Zähl Pixel
Abwasser

TSie stinken und kosten Unsummen: Fettklumpen im Horneburger Kanalsystem

Ein Blick in das Horneburger Pumpwerk Bleiche zeigt: Hier hat sich reichlich Fett abgesetzt.

Ein Blick in das Horneburger Pumpwerk Bleiche zeigt: Hier hat sich reichlich Fett abgesetzt.

„Durch das bisschen Fett wird schon nichts passieren“: Gernot Witte, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbands Altes Land und Geestrand, sieht das anders. Denn er kennt die Folgen.

author
Von Steffen Buchmann
Mittwoch, 25.03.2026, 11:50 Uhr

Herr Witte: Was passiert, wenn man Speiseöl in den Abfluss gießt?

Das Fett kühlt im Kanalsystem ab und verhärtet sich. Weil es sich nicht mit dem restlichen Abwasser vermischt, schwimmt es darauf und bildet Klumpen.

Wieso ist das schlecht für das Abwassersystem?

Das verklumpte Fett sammelt sich in den Pumpwerken und setzt sich dort fest. Innerhalb weniger Wochen entstehen so dicke Fettkrusten, die die Pumpen blockieren und irgendwann den Kanal verstopfen.

Welchen Aufwand bereiten solche Fettkrusten dem Abwasserverband?

Damit die Pumpen wieder funktionieren, muss der Abwasserverband die Pumpwerke und Kanäle mehrfach jährlich reinigen lassen. Dafür müssen wir eine externe Firma beauftragen. Dazu kommen Störungsfälle. Das verursacht zusätzliche Kosten, die sich letztlich auf die Abwassergebühren auswirken.

Innerhalb weniger Wochen können sich Fette in den Pumpwerken verklumpen und hinderliche Krusten bilden.

Innerhalb weniger Wochen können sich Fette in den Pumpwerken verklumpen und hinderliche Krusten bilden. Foto: AZV

Außerdem sind Fette im Kanal schlechter zu handhaben als die üblichen Inhaltsstoffe im Abwasser. Fette stinken und schmieren, was für die Mitarbeiter die Unfallgefahr erhöht.

Wie hat sich die Fett-Situation in den letzten Jahren in der Region entwickelt?

Ich würde gerne sagen, dass es sich verbessert hat. Das hat es aber nicht.

Woran liegt das?

Altes Speiseöl zu entsorgen, ist für Bürger relativ unpraktisch. Viele stellen sich die Frage: Wohin mit dem Fett aus der Pfanne? Es mit Küchenpapier aus der Pfanne aufzuwischen und über den Hausmüll zu entsorgen, machen nicht alle.

Hinzu kommt: Es herrscht viel Unwissenheit unter den Bürgern. Ein einzelner Haushalt ist nicht das Problem. Doch wenn alle Bürger denken, „durch das bisschen Fett wird schon nichts passieren“, kommt es durch die Summe immer wieder zu Verstopfungen. Da fehlt das Verständnis für die Konsequenzen.

Wie beurteilen Sie, dass die Samtgemeinde Horneburg jetzt Sammelboxen für Altspeiseöl aufstellt?

Die Sammelstellen bilden eine niedrigschwellige Alternative für Bürger, um altes Speisefett zu entsorgen. Ich hoffe, dass es sich ebenso etabliert wie die Mülltrennung. Für den Abwasserverband würde es die Arbeit erleichtern.

Welche anderen Dinge gehören ebenfalls nicht in den Abfluss?

Dazu zählen zum Beispiel Medikamente, Lebensmittel, Farben und Chemikalien sowie Hygieneartikel. Insbesondere Feuchttücher bereiten uns erhebliche Probleme. Feuchttücher bestehen aus Kunststofffasern, die zwar zerreißen, aber nicht kaputtgehen. Diese Fasern verfangen sich in den Pumpwerken und bilden riesige Zöpfe.

Dass in dieser Verzopfung eine Pumpe feststeckt, ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen.

Dass in dieser Verzopfung eine Pumpe feststeckt, ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Foto: AZV

Diese Zöpfe verkleben zusätzlich durch das Fett im Abwasser und verstopfen den Kanal. Da kann keine Pumpe gegen anarbeiten.

Sachen, die nicht ins Abwasser gehören, müssen draußen bleiben. Da führt kein Weg dran vorbei.

Gernot Witte, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbands Altes Land und Geestrand

Die Störungsfälle durch solche Verzopfungen haben in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Und die Mitarbeiter müssen die Zöpfe dann händisch abpulen.

Gibt es technische Möglichkeiten, um dem Verstopfungsproblem an Pumpwerken vorzubeugen?

Es gibt Abwasserpumpen mit Schneidrädern, die Feststoffe im Abwasser zerkleinern können. Alles häckseln können sie jedoch nicht. Solche Pumpwerke sind zudem wegen des Verschleißes und der Wartung teurer. Und eine Pumpe, die das Problem mit Verstopfungen gar nicht mehr hat, ist mir nicht bekannt.

Gernot Witte ist Diplom-Ingenieur bei Hamburg Wasser und ehrenamtlicher Geschäftsführer des Abwasserzweckverband (AVZ) Altes Land und Geestrand.

Gernot Witte ist Diplom-Ingenieur bei Hamburg Wasser und ehrenamtlicher Geschäftsführer des Abwasserzweckverband (AVZ) Altes Land und Geestrand. Foto: Vasel

Die beste Lösung bleibt: Sachen, die nicht ins Abwasser gehören, müssen draußen bleiben. Da führt kein Weg dran vorbei.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel