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Gastronomie

TSind große Landgasthäuser nicht mehr gefragt? Das sagt die Expertin

„Mit jedem Landgasthof, der schließt, geht Dorfkultur verloren“, sagt Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin des DEHOGA-Bezirksverbands Stade.

„Mit jedem Landgasthof, der schließt, geht Dorfkultur verloren“, sagt Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin des DEHOGA-Bezirksverbands Stade. Foto: Christoph Reichwein/dpa

Es gibt immer weniger Gasthäuser auf dem Land. Was bedeutet das für die Dörfer? Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin des DEHOGA-Bezirksverbands Stade, gibt Antworten.

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Von Grit Klempow
Samstag, 17.01.2026, 19:20 Uhr

Es gibt immer weniger Gasthöfe in den Dörfern. Wie lässt sich dieser Wandel auf dem Land aufhalten?

Nathalie Rübsteck: Damit das Dorf trotzdem den Gasthof behält, den es vielleicht möchte oder braucht, müssen andere Zielgruppen gefunden werden. Das sind an der Oste auch Touristen und Tagesausflügler. Das spielt sicherlich im Sommer eine Rolle.

Im Winter muss man dann vielleicht andere Standbeine finden. Veranstaltungen zum Beispiel, mit denen man sich auch überregional einen Namen machen kann. Das sind besondere Angebote, die man schafft, um Gäste zu locken. Da sind Fantasie und Fähigkeit der Gastronomen gefragt.

Profitieren Betriebe von der Schließung eines anderen?

Mit jedem Landgasthof, der schließt, geht eine bestimmte Dorfkultur für immer verloren. Oft ist es ja das Gasthaus, wo man sich noch mal trifft - und sei es zu solch Anlässen wie Beerdigungen.

Gastronomie stellt auch immer ein Stück Dorfgemeinschaft dar. Vieles fällt vielleicht ganz weg: Traditionsveranstaltungen, der Treffpunkt für Vereine oder Freundesgruppen, die mal wieder zusammensitzen wollen.

Gerade, wenn Veranstaltungshäuser wegfallen, merken das die umliegenden Betriebe aber sehr. Denn für größere Veranstaltungen und Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstage nehmen die Leute auch weitere Anreisen in Kauf, wenn das Angebot vor Ort nicht mehr da ist.

Inwiefern kommt der Personalmangel gerade in der Landgastronomie gravierend zum Tragen?

Wir sind eine Dienstleistungsbranche, wir können die Leute nicht Montag morgens um 8 Uhr beschäftigen, sondern dann, wenn die Gäste kommen. Größere Veranstaltungen können nur mit entsprechendem Personal professionell stattfinden. Es gibt Betriebe, die nur noch die Veranstaltungen machen, die sie durch ihr Personal verlässlich abdecken können.

Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin des DEHOGA-Bezirksverbands Stade.

Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin des DEHOGA-Bezirksverbands Stade. Foto: Dehoga

Besonders schwierig ist es, wenn das Gästeaufkommen nicht planbar ist. Bei wetterabhängigem Saisonbetrieb ist es eine Herausforderung für uns als Arbeitgeber, die Dienst- und Schichtpläne zu machen. Wenn Gäste lange Wartezeiten haben, weil das Wetter wirklich gut ist und so viele kommen, ist das für alle Seiten frustrierend.

Oft schließen alteingesessene Betriebe, weil es an Nachfolgern fehlt. Sind große Landgasthäuser nicht mehr gefragt?

Da kommt viel zusammen. Oft ist es schwierig, jemanden zu finden, der die Nachfolge antreten will. Die Rahmenbedingungen mit Bürokratie und der Arbeitsbelastung sind oft nicht attraktiv für Betriebsnachfolger.

Manchmal sind es noch Mitarbeiter, die man selbst „großgezogen“ hat, die den Betrieb übernehmen. Ein weiteres Problem: Banken finanzieren ungern gastronomische Betriebe, weil es nicht als sicherste Geldanlage gilt.

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