TSo bringt das Fleth-Fest in Buxtehude die Menschen zusammen
Die Freundinnen Jette (von links), Emma, Ida, Emily und Leni stehen vor dem wundervoll beleuchteten Fleth-Panorama. Foto: Sulzyc
Zusammen feiern und lachen, miteinander sprechen: Das klappt beim Fleth-Fest in der Buxtehuder Altstadt besonders gut. Und für manchen Besucher wird es richtig brenzlig.
Buxtehude. Etwas schuldbewusst blicken sie. Und die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten. Als zwei ältere Damen an dem Showprogramm auf der Bitterbrücke vorbeihuschen, ruft Jonglage-Komiker Mike ihnen zu: „Es gibt keinen Grund, vor uns wegzulaufen. Wir hätten viel mehr Gründe, vor euch wegzulaufen!“
Urkomisch ist das Künstler-Duo Mike und Mike. Gekleidet sind sie wie britische Paperboys - und auch so vorlaut wie Zeitungsverkäufer im vorigen Jahrhundert auf der Straße. Am Sonnabend auf dem Fleth-Fest in der Buxtehuder Altstadt treten die beiden unter dem Namen Opus Furore mehrmals auf. Am Abend sind die Jonglage-Komiker auf Stelzen in Kapitänsuniformen ein beliebtes Fotomotiv.
Als leuchtende Kapitäne gehen die Jonglage-Künstler Mike und Mike am Abend auf Stelzen den Fleth entlang. Foto: Sulzyc
Jonglage-Shows sind ein voller Erfolg
Ihre Shows auf der Straße ziehen die Menschen an, bringen sie zusammen. Und zum Lachen sowieso. „Ich will Applaus und kein Mitleid“, peitscht einer der beiden Mikes die Zuschauer an. Eine junge Frau aus dem Publikum findet sich unvermittelt in der Show wieder. Millimeter an ihrer Nase vorbei werfen sich Mike und Mike Keulen zu. Die Jonglage-Kunst erntet viel Applaus - für den Mut der Frau und die verblüffenden artistischen Fähigkeiten.

Präzisionsarbeit: Dieser mutigen Besucherin fliegen die Kegel bei der Jonglage-Show des Ensembles Opus Furore dicht an der Nase vorbei. Foto: Sulzyc
Zum Höhepunkt der Show wird es brenzlig. Jeweils auf dem Hochrad balancierend werfen Mike und Mike einem Showteilnehmer aus dem Publikum mit unglaublicher Präzision brennende Fackeln um die Ohren. Der Mann trägt eine Krone auf dem Kopf. Davon wird er noch in 20 Jahren erzählen. Ein unvergesslicher Moment.

Es wird brenzlig: Gleich werden die Künstler Mike und Mike auf dem Hochrad einem gekrönten Besucher brennende Fackeln um die Ohren werfen. Auf dem Fleth-Fest treten sie unter dem Namen Opus Furore mehrmals auf. Foto: Sulzyc
Fleth-Fest letztes großes Event im Sommer
Das Fleth-Fest ist die letzte große Feier der Sommersaison in der feierfreudigen Stadt Buxtehude. Der Altstadtverein und der Verein Kunst & Kultur inszenieren an zwei Tagen zusammen mit Anwohnern und Geschäftsleuten den historischen Hafen der Hansestadt.
In der Intimität der engen, gemütlichen Altstadthafenstraßen gelingt es dem Fleth-Fest besonders gut, Menschen zusammenzubringen. Ein Fest von Nachbarn für Nachbarn - und die übrige Stadtbevölkerung. Rund 30 Ehrenamtliche sind beteiligt, organisieren und packen an.
So verbindet das Fleth-Fest Menschen
„Wir bieten Spielwiesen an“, erklärt Mitveranstalter und PR-Manager Hasko Witte das Konzept. „Und Leute, die Spaß daran haben, organisieren etwas gemeinsam.“ Das Fleth-Fest sei ein Bürgerfest. „Was wir machen, ist gelebte Demokratie“, sagt Hasko Witte euphorisch am Abend des ersten Festtags.
Die Atmosphäre macht ihn sichtbar glücklich. Die Menschen feiern friedlich. „Es gibt keine Betrunkenen, die pöbeln“, sagt Hasko Witte. Der Rest sei ein Programm, das die Menschen anspricht. Dem verantwortlichen Veranstaltungsmanager Nick Reinartz gelinge das sehr gut, lobt ihn Witte. „Der weiß, was er tut.“
Markt der Kulturen: 50 Vereine präsentieren sich
Der Sonnabendnachmittag steht im Zeichen des Marktes der Kulturen. Etwa 130 Vereine machen in Buxtehude Angebote. Davon präsentieren sich 50 Vereine sowie locker organisierte Gruppen und Initiativen am Fleth.
Die öffentliche Bühne nutzen die Vereine gerne. Zum Beispiel die Stadttaubenhilfe. „Viele Menschen haben von uns Informationen mitgenommen“, sagt die 1. Vorsitzende Susanne Nübel und ist zufrieden. Tauben würden normalerweise bis zu 15 Jahre alt. In der Stadt, weil sie sich von „Müll“ ernähren müssen, nur zwei Jahre alt, sagt sie.
Bürgerinitiativen, Hobby-Gruppen und Kulturvereine präsentieren ihre Arbeit
Zum ersten Mal beteiligt sich die Bürgerinitiative (BI) Altkloster am Markt der Kulturen. „Die Probleme in Altkloster gehen die gesamte Stadt an“, sagt BI-Mitglied Philipp Schlutt. Die Bürgerinitiative fordert ein familienfreundliches Quartier für Normalverdiener, den Erhalt der historischen Bausubstanz und eine behutsame Nachverdichtung.
Nicht als Verein organisiert ist die Gruppe Ahnenforscher. Auch sie nutzen die öffentliche Bühne, beim Fest auf sich aufmerksam zu machen. „Wir brennen für unser Hobby“, nennt Sabine Türk den Grund.

Mitglieder und Freunde des Vereins Ronda Iberoamericana nutzen zum ersten Mal das Fleth-Fest als Bühne, um sich in der Bevölkerung bekannt zu machen. Der Verein zur Pflege der spanischen Kultur und Sprache feiert im nächsten Jahr 40-jähriges Bestehen. Foto: Sulzyc
Mit Tapas und Tortillas macht der Verein Ronda Iberoamericana sein öffentliches Engagement in Buxtehude schmackhaft. Die rund 70 Mitglieder fördern die spanische Sprache und Kulturen. Sie veranstalten Konzerte, Lesungen und Ausstellungen. Im nächsten Jahr feiert der Verein sein 40-jähriges Bestehen.

Das DJ-Schiff im Fleth ist eine Insel für Freunde elektronischer Tanzmusik. Foto: Sulzyc
Stimmung auf dem DJ-Schiff
Das DJ-Schiff im Fleth ist am Abend ein Anziehungspunkt von meist jungen Festbesuchern. Es ist eine Insel für elektronische Tanzmusik. Auch fünf Freundinnen aus Buxtehude, alle um die 20 Jahre alt, haben sich hier eingefunden. Jette, Emma, Ida, Emily und Leni hat das Konzert der Band Lichterloh an den Fleth gelockt. Aber auch das ganze Fest, das am Fleth gefeiert wird. „Die Atmosphäre hier ist charmant“, sagt Emma.

Der beleuchtete Ewer vor der Mühle gibt als Konzertbühne etwas her. Foto: Sulzyc
Singer-Songwriter Pohlmann tritt auf
Der im Hafenbecken quer gelegte Ewer macht als Bühne was her. Um 22.55 Uhr beendet der Singer-Songwriter Pohlmann sein Konzert auf dem Schiff - und spielt noch einen Song als Zugabe. Bühnentechniker bauen anschließend das Konzertequipment ab. Vor der Kneipe Mirwald’s ficht das keinen an. Bei mittlerweile kühlen 13 Grad sitzen die Gäste dicht gedrängt vor der Tür und feiern weiter.
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