TScheidender Airbus-Chef André Walter: Das ist am Standort Stade geplant
André Walter: Den Blick auf das Airbus-Gelände in Finkenwerder wird er nur noch bis Ende Juni haben, dann geht es zur Meyer-Werft in Papenburg. Foto: Stephan
Im nächsten Monat wird seine Ära bei Airbus enden: André Walter wird zum 1. Juli Geschäftsführer der Meyer Werft in Papenburg. Er blickt zurück - und gibt einen Ausblick.
Stade. Der 59-jährige Ingenieur ist seit 2022 Chef der zivilen Flugzeugsparte von Airbus mit rund 32 000 Beschäftigten und hat aktuell eine mehrere Hundert Millionen-Investitionen an allen Standorten im Norden eingeleitet. Den geplanten Hochlauf der A320-Serie bezeichnet er als „ein schönes Problem“. Wer sein Nachfolger wird, ist noch nicht bekannt.
„Bitte nicht über den Schiffbau reden“, so der Wunsch von André Walter, dem bisherigen Airbus-Top-Manager, vor unserem Gespräch zum Abschluss seiner Airbus-Karriere, die 2006 begann. Unter anderem leitete er die Standorte Bremen und Hamburg, bevor er Chef der zivilen Luftfahrtsparte bei Airbus in Deutschland wurde. Offiziell ist er Vorsitzender der Geschäftsführung der Airbus Aerostructures GmbH und der Airbus GmbH in Deutschland.
Ein immer jovial wirkender Zeitgenosse, der die gesamte Branche im Dezember mit seinem angekündigten Wechsel in den Schiffbau überraschte: Als Geschäftsführer der Meyer Werft soll er die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Schiffbauers stärken. Aus Respekt vor seiner Airbus-Tätigkeit möchte er sich zum Schiffbau und seinen Beweggründen für den Wechsel noch nicht äußern.
Dass er die Meyer Werft nicht aus einer Passion zur Kreuzfahrt übernimmt, hatte er an anderer Stelle schon gesagt. Kreuzfahrten gehörten bisher nicht zu seinen primären Urlaubsbeschäftigungen. Im Rückblick auf seine Airbus-Karriere nennt er als größte Herausforderung die Pandemie: „Das war schon eine irre Zeit, vor allem, weil niemand wusste, was kommt, und ob nicht das ganze Unternehmen gefährdet ist.“ „Gefühlt Tag und Nacht“ habe er mit seinen Kollegen im Büro gesessen und im Detail geplant, wie weiter produziert werden kann, damit die Airlines ihre Flugzeuge abholen konnten.
A380-Abschied der emotionalste Moment
Bei der Frage nach seinem emotionalsten Erlebnis in den 20 Jahren, nennt er den letzten Flug des Großraumjets A380 vom Werkgelände in Finkenwerder. „Wenn ich die Augen schließe, dann war die Verabschiedung der letzten in Hamburg ausgerüsteten A380 kurz vor Weihnachten 2021 emotional ein wirklich besonderer Moment.
Wir hatten die A380 mit 200 Leuten 100 Meter weit gezogen und sind damit im Guinnessbuch der Rekorde gelandet.“ Die Mitarbeiter seien traurig gewesen, weil sie wussten, dass das der letzte Flieger der Produktion im Norden war, hätten aber gleichzeitig Respekt vor diesem großartigen Flugzeug gezeigt. Der Wegfall der A380-Produktion war schon damals kompensiert durch den Hochlauf der A320-Flieger.
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Aktuell werden weltweit über 60 Flieger in den vier Endlinienstandorten in Finkenwerder, Toulouse, Tianjin (China) und Mobile (USA) gebaut, bis Ende nächsten Jahres soll die Zahl auf 75 gesteigert werden, der größte Teil dieser Flieger wird aus den Endlinien in Finkenwerder gebaut, Teile und Sektionen kommen aus allen zivilen Standorten des Konzerns. Insbesondere wegen der Zulieferer gilt der Hochlauf als große Herausforderung. „Aber ein schönes Problem“, sagt André Walter mit Blick auf die Auftragslage bei Airbus, die in den vergangenen zwei Jahren zu viele neuen Arbeitsplätzen in den Nordwerken geführt hat.
Walter: „Haben viel Personal abgebaut“
„Wir sollten nicht nur von den Werken im Norden reden, denn wir haben ja auch die ehemaligen Werke von Premium Aerotec in Augsburg und Varel sowie Brașov in Rumänien integriert und in allen Werken in den vergangenen Jahren viel Personal aufgebaut. Jetzt sind wir auf einer Stufe, auf der wir uns konsolidieren und den nächsten Ratenschritt abwarten.“
Gleichwohl werden auch weiterhin hochqualifizierte Fachkräfte wie Mechatroniker, Systemelektroniker, Strukturmechaniker, Ingenieure oder IT-Kräfte gesucht. Walter: „Unter dem Strich haben wir immer eine kleine Steigerung bei der Beschäftigung.“ Nach dem Produktionsplan seien die Arbeitsplätze langfristig gesichert.
Walter sagt aber auch: „Ganz sicher ist das nie, denn wir wissen nicht, was in dieser Welt noch passiert, wir haben ja in der Corona-Pandemie leidvoll erfahren müssen, wie schnell sich vieles in der Welt und in der Luftfahrt wandeln kann.“
Inwieweit die Lage im Nahen Osten Auswirkungen haben wird, sei derzeit noch nicht absehbar: „Wir beobachten die Lage sehr genau und müssen uns auf bestimmte Szenarien vorbereiten, die Lieferketten können schon zum Problem werden, denn wenn Schiffe anders fahren müssen oder Teile nicht mehr produziert werden können, weil Energie fehlt, kann das Auswirkungen haben.“
An allen Standorten wird investiert
Unabhängig von der Weltlage wird an allen Standorten derzeit für den Hochlauf investiert, insbesondere in Finkenwerder, wo das geplante Auslieferungszentrum zum „sichtbarsten Zeichen“ werde. Walter: „Mit einer geplanten Länge von 530 Metern und 26 Flugzeugpositionen wird dieses Gebäude zu einem bedeutenden Bauwerk, das wir benötigen, weil wir derzeit über den Standort verteilt an verschiedenen Stellen ausliefern, was logistisch unglücklich und auch für unsere Kunden nicht immer bequem und adäquat ist.“
Weitere Investitionen in Finkenwerder sind ein Parkhaus, neue Büroflächen und ein neues Lager für Großsektionen mit 42 Metern Höhe, in dem - wie in einem Hochregallager - Schalen und Rumpfsektionen untergebracht werden können. „Wir dürfen nicht vergessen, dass jeder Rumpf und jedes Seitenleitwerk, das in den Endlinien in Tianjin, Mobile oder Toulouse verarbeitet wird, in Hamburg ausgeliefert wird.“
Deutschlandweit werden mehrere Hundert Millionen Euro investiert. „In Stade sind es ein neues Lager und eine neue Produktionslinie für die Seitenleitwerke, und auch in Nordenham haben wir eine neue Produktionslinie in Betrieb genommen, dazu kommen neue Bauvorhaben, denn auch die Schalenproduktion wird beim Hochlauf entsprechend steigen“, so der scheidende Chef, der auch bei den Betriebsräten und der IG Metall ein hohes Ansehen hat.
„Wir haben uns gegenseitig immer auf Augenhöhe und mit Achtung behandelt.“ Das Grundverständnis, zum Wohle des Unternehmens zu handeln, sei bei beiden Seiten stark ausgeprägt. Betriebsräte habe er nie als Hindernis empfunden, eher als Hilfe bei der Bewältigung der Probleme. André Walters Feststellung zum Abschied: „Wir haben eine gute Kultur bei Airbus.“
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