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Gesellschaft

TRauschende Stader Ballnacht mit kleinen Schönheitsfehlern

Die Lateintänzer vom VfL Stade zogen die Blicke auf sich.

Die Lateintänzer vom VfL Stade zogen die Blicke auf sich. Foto: Martin Elsen

Mit Spannung blickten Gäste und Stadeum-Crew auf die 1. Stader Ballnacht, die Nachfolgerin des legendären Opernballs. Ist der Neustart geglückt? Ja, aber...

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Von Lars Strüning
Sonntag, 08.03.2026, 13:15 Uhr

Stade. Die Spannung war zum Greifen, bevor sich um 19 Uhr die Tore zum festlich ausstaffierten Stadeum öffneten. Einer Kellnerin fiel ein Tablett mit Sektgläsern auf den schwarzen (nicht roten) Teppich, eine Tischdeko fing kurz Feuer, Brandgeruch zog durch den Saal. Dann aber.

Vorfreude auf den Abend spiegelt sich in den Gesichtern

Die Gäste zogen pünktlich und in Scharen ein, wurden freundlich mit 1000-Dollar-Gutscheinen fürs Casino und einem Glas Sekt begrüßt. Die Stimmung war von Anfang an prächtig. Vielen stand die Vorfreude auf einen außergewöhnlichen Abend ins Gesicht geschrieben.

Tobias Paulsen gehörte dazu. Der Stadeum-Chef begrüßte die Gäste - nach zwei Jahren Vorbereitungszeit. Dass es trotz des festlichen Rahmens locker zugehen durfte, davon zeugten seine Worte: „Habt alle viel Spaß.“ Früher hieß es noch: „Alles Walzer“. Aber der Opernball ist Geschichte.

Das Stadeum zeigte sich von seiner besten Seite. Kronleuchter hingen von der Decke und standen auf den Tischen, die ebenso wie die Stühle weiß eingedeckt waren. Größte Änderung: Die Casinofläche wurde stark erweitert. Zehn Spieltische und sechs einarmige Banditen waren platziert. Die Ballgäste ließen sich nicht lange bitten.

Casino und Tanzfläche füllen sich schnell

Sie tauschten ihre 1000-Dollar-Gutscheine in Jetons um und zockten los bei Black Jack, Roulette oder an den Automaten. Die extra eingerichtete Ecke füllte sich schnell. Das galt auch für die Tanzfläche.

Viele nutzen den Ball, um sich schick zu machen, auszugehen und zu tanzen. Das Parkett war vom ersten Tanz an - dann doch ein Walzer - gut besucht bis in den späten Abend hinein.

Gut gelauntes Trio in schicken Abendkleidern.

Gut gelauntes Trio in schicken Abendkleidern. Foto: Martin Elsen

Der Mix machte es: Schon als zweites Lied spielte das Tanzorchester „Die Studiker“ Love is in the air, was viele wohl noch aus ihrer Tanzschulzeit kannten. Sie hielten bis 2.30 Uhr durch.

Großen Applaus erhielten die Paare, die für den Eröffnungstanz geübt hatten: eine Choreografie mit Schwerpunkt Walzer. Sie ersetzten die Debütanten.

Ein Abend mit viel guter Laune und kleinen Macken

Die Stimmung war gelöst, freundlich, festlich. Einige Tanzfreudige monierten die verkleinerte Tanzfläche, weil sich das Casino und eine elegant runde Bar im Hansesaal ausgebreitet hatten. Sie wichen auf die freie Fläche vorm Foyer aus.

Festlich und fröhlich: Das Publikum im Stadeum während der 1. Stader Ballnacht.

Festlich und fröhlich: Das Publikum im Stadeum während der 1. Stader Ballnacht. Foto: Martin Elsen

Der 1. Stader Ballnacht war ein Versuch, in den das Stadeum-Team viel Herzblut gesteckt hat. Der neue Mix mit Eisfahrrad, Candybar und Fotobox kam gut an. Das galt auch für die wiederbelebte Disco ab 23 Uhr, die sich bis in den frühen Morgen hinzog.

Ein wichtiger Programmpunkt war der Auftritt des A-Teams der Lateinformation des VfL Stade, das vor heimischer Kulisse gefeiert wurde. Hier ging das Stadeum neue Wege. Früher tanzten Weltmeister-Formationen aus Bremen und Bremerhaven. Vorteil der Lokalmatadoren: Sie feierten noch lange mit.

Der Moderator überzieht seine Mentalisten-Auftritte

Gespart wurde auch beim Moderator. Leider. Der Mentalist Yann Yuro führte durch den Abend, überzog aber seine Auftritte. Die Wortbeiträge waren laut und lang, wurden als störend empfunden.

Dass Stade so wild tanzen soll, dass in Hamburg die Elphi einstürzt, war jetzt auch nicht gerade geistreich. Hier besteht fürs nächste Mal Handlungsbedarf.

Auch das kulinarische Angebot hielt sich in Grenzen. Wer ein Menü vorbestellt hatte oder später am Abend am Buffet teilnahm, war fein raus. An den Tischen konnten Wraps oder Brezeln bestellt werden. Gäste mit Wandelkarten guckten aber in die Röhre.

Spannung beim Roulette. Das Stadeum hatte eine große Fläche fürs Glücksspiel aufgebaut.

Spannung beim Roulette. Das Stadeum hatte eine große Fläche fürs Glücksspiel aufgebaut. Foto: Martin Elsen

Sie konnten ihren Hunger an der Candybar mit Snickers, Twix oder weißen Mäusen stillen. Auch da ist noch Luft nach oben.

Die Kritik soll aber nicht darüber hinwegtäuschen: Es war ein gelungener Abend, die Menschen genossen ihn. Und das ist das Entscheidende. So sieht es auch Tobias Paulsen. 700 Karten wurden verkauft, Ziel erreicht: „Unsere Idee der Ballnacht ist aufgegangen, darüber bin ich sehr froh.“

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