TSeebäderverkehr: Nach 190 Jahren ist endgültig Schluss
Die „Fair Lady“ an der Sebäderkaje. Das Schiff wird bereits zum Verkauf angeboten. Foto: Eckardt
Seit 1837 fahren, mit Unterbrechungen, Seebäderschiffe von der Unterweser nach Helgoland. Damit ist jetzt Schluss. Es war ein schleichendes Ende.
Bremerhaven/Helgoland. In Spitzenzeiten nutzten die Verbindung mehr als 100.000 Passagiere im Jahr. Wie das Tochterunternehmen der AG Ems mitteilte, führte die Verbindung trotz mehrjähriger Bemühungen, umfangreicher Investitionen und Produktanpassungen nicht zum wirtschaftlichen Erfolg.
Seit 2011 hatte die Reederei Cassen Eils bis zur Corona-Pandemie den Seebäderverkehr zischen Bremerhaven und Helgoland mit der „Fair Lady“ wiederbelebt. Bis 2019 wurde die Verbindung jeweils von Mai bis September angeboten. Trotz kontinuierlichen Betriebs blieben die Fahrgastzahlen hinter den Erwartungen zurück, wobei in den ersten Betriebsjahren noch bis zu 66.000 Gäste gezählt wurden.
In den Folgejahren musste der Ausflugsverkehr ab Bremerhaven durch die Corona-Pandemie ausgesetzt werden. Die mangelnde Planungssicherheit führte in den Jahren 2022 und 2023 zum Einsatz der „Fair Lady“ auf der Route von Büsum nach Helgoland. Ab 2024 startete die Reederei Cassen Eils einen neuen Versuch und setzte für zunächst zwei Tage die Woche den Katamaran „Nordlicht“ von der Seebäderkaje ein.
Ersatzteile für die „Fair Lady“ gibt es nur als Einzelanfertigung
Für die Saison 2025 plante die Reederei Cassen Eils einen erneuten Einsatz des Seebäderschiffs „Fair Lady“ ab Bremerhaven. Im Mai wurde die Verbindung wieder aufgenommen. Doch schon im selben Monat musste der Betrieb des mittlerweile über 50 Jahre alten Schiffs aufgrund eines technischen Defekts - die Rede war von einem Getriebeschaden - eingestellt werden. Erst im Verlauf der Reparaturarbeiten im vergangenen Jahr wurde das volle Ausmaß des Schadens deutlich, wie die Reederei jetzt mitteilte. Eine besondere Herausforderung ist dabei, dass Ersatzteile nicht mehr bestellt werden können, sondern als Einzelanfertigung hergestellt werden müssen.
Branchenkenner berichten zudem, dass der Bustourismus, der über viele Jahre auch das Rückgrat für die Grundauslastung der Seebäderschiffe ab Bremerhaven war, seit der Corona-Pandemie noch immer nicht die Buchungszahlen bringt wie vor der Pandemie.
Der längerfristige Ausfall der rund 800 Passagiere fassenden „Fair Lady“ führte zur Neubewertung der Situation bei der Reederei Cassen Eils und führte letztlich zur Entscheidung, die Verbindung nicht mehr fortzuführen. Über einen Hamburger Makler wird das Schiff zum Kauf angeboten. Wie Birte Sievers, Geschäftsführerin der Reederei Cassen Eils, erklärte, gibt es schon einige Interessenten für das Schiff, die einen Weiterbetrieb, aber eben nicht mehr im Helgolandverkehr, anstreben.
Perspektiven für eine weitere Schiffsverbindung werden ausgelotet
Die Reederei Cassen Eils betonte, dass man auch weiterhin im Austausch mit der Seestadt Bremerhaven und dem Referat für Wirtschaft, Tourismus und Wissenschaft stehe. Gemeinsam bleibt man im Dialog, um etwaige Perspektiven für eine Schiffsverbindung ab Bremerhaven auszuloten. Aktuell ist dieses jedoch weder geplant noch absehbar. Aktuell konzentriert sich die Reederei Cassen Eils auf ihre ganzjährige tägliche Verbindung vom Stammsitz Cuxhaven nach Helgoland. Diese wird mit dem modernen und umweltfreundlichen Seebäderschiff „Helgoland“ sowie dem schnellen Katamaran „Nordlicht“ betrieben.
Michael Gerber, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH, erklärte hierzu schon kürzlich: „Die ,Mini-Kreuzfahrt‘ zur einzigen deutschen Hochseeinsel war immer ein wichtiger Baustein im touristischen Angebot der Stadt Bremerhaven. 2025 hatten wir uns gefreut, die ,Fair Lady‘ nach sechs Jahren Pause wieder begrüßen zu können, und viele Ideen entwickelt, die Strecke zu vermarkten. Leider fiel das Schiff mit technischen Problemen sehr schnell aus, so dass unsere Erwartungen da bereits nicht erfüllt wurden. Eine Verbindung nach Helgoland bedeutete für Bremerhaven ein zusätzliches Highlight im Städtetourismus. Den Verkehr hätten wir gerne auch künftig als strategischen Baustein in der Vermarktung von Gruppen- und Busreisen eingesetzt.“
Der Leiter des Referats für Wirtschaft, Tourismus und Wissenschaft, Dr. Ralf Meyer, betonte, dass er die Entscheidung von Cassen Eils bedaure, dies aber aus betriebswirtschaftlichen Gründen nachvollziehen könne.
Übernahme der Linie durch andere Reederei ist unwahrscheinlich
Dass eine andere Reederei kurzfristig den Seebäderverkehr von Bremerhaven nach Helgoland aufnimmt, ist nicht absehbar, da die beiden anderen im Helgolandverkehr tätigen Reedereien (FRS Helgoline und Adler & Eils) über keine entsprechenden Kapazitäten verfügen. Wie Jannes Piepgras, Geschäftsführer der Reederei Adler & Eils auf Anfrage erklärte, setzt diese Reederei nach dem Verkauf des Katamarans „Adler Jet“ im Herbst 2024 nur noch das Seebäderschiff „Funny Girl“ und zeitweise den Katamaran „Nordlicht II“ ab Büsum ein. Der Katamaran „Adler Cat“ verkehrt an ausgesuchten Tagen von Wilhelmshaven und Hooksiel.
Jedoch kann der Katamaran nicht einfach von Wilhelmshaven nach Bremerhaven wechseln, denn hier stellt sich laut Piepgras ein logistisches Problem für die Crew dar. Da es an Bord des Katamarans keine Unterkünfte gibt, müsste die Crew extern untergebracht werden. (ce/skw)
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