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Fredenbeck

TSmartphone-Stammtisch: Senioren zeigen, wie das mit dem Handy geht

Dagmar Gräf-Porsch (links) und Gaby Möller helfen sich gegenseitig, die richtigen Apps auf ihren Smartphones zu finden.

Dagmar Gräf-Porsch (links) und Gaby Möller helfen sich gegenseitig, die richtigen Apps auf ihren Smartphones zu finden. Foto: Meyer

In Fredenbeck gibt es einen ungewöhnlichen Stammtisch: Senioren lernen, sicher mit dem Smartphone umzugehen. Ein Stammtisch-Besuch zeigt, wie, und liefert drei Tipps.

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Von Thies Meyer
Sonntag, 08.03.2026, 15:50 Uhr

Fredenbeck. „Tippen Sie auf die App, mit der Sie eine Landkarte anschauen können“, steht auf der weißen Wand, auf die Hartmut Giehler seinen Smartphone-Bildschirm projiziert. Sieben Senioren lesen sich die Übungsaufgabe durch. Neun bunte Bilder ploppen in einem Raster auf, es sind App-Symbole.

Die sieben Stammtisch-Mitglieder senken ihre Köpfe, schauen auf ihre Smartphones und die neun Symbole, überlegen und tippen. Wie meistert die Gruppe diese Übung?

83 Prozent der über 60-Jährigen haben ein Handy

Ältere Menschen schrecken nicht zurück, die digitale Welt mit dem Smartphone zu erkunden, im Gegenteil: 83 Prozent der über 60-Jährigen in Deutschland besitzen laut der sogenannten SIM-Studie 2024 ein Smartphone.

In Fredenbeck entstand dieser Stammtisch im Dezember 2024, um den Umgang damit zu lernen. Sigrun Hauschild ist mit 64 Jahren die Jüngste beim Stammtisch, Ingrid Behn mit 83 die älteste. Hartmut Giehler und Angelika Pralow leiten den Smartphone-Stammtisch, der sich alle drei Wochen jeweils montags und dienstags in Metas Huus in Fredenbeck trifft, und vermitteln der Gruppe Medienkompetenz. Dafür haben sie eine Schulung gemacht. Eine spezielle App hilft, Smartphone und Funktionen besser kennenzulernen.

Welche App zeigt eine Landkarte an?

Die Senioren üben mit der Lern-App „Starthilfe - digital dabei“ von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg im „Modul 3 - Apps“, welche auf ihren Smartphones vorinstallierten Apps für was nützlich sind. Welche App führt zu einer Landkarte?

Übung: Die Senioren sollen auswählen, welche App man wählen muss, um sich eine Landkarte anschauen zu können.

Übung: Die Senioren sollen auswählen, welche App man wählen muss, um sich eine Landkarte anschauen zu können. Foto: Meyer

„Leider falsch. Tippen Sie auf die App, mit der Sie eine Landkarte anschauen können“, tönt die weibliche Vorlese-Stimme aus Anne Sicks Smartphone durch den Raum. Nach ein wenig Hilfe von Giehler und Sitznachbar Eckhard Scheinhof kann sie sich durch die weiteren acht Fragen dieser Übungsaufgabe weiterklicken. Gegenüber helfen Dagmar Gräf-Porsch und ihr Mann Volkmar Sitznachbarin Gaby Möller, das richtige Symbol zu finden.

Hartmut Giehler (hinten) und Eckhard Scheinhof helfen Anne Sick, ihr Smartphone richtig zu bedienen.

Hartmut Giehler (hinten) und Eckhard Scheinhof helfen Anne Sick, ihr Smartphone richtig zu bedienen. Foto: Meyer

Die Teilnehmer mit Android-Geräten wählen „Google-Maps“, die Apple-Nutzer das Symbol „Karten“. Ein andere Aufgabe: Wo speichere ich meine Kontakte? Auch diese und am Ende alle neun Aufgaben meistern die Teilnehmer. Dass es ein Stammtisch ist, verrät viel über die Atmosphäre.

Beim Stammtisch geht es nicht „zack, zack, zack“

Giehler und Pralow wollen keinen eineinhalbstündigen Frontalunterricht pauken, vielmehr soll es eine lockere und ungezwungene Atmosphäre sein. Diese schätzt zum Beispiel Ingrid Behn: „Ich bin hier hergekommen, weil es ein Stammtisch ist und nicht weil es zack, zack, zack geht“. Den Druck, „das musst du jetzt können“, gebe es hier nicht. Es ist vor allem „learning by doing“: Die Senioren lernen mit dem Smartphone umzugehen, indem sie es selbst ausprobieren.

Der Stammtisch unter der Leitung von Hartmut Giehler (links) und Angelika Pralow (Vierte von rechts) fordert die Senioren, macht aber auch viel Spaß.

Der Stammtisch unter der Leitung von Hartmut Giehler (links) und Angelika Pralow (Vierte von rechts) fordert die Senioren, macht aber auch viel Spaß. Foto: Meyer

Nicht die ganze Zeit spielt die Gruppe die App durch. Das Treffen hat auch den Charakter, den man von einem Stammtisch erwartet: Schnacken. Klönen zum Thema Smartphone. „Ich bekomme immer Anrufe, aus Holland, aus Österreich. Wie kann ich die abstellen?“, fragt Gaby Möller zum Beispiel. Giehler erklärt Möller, wie sie solche betrugsverdächtigen Telefonnummern sperren kann. Und die Gruppe diskutiert, wie man sich als Einsteiger in der digitalen Welt schützt.

In diesem Fall rät der Stammtisch älteren Smartphone-Nutzern, richtig zu handeln - wie, das zeigt einer von drei Tipps.

Smartphone-Stammtisch hat drei Tipps

  • Tipp 1: Mut haben, sich zu überwinden. Anne Sick hat Bekannte in ihrem Alter vom Stammtisch erzählt, doch häufig hört sie: „Das kann ich nicht.“ Der Stammtisch ermutigt Unentschlossene zu kommen, da es kein Kurs sei, sondern das ungezwungene Lernen im Vordergrund stehe. Interessierte können auch ohne Vorkenntnisse zum Stammtisch kommen.
  • Tipp 2: Damit verbunden ist auch der Tipp, einfach auszuprobieren. Übung macht den Meister. Wenn etwas nicht funktioniert, helfen Giehler, Pralow und die ganze Gruppe.
  • Tipp 3: Wer ein Smartphone hat, sollte immer genau lesen und nachdenken, bevor er etwas anklickt. Auf Smartphones lauern manchmal Betrugsmaschen und erreichen einen unseriöse Anrufe und Mails. „Fallstricke gibt es überall“, sagt Scheinhof. Deshalb sensibilisiert Giehler: „Lieber erst mal überlegen: Ist das hier überhaupt wahr?“ Sicherheit geht vor Schnelligkeit.

Der Stammtisch trifft im Drei-Wochen-Rhythmus jeweils am Montag- und Dienstagnachmittag, das nächste Mal am 23. und 24. März von 15 bis 16.30 Uhr. Interessierte können sich bei Hartmut Giehler anmelden (Tel.: 01512 2960081).

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