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Gastronomie

TRestaurant bleibt in der Familie: Das plant der neue Chef von Viebrocks

Klaus und Martina Cohrs (links und rechts) unterstützen Sohn Lukas Cohrs und Lena Rose weiter im Gasthaus.

Klaus und Martina Cohrs (links und rechts) unterstützen Sohn Lukas Cohrs und Lena Rose weiter im Gasthaus. Foto: Thumann

Viebrocks Gasthaus in Rutenbeck ist von jeher Familiensache - und das bleibt es auch. Lukas Cohrs stand schon im Maxi-Cosi in der Küche. Jetzt ist er der Chef.

Von Rainer Thumann 13.10.2026, 18:30 Uhr

Rutenbeck. Vor 72 Jahren kauften Margarethe und Klaus Viebrock in Rutenbeck einen Bauernhof, in dem es auch einen Ausschank gab. „Eine Gastwirtschaft zu betreiben, war meinen Großeltern anfangs fremd“, erinnert sich Klaus Cohrs, der 1994, also 40 Jahre später, zusammen mit seiner Frau Martina in dritter Generation Viebrocks Gasthaus übernahm. Nach 32 verantwortungsvollen Jahren reichte nun auch er den Staffelstab an die nächste Generation weiter.

Seit Januar ist der Betrieb offiziell auf den ältesten Sohn Lukas überschrieben. Ganz aus dem Gasthaus zurückgezogen haben sich seine Eltern noch nicht. Dafür ist der Übergang noch zu frisch – und ihre Erfahrung und Arbeitskraft weiterhin gefragt.

Traumberuf Koch: „Das wollte ich schon immer machen“

Dass Lukas Cohrs eines Tages das Gasthaus übernehmen würde, war in der Familie keine Überraschung. Vorgegeben worden sei ihm das nie, sagt der 32-Jährige. „Den Beruf des Kochs wollte ich schon immer machen.“ Es sei sein Traum gewesen, und daran habe sich bis heute wenig geändert. „Ich kann mir auch nicht viel anderes vorstellen.“

Das liegt vielleicht auch daran, dass das Gasthaus für Lukas Cohrs schon immer mehr war als ein Arbeitsplatz. Er ist hier quasi aufgewachsen. „Im Maxi-Cosi stand er auf der Kühltruhe oder war bei den Großeltern, während wir gearbeitet haben“, erinnert sich Martina Cohrs. Seine ältere Schwester Theresa wurde Kunsttherapeutin, der jüngere Bruder Mathis Tischler und studierte Urban Design. Lukas Cohrs dagegen zog es immer wieder zurück in die Gastronomie.

Allerdings nicht, ohne vorher über den Tellerrand zu schauen. Nach dem Abitur absolvierte er seine Kochausbildung im Hamburger Hotel Böttcherhof, arbeitete während Work & Travel in Australien und sammelte weitere Erfahrungen in einem Hamburger Restaurant. An der Hotelfachschule in Heidelberg kamen betriebswirtschaftliche Kenntnisse hinzu, später machte er noch seinen Küchenmeister.

Neuer Chef will auch mal selber Fehler machen

Die Übergabe ist ein Prozess, bei dem jeder seine neue Rolle finden muss. Für ihn sei die Zeit gekommen, eigene Entscheidungen zu treffen und „auch mal selber Fehler zu machen“, wie Lukas Cohrs selbst sagt. Genau darin liegt die Herausforderung: Das bewährte „System Viebrock Gasthaus“ soll erhalten bleiben, gleichzeitig möchte der neue Chef eigene Akzente setzen. Bei den Mitarbeitern etwa setzt er stärker auf Eigenverantwortung und darauf, dass sie innerhalb klarer Standards selbst Entscheidungen treffen können.

Auch in der Küche soll sich etwas bewegen. Den einst berühmten Toast Hawaii gibt es schon lange nicht mehr. Andere Klassiker sind geblieben: „Den Altdeutschen Topf, Matjes Hausfrauenart und Hochzeitssuppe gibt es immer noch auf der Speisekarte. Vegetarische und vegane Gerichte gehören selbstverständlich auch zum Angebot“, erklärt Lukas Cohrs.

Dazu kommen saisonale und regionale Produkte - die Pommes zum Beispiel von Kartoffeln aus dem eigenen Garten. Lukas Cohrs möchte die Küche „etwas moderner und feiner gestalten, ohne daraus ein Luxusrestaurant zu machen“. Auch Menüs mit mehreren Gängen kann er sich vorstellen.

Das Gasthaus soll bleiben, was es für Lukas Cohrs immer war: ein Ort mit persönlicher Atmosphäre. „Wenn wir was machen, dann machen wir es vernünftig“, beschreibt er einen Grundsatz der Familie.

Betriebsübergabe ist für die Eltern kein einfacher Schlussstrich

An seiner Seite steht Lena Rose. Die ausgebildete Gastronomie-Fachfrau kam 2021 zunächst als Aushilfe ins Gasthaus. Aus dem Nebenjob wurde eine feste Beschäftigung, aus der Zusammenarbeit schließlich eine Beziehung. Heute ist sie nicht nur Mitarbeiterin, sondern Lebenspartnerin des neuen Chefs. Die nächste Generation ist bereits unterwegs: Lukas und Lena erwarten ihr erstes Kind.

Für Lukas Cohrs ist die Zukunft des Hauses nicht nur eine berufliche Frage. Zum Gasthaus gehören für ihn auch der Garten, das Gelände, ein Hund und die Schafe. Es ist dieses gesamte Umfeld, mit dem er aufgewachsen ist und das er nun weiterführen möchte.

Auch deshalb ist die Übergabe für die Eltern kein einfacher Schlussstrich. Klaus und Martina Cohrs bleiben als Altenteiler dem Betrieb ebenso verbunden wie Großmutter Anni. Mit ihren 88 Jahren kommt sie noch heute täglich zum Mittagessen rüber. 25 Jahre lang führte sie gemeinsam mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Heinrich die zweite Generation des Gasthauses. Zu Beginn stand sie sogar allein in der Küche.

Alle helfen, wenn sie gebraucht werden. Eben Familie, wie sie früher unter einem Dach üblich war. Das Gasthaus Viebrock bleibt auch künftig Familiensache.

Die Geschichte des Gasthauses begann als Bauernhof mit Ausschank.

Die Geschichte des Gasthauses begann als Bauernhof mit Ausschank.

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