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Naturphänomene

TRegenwürmer: Ohne diese Wühler wären unsere Böden kaum nutzbar

Regenwürmer sind wahre Fressmaschienen. Dabei bewegen und durchlüften sie die Böden.

Regenwürmer sind wahre Fressmaschienen. Dabei bewegen und durchlüften sie die Böden. Foto: Paulin

Sie sind kaum zu sehen und nicht zu hören. Regenwürmer leben verborgen im Boden und finden kaum Beachtung. Dabei machen sie etwa 80 Prozent der im Boden lebenden Tiere aus.

Von Wolfgang Kurtze Sonntag, 07.12.2025, 16:50 Uhr

Landkreis. Sie sind die Leittiere des Bodens. Sie sind extrem wichtig, weil sie den Boden permanent umsetzen, bewegen und belüften. Sie sind „rege Würmer“, die im Zeitlupentempo, aber immerzu aktiv den Boden durcharbeiten. Ohne diese Wühler wären unsere Böden kaum nutzbar.

Jetzt im Herbst und zu Beginn des Winters sind sie besonders aktiv. Ihre Wohlfühltemperatur ist jetzt oft gegeben: 10 bis 14 Grad mögen sie. Ihre Tätigkeit ist gut sichtbar, denn die Kothäufchen sehen wir jetzt im Rasen oder auf Wegen.

Ein weiterer Grund für ihre hohe Aktivität ist die große Biomasse, die ihnen jetzt zum Fressen zur Verfügung steht.

Faulende Blätter und Früchte sind ihre Lieblingsspeise

Jetzt liegen Unmengen an faulendem Material auf dem Boden: Blätter, Halme oder abgefallene Früchte. Und genau das sind die Lieblingsspeisen der Regenwürmer.

Sie warten, bis ihr Leibgericht durch Pilze und Bakterien gut zubereitet ist. Erst dann ziehen sie mit Hilfe ihrer sehr starken Lippenmuskulatur die angegorene Nahrung in den Boden.

Hier wird sie weiter aufgeweicht und dann gefressen. Zusammen mit Sandkörnchen gelangt die Nahrung in den kräftigen Muskelmagen. Darmmuskulatur und kleinste Steinchen zerreiben die Nahrung zu einem Brei.

Darmbakterien und Enzyme machen die Zersetzung perfekt. Heraus kommt am Ende ein wundervolles Düngerhäufchen, das Regenwürmer auf der Erdoberfläche absetzen.

Sie sind wahre Fressmaschinen: Jeden Tag braucht ein Regenwurm etwa die Hälfte seines Eigengewichts an Nahrung.

Wer seinen Garten immer blankputzt, der hat keine Regenwürmer im Garten und dem wird der Boden nicht verbessert. Gärtner sollten im Garten immer etwas für für die Wühler liegenlassen – das verbessert die Fruchtbarkeit im Garten.

Plötzlicher Frost ist lebensgefährlich

Plötzlich und unvermittelt kann jetzt der Frost kommen. Diese Situation ist für Regenwürmer lebensgefährlich. Denn manchmal können sie sich nicht schnell genug in die frostsichere Tiefe des Bodens zurückziehen und sie erfrieren.

Die Verluste bei plötzlich auftretendem Frost können genauso hoch sein wie die im vergangenen Sommer, als die Böden und mit ihnen die Regenwürmer austrockneten.

Gelingt jedoch der geordnete Rückzug in die Tiefe, dann kringeln sie sich ein und bleiben in einem kleinen Hohlraum. Anschließend verfallen sie in Bewegungsarmut und Starre.

Im kommenden Frühjahr wachen sie wieder auf, produzieren die ersten Kothäufchen, um uns und unserem Garten Gutes zu tun. Aber wehe, wenn starke Spätfröste kommen und die Regenwurm-Armada tödlich gefrostet wird.

Wo einst 800 Exemplare lebten, sind es nur noch 100

Die Erfassung und Schätzungen von Regenwurm-Mengen sind schwierig. Im Jahr 1968 wurde die Zahl der Regenwürmer in einem Quadratmeter bis in 30 Zentimeter Tiefe im Schnitt mit bis zu 800 angegeben.

Das ist leider vorbei. Es ist davon auszugehen, dass nur noch 100 Regenwürmern pro Quadratmeter leben.

Auch auf halbwegs intakten Wiesen ist die Zahl der Regenwürmer zurückgegangen. Extreme Wetterwechsel, Gülleeinträge, Chemikalien und Verdichtung durch hohe Achslasten der landwirtschaftlichen Fahrzeuge, so die Meinung vieler Bodenkundler, fordern auch unter Regenwürmern und Bodenlebewesen ihren Tribut.

Buch und Serie

Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge.

Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.

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