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Unsittliche Berührungen

TSexuelle Übergriffe gegen Patientinnen: Physiotherapeut-Chefin „geschockt“

Der angeklagte Physiotherapeut soll insgesamt sechs Patientinnen während der Behandlung sexuell missbraucht haben. (Symbolbild)

Der angeklagte Physiotherapeut soll insgesamt sechs Patientinnen während der Behandlung sexuell missbraucht haben. (Symbolbild) Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Die Chefin des Physiotherapeuten sagte als Zeugin vor dem Amtsgericht Verden aus. Der Mann aus Rotenburg soll sechs Frauen sexuell missbraucht haben.

Von Wiebke Bruns 13.10.2026, 09:37 Uhr

Verden. Ob sie von den Vorwürfen zuerst von der Polizei oder von einer Betroffenen erfahren hatte, konnte sie, so wie vieles andere, nach über drei Jahren nicht mehr erinnern. Die 39-Jährige sagte als Zeugin am zweiten Verhandlungstag des Prozesses am Amtsgericht Verden aus.

Sechs Frauen sollen von dem 59-Jährigen aus Rotenburg während Behandlungen in der Verdener Physiotherapiepraxis in der Zeit von Februar 2022 bis Sommer 2023 sexuell missbraucht worden sein. Sieben Fälle sind angeklagt. Teilweise haben die Frauen in dem Prozess von mehr Taten berichtet als angeklagt sind.

Chefin des Physiotherapeuten aus Rotenburg geschockt

Im August oder September 2021, genau erinnern konnte die Rotenburgerin es nicht mehr, habe der Mann bei ihr angefangen. Zwei Mitarbeiterinnen hatten gekündigt, sie selbst hatte ein kleines Kind. Da brauchte sie dringend Unterstützung und mit dem Mann war sie sehr zufrieden. „Das hat menschlich gut gepasst. Es war eine gute Lösung für uns beide“, sagte die 39-Jährige in dem Prozess. Er habe ihr von einer Anstellung in Hannover berichtet und dass ihm der Arbeitsweg dorthin zu weit gewesen sei.

„Gab es Auffälligkeiten oder Beschwerden?“, wollte der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts wissen. „Gar nichts“, antwortete die Zeugin. Als die Vorwürfe im Raum standen, habe sie ihn damit konfrontiert. Er habe alles abgestritten. Eine fristgerechte Kündigung habe sie ausgesprochen. „Rückblickend war das nicht so clever. Ich hätte das fristlos machen müssen, aber ich war überfordert mit der Situation“, erklärte die Zeugin.

Zeugin erläutert Abläufe in Verdener Physiotherapiepraxis

Laut dem Vorsitzenden Richter war die Polizei bereits am 1. September 2022 in der Praxis wegen eines Vorwurfs aufgetaucht. „Das ist mir völlig entfallen“, so die Frau. Im Sommer 2023 soll es zu der letzten Tat gekommen sein. An ein Gespräch mit dieser Frau konnte sich die damalige Praxisinhaberin erinnern.

Intensiv befragt wurde die 39-Jährige zu den Abläufen in der Praxis und bei den Behandlungen. Von so mancher Frage wirkte sie überrascht. Ob es Behandlungen gebe, bei denen die Frauen im Schambereich berühren muss. „Nein“, antwortete sie in aller Deutlichkeit. Wenn es um den Beckenboden geht, müssen es Praxen sein, die darauf spezialisiert sind, erklärte sie. „Ich lasse sie auch nie ihren Slip ausziehen. Auf gar keinen Fall.“

Zeugin: Patienten müssen sich nie komplett entkleiden

Patienten müssten sich nie komplett entkleiden, wozu der Angeklagte die Geschädigten teilweise aufgefordert haben soll. Der BH werde von der behandelnden Person geöffnet und wieder geschlossen, wenn die Frau auf dem Bauch liegt, erklärte sie. Auch dies gehöre zu den Dingen, die Patienten vorher angekündigt werden. Es sei denn, es sind Kunden, die schon häufiger in der Praxis waren und den Ablauf kennen.

Dass der Prozess nicht innerhalb der vorgesehenen zwei Tage beendet werden kann, war schon am ersten Tag klar. Zwei weitere Termine wurden bereits vereinbart. Am Ende dieses zweiten Verhandlungstages wurde der Verteidiger von dem Vorsitzenden gebeten, ihm alle freien Termine bis zum 18. November mitzuteilen. Er behalte sich vor, samstags zu verhandeln, machte dem Verteidiger deutlich: „Ich möchte nicht, dass das Verfahren wegen Terminschwierigkeiten platzt.“

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