne des Stadeum. Foto: Georg Wendt/dpa

„Wir müssen die rot-grüne Landesregierung endlich dazu bringen, dass Menschenschutz vor Umwelt- und Naturschutz steht“, sagt Lechner und kritisiert, dass die Deicherhöhungen an der Elbe aus seiner Sicht zu lange dauern. Wie Landrat Kai Seefried, der nach einer Weile zu den beiden auf die Bühne kommen darf, spricht auch Lechner sich für den Bau der Autobahn A20 aus.

CDU-Wahlkampf in Stade (v.l.): Bürgermeisterkandidat Arne Kramer, Sebastian Lechner, Landtagsabgeordnete Melanie Reinecke, Markus Söder, Bundestagsabgeordnete Vanessa Zobel und Landrat Kai Seefried.

CDU-Wahlkampf in Stade (v.l.): Bürgermeisterkandidat Arne Kramer, Sebastian Lechner, Landtagsabgeordnete Melanie Reinecke, Markus Söder, Bundestagsabgeordnete Vanessa Zobel und Landrat Kai Seefried. Foto: Wisser

Sechsfachmord: Weiterer Untersuchungsausschuss?

Söders Forderung nach einem härteren Vorgehen gegen kriminelle Ausländer schließt Lechner sich an. Straftäter müssten schnell abgeschoben werden. Er kündigt an, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, sofern die Landesregierung nicht schnell aufklärt, warum der mutmaßliche Sechsfachmörder von Stade nicht abgeschoben wurde. Die Türkei habe den Mann mit Haftbefehl gesucht. Eine Abschiebung wäre leicht gewesen: „Wie kann es sein, dass es diverse Behördenkontakte gab und keine Behörde fragte, wie der Aufenthaltstitel ist?“

Zum Schluss geht es dann noch einmal um die Kommunalwahl. „Ich habe hier einen sehr guten, sehr kompetenten Landrat erlebt“, sagt Söder über Seefried, der sich sichtlich freut. Lechner bringt noch einmal an, dass Söder sich ja bald über Windstrom aus Niedersachsen über Südlink freuen wird. „Ich liefere euch dann irgendwann die Fusionsenergie“, entgegnet Söder. Diesmal verlässt er das Stadeum durch den Haupteingang. Viele winken seinem schwarzen BMW noch nach.

Söder oder Dobrindt: Wer war besser?

Erst Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, dann Ministerpräsident Markus Söder: Der Kreisverband der CDU hat innerhalb einer Woche gleich zwei prominente CSU-Politiker nach Stade eingeladen. Das TAGEBLATT hat einige Besucher gefragt, wer mehr gepunktet hat.

Christoph Augustin, der für die Buxtehuder CDU im Wahlbereich 2 (Süd) kandidiert, war bei beiden Auftritten dabei. Söder und Dobrindt hätten ihm beide aus dem Herzen gesprochen. Unterm Strich hat Dobrindt ihn inhaltlich noch mehr beeindruckt: „Der hat echt Linie gehalten.“

Maite Pollex, 18 Jahre, kandidiert für die CDU in Stade für den Stadtrat und weist darauf hin, dass die Formate der beiden Veranstaltungen sehr unterschiedlich waren: „Bei Dobrindt in der Seminarturnhalle konnte man Fragen einreichen, das fand ich gut. Und man ist näher dran. Das Stadeum ist groß, da ist es distanzierter.“

Lorelai Sommerfeld, 19 Jahre, ist CDU-Kandidatin für den Gemeinderat Nordkehdingen. Dobrindt habe sich mehr auf der Sachebene bewegt und auch jedem, der wollte, die Hand gereicht oder sich für ein Foto hingestellt. Trotzdem sagt sie: „Ich fand Söder spannender.“ Mit Blick auf die Landtagswahlen im kommenden Jahr sei die Frage interessant, was Bayern besser mache als Niedersachsen.

Arnhild Biesenbach, die für die CDU im Kreistag und im Buxtehuder Rat sitzt, hat die Stimmung bei Söder inklusive Bayern-Hymne gut gefallen: „Da fehlten nur noch Bier und Brezeln.“ Ihr Sohn Achim Biesenbach, CDU-Kandidat im Wahlbereich 2 (Buxtehude Süd) war auch nicht bei Dobrindt: „Allein, dass ich wegen Söder heute nicht nach Hamburg zur Arbeit gefahren bin“, sagt doch schon einiges.

Christoph von Speßhardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Elbe-Weser, fehlte bei der Söder-Veranstaltung mehr Fokus auf Wirtschaft, besonders ein klares Bekenntnis zum Mittelstand. Aber es habe auch gute Ansätze gegeben: „Gesunder Menschenverstand und mehr Vertrauen - damit kriegt man mich. Bürokratie ist ja nichts anderes als geronnenes Misstrauen.“

CDU-Oppositionsführer Sebastian Lechner im Dialog mit den Protestierenden vor dem Stadeum.

CDU-Oppositionsführer Sebastian Lechner im Dialog mit den Protestierenden vor dem Stadeum. Foto: Richter

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