TSchrottimmobilien in der Stadt: Manche vergammeln seit Jahrzehnten
Körnerstraße 7 und 9 (rechts). Früher war mal ein Bäcker in der 9. Jetzt ist das Haus völlig heruntergekommen, wie auch die Nummer 7, vor der aus Sicherheitsgründen eine Absperrung angebracht wurde. Für die Absperrung muss der Eigentümer zahlen. Foto: ls
Seit Jahren kämpft Bremerhaven gegen Schrottimmobilien. Rund 100 Mehrfamilienhäuser stehen sogar leer. Sie sind unbewohnbar.
Bremerhaven. Wer durch das Goethequartier spaziert, muss nicht lange suchen, um auf verwahrloste, verrammelte und leer stehende Häuser zu treffen. In dem Ortsteil befinden sich die meisten Schrottimmobilien Bremerhavens. Dieter Rehbehn ist Vorsitzender der Eigentümerstandortgemeinschaft Lehe (ESG) und wohnt selbst in dem Quartier. Sein Haus hat er liebevoll saniert. Doch er kennt die Problemfälle, oft auch ihre Geschichte und er weiß, warum so viele der Altbauten verfallen.
Stadtplaner hatten bis Anfang der 1990er-Jahre dort ihr Büro
Ein Rundgang mit ihm führt als Erstes zur Uhlandstraße 8. Ein heruntergekommenes Haus, das, so Rehrbehn, seit etwa Mitte der 90er Jahre leer steht. Vor sechs Jahren fand noch eine Kunstaktion in dem Gebäude statt, davon zeugen die Wandmalereien und eine Ankündigung der Aktion an den Fenstern. Doch mittlerweile ist das Haus mit Sperrholzplatten verrammelt.

Uhlandstraße 8: Seit etwa Mitte der 90er Jahre steht das Haus leer. Vor sechs Jahren fand noch eine Kunstaktion im Gebäude statt, davon zeugt die Wandmalerei, doch mittlerweile ist der Eingang verrammelt. Foto: ls
Kurios ist, dass bis Anfang der 90er Jahre Bremerhavens Stadtplaner hier ihr Büro hatten. Zu der Zeit wurden mit Fördermitteln in einem Großprojekt die Fassaden vieler Altbauten im Goethequartier saniert. Ziel war, die historische Bausubstanz zu erhalten. Die Stadtplaner hatten daher ein Domizil vor Ort bezogen. Danach verfiel es.
Sieben Gebäude allein in der Uhlandstraße aufgelistet
Die ESG Lehe listet regelmäßig die Schrottimmobilien im Goethequartier auf. Zuletzt vor einem halben Jahr, schildert Rehrbehn. Allein für die Uhlandstraße stehen sieben Gebäude auf der Liste: Neben der Hausnummer 8 noch die 12, 14, 23, 29, 31 und 32.
Die Uhlandstraße 23 stehe „erst“ seit etwa vier Jahren leer, weiß Rehrbehn.

Die Immobilien im Goethequartier geben Anlass zur Klage. So auch in der Uhlandstraße 23. Foto: ls
„Angeblich soll damals die Wasserversorgung im Haus zusammengebrochen sein“, sagt er. Warum dies nie behoben wurde, weiß er nicht. Doch beim Rundgang entdeckt Rehrbehn einen neuen Kandidaten: Auch die Uhlandstraße 27 ist nun unbewohnt. „Die Liste lebt“, meint er. Es gibt keinen Stillstand.
Sanierungskonzept nicht so professionell wie notwendig
Doch die Gründe, warum viele der heruntergekommenen Häuser nicht saniert werden, ähneln sich oft. Wie bei der Uhlandstraße 32. Ab Mitte der 90er Jahre, als die Fassaden glänzten, veränderte sich im Viertel die Eigentumsstruktur. Viele Hauseigentümer verkauften die Wohnungen in ihren Altbauten einzeln, oft an Interessenten von außerhalb.
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In der Krise Bremerhavens ab Mitte der 90er Jahre verlor die Stadt Einwohner und damit Mieter. Die unsanierten Wohnungen standen zunehmend leer. Dem späteren Eigentümer der Uhlandstraße 32, einem Bremer, sei es gelungen, die meisten Wohnungen wieder aufzukaufen und ein Sanierungskonzept zu erstellen. „Aber das war nicht so professionell, wie es notwendig gewesen wäre“, sagt Rehrbehn.
Die Besitzer glauben oft, dass die Instandsetzung billig zu haben sei, unterschätzen den Aufwand und verlieren die Lust, wenn sie merken, dass sie mehr investieren müssten oder Auflagen kommen. „Der Bremer hat die Immobilie dann weiterverkauft“, sagt Rehrbehn. An Ortsfremde. Passiert ist danach nichts mehr. Der Baustromkasten von dem letzten Sanierungsversuch steht weiterhin vorm Eingang.
Absperrung kostet den Eigentümer Geld
In der Körnerstraße befinden sich zwei besonders abschreckende Schrottimmobilien. Die Hausnummern 7 und 9. Seit gut drei Jahren ist der Gehweg der Körnerstraße 7 offiziell abgesperrt. Eine Auflage des Bauordnungsamts, die greift, wenn Fußgängern Gefahr droht, etwa durch herabfallenden Putz, baufällige Erker oder Ähnliches. „Das kostet den Eigentümer Geld“, sagt Rehrbehn. Er muss für die Absperrung zahlen. Aber offensichtlich nicht genug, um sein Verhalten zu ändern.

Die Häuser Lutherstraße 36 und 34a (v. li.nks) warten noch auf eine Sanierung. Foto: ls
„Das ist ohnehin die Frage, wie man den Druck auf Eigentümer erhöhen kann“, sagt Rehrbehn. Ein Mittel ist: positive Vorbilder. „Wenn jemand Geld in die Hand nimmt, ist es meistens ansteckend“, sagt er. „Wir beobachten regelmäßig, dass eine Sanierung die Eigentümer der angrenzenden Immobilien beeinflusst, selbst zu sanieren.“ Inflation und Zinssteigerungen hätten aber zuletzt viele zögern lassen. Ohnehin klappt die „Ansteckung“ nur bei hiesigen Eigentümern. Fondsgesellschaften lassen sich davon nicht beeindrucken.
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In der Körnerstraße gehören einige Gebäude einer Gesellschaft mit Sitz in Herford, schildert Rehrbehn. Interesse an der Vermietung bestehe nach seiner Einschätzung hier nicht. Eines ihrer Häuser in der Körnerstraße hätte die Gesellschaft nach dem Kauf sogar regelrecht entmietet. Es steht nun leer. Die Häuser seien in irgendeinem Portfolio verschwunden, vielleicht brächten sie noch auf dem Papier eine Wertsteigerung. Ein Einzelfall sei dies nicht. „Da fehlt uns der Werkzeugkasten, um gegen diese Gesellschaften vorzugehen“, findet der ESG-Vorsitzende.

Die Lutherstraße 27 hat Glück: Die Meta AG hat das Gebäude übernommen.Es soll als nächstes Projekt von Rolf Thörner saniert werden, schildert Dieter Rehrbehn von der Eigentümerstandortgemeinschaft Lehe. Foto: ls
Die Lutherstraße 27 hat hingegen Glück. Es soll, sagt Rehrbehn, das nächste Projekt von Rolf Thörner werden. Verdient hat es der Altbau.