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Gefrorene Gewässer

TNotfall auf dem Eis in Harsefeld – So läuft ein Rettungseinsatz der DLRG ab

Die Einsatzkräfte der DLRG Horneburg/Altes Land und der Feuerwehr Harsefeld suchten am Montag nach einem Hund, der in ein Regenrückhaltebecken eingebrochen war.

Die Einsatzkräfte der DLRG Horneburg/Altes Land und der Feuerwehr Harsefeld suchten am Montag nach einem Hund, der in ein Regenrückhaltebecken eingebrochen war. Foto: DLRG

DLRG und Feuerwehr mussten in diesem Jahr bereits zum ersten Rettungseinsatz in einem teils zugefrorenen Gewässer ausrücken. In Harsefeld war ein Hund ins Wasser eingebrochen.

Von Redaktion Mittwoch, 07.01.2026, 05:50 Uhr

Landkreis. Wie dünn das Eis aktuell noch ist, zeigt ein trauriger Einsatz aus Harsefeld. Dort wurden am Montagvormittag (5. Januar 2026) gegen 10 Uhr die Einsatzkräfte der DLRG Horneburg/Altes Land sowie die Feuerwehr Harsefeld zu einem Regenrückhaltebecken im Stubbenweg alarmiert.

Wie die DLRG-Ortsgruppe in ihrem Einsatztagebuch berichtet, war ein Hund in das Regenrückhaltebecken im Stubbenweg gerutscht und dort versunken.

Ein Strömungsretter sucht das Regenrückhaltebecken ab. Das dünne Eis ist gebrochen.

Ein Strömungsretter sucht das Regenrückhaltebecken ab. Das dünne Eis ist gebrochen. Foto: DLRG

„Trotz der Suchmaßnahmen vom Boot aus und durch einen Strömungsretter der DLRG konnte der Hund leider nicht gefunden werden“, teilt die DLRG mit.

Eisrettung - wie läuft so ein Einsatz ab?

Wenn das Eis bricht, tickt die Uhr. Im kalten Wasser entscheiden oft wenige Minuten über Leben und Tod. Robert Rink, stellvertretender Vorsitzender der DLRG Horneburg/Altes Land, erklärt, wie die Wasserrettungsspezialisten der DLRG bei einem Einsatz auf dem Eis vorgehen.

Die Herausforderung: Der Wettlauf gegen die Kälte

Eine erfolgreiche Rettung aus dem Eis scheitert oft an der Physik. Es bleibt nur ein extrem kurzes Zeitfenster, bevor die Kälte siegt. Ein Mensch im Eiswasser verliert binnen weniger Minuten die Fähigkeit, sich selbst zu halten; bereits nach drei bis vier Minuten erschlaffen die Muskeln und der Körper erlahmt.

Mit Spineboard und Kälteschutzanzügen: Die Einsatzkräfte der DLRG sind speziell für Rettungseinsätze im Wasser ausgebildet.

Mit Spineboard und Kälteschutzanzügen: Die Einsatzkräfte der DLRG sind speziell für Rettungseinsätze im Wasser ausgebildet. Foto: DLRG

„Schwere Technik wie Schlauchboote oder Eisschlitten sind unverzichtbar, aber sie sind oft die zweite Welle“, erklärt Robert Rink, stellvertretender Vorsitzender der DLRG Horneburg/Altes Land. „Bis ein Boot zu Wasser gelassen ist, kann dieser Kampf gegen die Zeit bereits verloren sein.“

Sekunden entscheiden im Eiswasser: Rettung in zwei Phasen

Die Einsatzkräfte der DLRG Horneburg/Altes Land gehen daher in einem solchen Fall in zwei Phasen vor:

  • Phase 1 – Der Erstangriff (Sicherung): Sobald eine Person im Eis noch sichtbar ist, zählt Geschwindigkeit. Ein einzelner, speziell ausgebildeter Rettungsschwimmer in erweiterter persönlicher Schutzausrüstung (Kälteschutzanzug) geht sofort, leinengesichert, zum Verunfallten vor. Ausgerüstet mit einem Spineboard (Rettungsbrett) sichert er die Person gegen das Untergehen. „Der Vorteil: Der Retter ist extrem schnell, wendig und benötigt keine Rüstzeit für Boote“, sagt Rink. Die Person ist gesichert, die akute Lebensgefahr ist gebannt.
  • Phase 2 – Die technische Rettung (Evakuierung): Erst danach folgt das „schwere Gerät“ (Schlauchboote, Eisschlitten), um Patient und Retter schonend und sicher an Land zu bringen.

Experten für Einsätze im Wasser

Während die Feuerwehr die flächendeckende Infrastruktur stellt, liefert die DLRG im Landkreis Stade das Spezialwissen für Wassereinsätze. „Wir sind die Experten, die ins Wasser gehen, wenn andere am Ufer stehen bleiben müssen“, so die DLRG-Führung. Die DLRG-Retter sind ausgebildet im Umgang mit Kältephysiologie, Strömung (Tide) und Eisdynamik.

DLRG warnt: Eisflächen nicht betreten!

Die DLRG Horneburg/Altes Land warnt aktuell eindringlich: Betreten Sie keine Eisflächen!

Tipps für den Notfall:

• Warnzeichen erkennen: Dunkle Stellen, Risse, Knistern oder Wasser auf der Oberfläche sind absolute Warnsignale – das Eis darf hier keinesfalls betreten werden. Vorsicht ist auch an bewachsenen Ufern sowie Ein- und Ausflüssen geboten.

• Verhalten auf dem Eis: Sollte das Eis knacken, sofort flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen, und vorsichtig zum Ufer robben (keine ruckartigen Bewegungen).

Was tun, wenn jemand eingebrochen ist?

Ist das Eis gebrochen und eine Person im Wasser, rät die DLRG zu folgenden Maßnahmen:

  • Notruf: Wählen Sie sofort die 112, da dem Verunfallten nur wenige Minuten bleiben, bevor die Muskeln versagen.
  • Eigensicherung: Bringen Sie sich als Helfer nicht selbst in Gefahr. Nutzen Sie Leinen oder Rettungswesten und wagen Sie sich nicht zu weit hinaus.
  • Hilfsmittel: Nutzen Sie Unterlagen wie Leitern, Bretter oder umgedrehte Tische, um das Gewicht auf dem Eis zu verteilen.
  • Erste Hilfe nach der Rettung: Die gerettete Person vorsichtig erwärmen und in warme Decken hüllen. Wichtig: Auf keinen Fall mit Schnee abreiben oder Alkohol geben! Stattdessen warme, alkoholfreie Getränke reichen.
  • Aufklärung von Kindern: Informieren Sie unbedingt auch Kinder über die Gefahren durch Eiseinbrüche für Mensch und Tier.

Die DLRG hat die wichtigsten Eisregeln auf ihrer Homepage zusammengefasst. Auf Facebook informieren die Ehrenamtlichen zudem über ihre Einsätze: www.facebook.com/dlrg.horneburg.

Kinder nicht allein lassen

Dass Menschen ins Eis einbrechen, komme im Landkreis Stade zum Glück nur selten vor, berichtet der stellvertretende Bezirksleiter der DLRG im Kreis Stade, Rainer Bohmbach, dem TAGEBLATT auf Nachfrage.

Die Lebensretter appellieren an Eltern, ihre Kinder über die Gefahren von vermeintlich gefrorenen Gewässern aufzuklären. Rainer Bohmbach sagt: „Lassen Sie Ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt an Gewässern, an denen sich eine Eisdecke gebildet hat, spielen.“

Eingebrochen ins Eis: So befreit man sich

Auf dem See oder dem Teich hat sich eine Eisschicht gebildet? Gut, wenn die Vernunft jetzt stärker ist als die Verlockung, die Schlittschuhe hervorzukramen und sich auf das Gewässer zu wagen.

Denn so einer Eisfläche kann man nicht ansehen, ob sie dick genug ist, um Menschen zu tragen, warnt Andreas Paatz, Bundesleiter der DRK-Wasserwacht. Auch mehrere Tage mit Minusgraden in Folge sind keine Garantie. „Man weiß einfach nie, wie das Wasser darunter aussieht, ob es vielleicht eine leichte Strömung gibt.“ Sie verringert das Tempo, in dem ein Gewässer zufriert.

Wie dick muss das Eis sein, damit man es sicher betreten kann?

Dazu kommt, dass die Eisdecke auf einem Gewässer nicht überall gleich dick ist. „Das Eis gefriert auf einem Gewässer von außen - also vom Ufer - zur Mitte hin“, sagt Paatz.

Es gibt grobe Richtwerte: Stehende Gewässer sind demnach ab einer Eisdicke von 15 Zentimetern sicher zum Betreten. Bei fließenden Gewässern sollten es mindestens 20 Zentimeter sein. Manche Kommunen lassen das Eis prüfen, beispielsweise von der freiwilligen Feuerwehr. Ist es dick genug, wird das Gewässer freigegeben. Immer eine gute Idee daher: Vor dem Betreten checken, ob es grünes Licht gibt.

Warum ist ein Einbruch ins Eis so gefährlich?

Wer einfach so eine Runde auf einem zugefrorenen Gewässer dreht, riskiert ein Einbrechen - und damit sein Leben. Gleich zwei Gefahren kommen dabei zusammen.

Erstens kommt es zu einer Unterkühlung, denn die Körperkerntemperatur sinkt im eiskalten Wasser gefährlich ab. Das ist an Armen und Beinen zuerst zu spüren, sie fühlen sich taub an. „Und das heißt: Es wird dann schwer, sich mit den Händen irgendwo festzuhalten“, sagt Paatz.

Innerhalb von Minuten kann so eine Unterkühlung zu Bewusstlosigkeit und einem Herz-Kreislauf-Stillstand führen. Dann kommt die zweite Gefahr ins Spiel: Wer sich nicht mehr bewegen kann, versinkt unter Wasser und ertrinkt.

Besteht eine Chance, sich allein zu befreien?

Durchaus, aber es ist schwer - und die Zeit läuft. Daher sollte man durch Rufen und Winken auf sich aufmerksam machen, damit Außenstehende den Notruf 112 wählen und helfen können.

Ist man eingebrochen, übernimmt verständlicherweise erst einmal die Panik. Gut aber, wenn es gelingt, sich kurz zu sammeln und sich klarzumachen: Wildes Strampeln ist jetzt kontraproduktiv. „Bewegung im kalten Wasser fördert die Auskühlung weiter“, sagt Andreas Paatz.

Nun kann man probieren, sich aus der Lage zu befreien, „indem man das umgebende Eis in Richtung Ufer mit Händen und Unterarmen wegbricht“, wie der Experte erklärt.

Im besten Fall kommt man an einer Stelle an, an der sich das Eis nicht mehr wegbrechen lässt, also wieder stabiler ist. „Dann kann ich versuchen, mich in Bauch- oder Rückenlage langsam auf das Eis zu schieben. In der Position kann ich mich dann in Richtung Ufer bewegen“, sagt der Experte der DRK-Wasserwacht. (set/dpa)

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