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TSanierung in der Buxtehuder Altstadt: So rettet Familie Meyer ihr Haus

Eigentümer Gerd Meyer besichtigt die Baustelle im Keller seines Gebäudes in der Buxtehuder Altstadt. Handwerker errichten Fundamentstreifen aus Beton.

Eigentümer Gerd Meyer besichtigt die Baustelle im Keller seines Gebäudes in der Buxtehuder Altstadt. Handwerker errichten Fundamentstreifen aus Beton. Foto: Sulzyc

Diese böse Überraschung kann jeden Eigentümer treffen: Durch Luftkontakt faulen die historischen Holzfundamente. Ein Besuch auf der Baustelle der Brüder Horst und Gerd Meyer.

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Von Thomas Sulzyc
Dienstag, 10.02.2026, 13:45 Uhr

Buxtehude. Wer in der Buxtehuder Altstadt lebt, kennt das Phänomen: Einst auf Holzpfählen im Moor gegründet, wohnt den Gebäuden Bewegung inne. Das sind Veränderungen, die sich in Jahrzehnten vollziehen. Vier Zentimeter Gefälle habe er in seiner Wohnung, sagt Horst Meyer. Oder anders ausgedrückt: „Der Suppenteller ist auf der einen Seite voller als auf der anderen.“

Das Gebäude an der Langen Straße 37 in der Altstadt von Buxtehude wird von seinen Eigentümern bewohnt.

Das Gebäude an der Langen Straße 37 in der Altstadt von Buxtehude wird von seinen Eigentümern bewohnt. Foto: Sulzyc

Den Brüdern Horst (69) und Gerd (65) Meyer gehört das Gebäude an der Langen Straße 37. Horst Meyer ist Ehrenstadtbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Buxtehude. Der frühere Sparkassenkaufmann Gerd Meyer ist seit 1979 Kassenwart der Feuerwehr. In unterschiedlichen Wohnungen bewohnen sie das Haus. Es liegt in der Fußgängerzone am sogenannten Feuergang, einer schönen Altstadtgasse.

Feine Risse im Mauerwerk gehören zu den Altstadthäusern dazu. In den vergangenen zwei bis drei Jahren seien sie aber vermehrt aufgefallen, sagt Gerd Meyer. Ein Freund, der zwei Häuser weiter wohnt, habe das vor etwa 20 Jahren auch erlebt.

Eigentümer Horst Meyer betrachtet einen Riss im Mauerwerk seines Altstadthauses.

Eigentümer Horst Meyer betrachtet einen Riss im Mauerwerk seines Altstadthauses. Foto: Sulzyc

Die Probegrabung eines beauftragten Bauunternehmens im Keller bestätigt den Verdacht: Durch Luftkontakt faulen die historischen Holzfundamente. Das Gebäude gerät in Gefahr, sein solides Fundament zu verlieren.

Normalerweise konserviert Grundwasser die Fundamentpfähle aus Holz durch dauerhaftes Stehen unter Wasser. Sinkt das Grundwasser, trocknen die Pfähle aus, faulen und verlieren ihre Tragfähigkeit. Das führt zu Absenkungen am Gebäude und Rissen im Mauerwerk.

Grundwasser sinkt - Ursache unbekannt

Warum der Grundwasserspiegel unter dem Meyer-Haus gesunken ist, ist ungeklärt. Dass das Grundwasser überall in der Altstadt absinkt, lasse sich daraus nicht folgern. „Manche Häuser stehen auf einer Sandlinse, andere auf Fels oder im Moor“, sagt Horst Meyer. Jedes Haus sei ein Einzelfall.

Wann die Holzpfähle im Fundament zu faulen begonnen haben - auch das ist unbekannt. „Vielleicht vor 5 Jahren oder auch vor 50 Jahren“, sagt Gerd Meyer.

Das Gebäude zu verkaufen oder das Fundament zu sanieren - vor dieser Entscheidung standen Gerd und Horst Meyer. Die Kosten der Sanierung tragen die Eigentümer allein. „Das kostet so viel wie der Kauf einer Eigentumswohnung“, sagt Horst Meyer.

Meyers entschieden sich trotzdem, das Altstadthaus zu behalten und zu retten. „Wir lieben das Haus“, sagt Gerd Meyer. „Wir lieben es, in der Innenstadt zu leben.“

Familie betrieb einen Tante-Emma-Laden

Die Großeltern haben das Haus in den 1920er Jahren erworben. Wie alt es ist, sei nicht bekannt. Ein Hinweis in Sütterlinschrift könnte auf ein Baujahr um 1850 hinweisen. Aber sicher wisse er das nicht, sagt Horst Meyer. Unter Denkmalschutz stehe das Gebäude nicht.

In dem Ladengeschäft im Erdgeschoss betrieb die Familie bis 1982 einen Tante-Emma-Laden. Konserven und Spirituosen waren im Sortiment - auch Süßigkeiten, einzeln verkauft aus dem Glas. Anschließend mietete der Kaffeeröster Eduscho das Ladengeschäft und blieb zehn Jahre. Ein Eisladen und unterschiedliche Bäcker folgten, aktuell ist es die Bäckerei Hillert.

Die Aufnahme im Keller zeigt einen freigelegten Holzpfahl, der nicht mehr von Grundwasser konserviert wird und deshalb von Fäule betroffen ist.

Die Aufnahme im Keller zeigt einen freigelegten Holzpfahl, der nicht mehr von Grundwasser konserviert wird und deshalb von Fäule betroffen ist. Foto: Meyer

Seit Mitte November 2025 arbeiten Handwerker an der Stabilisierung des Gebäudes. Im Keller schaufeln sie im Boden die historischen Fundamentpfähle frei - bis zu der Stelle, an der das Grundwasser steht. 1,20 bis 1,50 Meter tiefe Löcher entstehen. Die ursprünglichen Erbauer hätten die Pfähle versetzt - nicht in Reih und Glied - in den Boden gebracht, erzählt Gerd Meyer.

Pläne zur Statik des Gebäudes seien nicht vorhanden. Wenn es sie jemals gegeben hat, dann sind sie verloren gegangen. Vielleicht beim Stadtbrand 1911 - wer weiß.

2000 Säcke Beton in den Keller getragen

Das Haus erhält ein Fundament, das es nie hatte: Fundamentstreifen aus Beton bauen die Handwerker. Insgesamt 2000 jeweils 25 Kilo schwere Säcke mit Betonmörtel haben sie bisher dazu in das flache Kellergewölbe getragen. Zumindest bis zu 1,80 Meter große Menschen können dort aufrecht stehen.

Voraussichtlich Ende März oder Anfang April werden die Arbeiten beendet sein. Dann steht das Altstadthaus wieder auf solidem Fundament.

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