TSo steht es um die Arena: D/A-Boss Rigo Gooßen gibt Einblick
Rigo Gooßen und weitere D/A-Sponsoren nehmen etwa fünf Millionen Euro in die Hand. Foto: Struwe (nomo)
D/A träumt von der 3. Liga, plant Millionen für den Stadionausbau - und bekommt, wenn es nicht klappt, sportliches Asyl. Der Mann, der die Musik bezahlt, spricht im Podcast darüber.
Drochtersen. Die Macher des Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel sind im Dauerstress. Sie beantragen eine Lizenz für die 3. Liga, weil sie den Aufstieg wollen. Sie planen den Ausbau des Kehdinger Stadions und einen drittligareifen Kader. Vereinspräsident Rigo Gooßen spricht im neuen Podcast „D/A sind wir zuhaus“ über die Arbeit vor und hinter den Kulissen.
TAGEBLATT-Sportchef Daniel Berlin (links) redet mit D/A-Präsident Rigo Gooßen im Podcast „D/A sind wir zuhaus“ über den Stadionausbau und die Lizenz für die 3. Liga. Foto: Rambow (nomo)
Das sagt D/A-Präsident Rigo Gooßen zur sportlichen Lage: Feiert oder weint D/A am letzten Spieltag der Fußball-Regionalliga? Der Auftakt nach der Winterpause ist mit dem 5:1-Sieg gegen Norderstedt gelungen, aber der Weg zum Aufstieg in die 3. Liga noch lang. „Das Spiel gegen Norderstedt hat Spaß gemacht“, sagt Gooßen. Die Mannschaft sei der wichtigste Baustein im Konzept Aufstieg. Vor allem die Qualität in der zweiten Halbzeit hat Gooßen gefallen. Die Mannschaft sei gerade bei den Standardsituationen reifer geworden.
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Am nächsten Spieltag wartet mit Phönix Lübeck aber ein ganz anderes Kaliber. „Dort haben wir immer unsere Probleme. Vielleicht wird das so ein Spiel, in dem wir mit einem Punkt nicht unzufrieden sind“, sagt Gooßen.
D/A will 3. Liga in seinem Wohnzimmer
Das ist der Stand im Lizenzverfahren: D/A hat Ende Februar die Unterlagen für den Lizenzantrag für die 3. Liga beim Deutschen Fußballbund (DFB) eingereicht. Der DFB sichtet jetzt die Unterlagen. Gooßen geht davon aus, dass Rückfragen kommen. Finanziell steht D/A gut da. „Aber was das Organisatorische und den Stadionausbau angeht, wird sicherlich eine Masse zu erklären sein“, sagt Gooßen. D/A verfügt im Moment nicht über ein drittligataugliches Stadion, will aber im Fall des Aufstiegs unbedingt im Kehdinger Stadion spielen. „Wir hoffen sehr, dass der DFB unser Konzept mitträgt“, sagt Gooßen.
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Dem Präsidenten ist dabei klar, dass D/A auf das Wohlwollen des DFB angewiesen ist. Die Signale aus Frankfurt seien sehr gut. Aber die Zeit sitzt dem Verein im Nacken. Ob D/A wirklich aufsteigt, steht womöglich erst im Mai fest. Dann bleiben dem Club wenige Wochen, um alle Anforderungen umzusetzen.

Das neue Flutlicht im Kehdinger Stadion soll am 12. April fertig sein. Dann kommt der VfB Oldenburg zum Ligaspiel. Foto: Struwe
Ein Plan B liegt in der Schublade. Wenn das Kehdinger Stadion nicht fertig wird, könnte D/A auf der Lohmühle beim VfB Lübeck sportliches Asyl bekommen. „Wir sind dem VfB dankbar. Aber das wollen wir natürlich nicht“, sagt Gooßen.
Mehr als 5000 Menschen sollen Platz finden
Das ist der Stand beim Stadionausbau: Geplant ist eine neue Tribüne mit 2000 Sitzplätzen und 200 VIP-Plätzen. Hinter den Toren baut D/A neue Stehplatztribünen für Gästefans und eigene Fans. Bis zum Start der 3. Liga können die Pläne unmöglich umgesetzt werden, weil sich die Erdwälle unter den neuen Tribünen monatelang setzen müssen. Entsprechend plant D/A in einer Zwischenlösung mobile Tribünen mindestens bis Weihnachten.
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D/A hat entsprechende Bauanträge gestellt. In der nächsten Woche sollen die nächsten Gespräche mit den Behörden folgen. Verärgert ist der Präsident, dass der Verein Bäume noch nicht fällen durfte, die genau dort stehen, wo die neue Tribüne entstehen soll. Eine Baumfällgenehmigung habe zwar vorgelegen. Eine Baugenehmigung für die Tribüne aber noch nicht. „Das hat uns zeitlich zurückgeworfen“, sagt Gooßen. Derzeit hofft der Präsident, dass die Tribünen mit Beginn der Rückserie der 3. Liga fertig sind.
Wie weit ist D/A in Sachen Verkehrskonzept? D/A kalkuliert mit 2500 Zuschauern in der 3. Liga. Gooßen hält den Verkehr für überbewertet. Es sei nicht damit zu rechnen, dass so viele auswärtige Zuschauer mit dem Pkw kommen. Gooßen nimmt das Beispiel Verl, ein vergleichbarer Club in der 3. Liga. Dort reisen Gästefans in der Regel mit Fanbussen an. D/A werde einen Shuttleverkehr einrichten. Das Konzept dazu verfeinert D/A in absehbarer Zeit.
Was haben Sponsoren davon?
Erstellt der Verein ein Sicherheitskonzept? D/A stockt die Anzahl seiner Sicherheitskräfte enorm auf. Ähnlich wie in der Regionalliga werden auch die Spiele in der 3. Liga in Kategorien eingeteilt. Vor sogenannten Sicherheitsspielen erstellen der Verein und die Polizei Konzepte für die Sicherheit. „Das sind erhebliche Kosten“, sagt Gooßen.
Wie finanziert D/A den Stadionausbau und was haben Sponsoren für einen Mehrwert? Bis zu fünf Millionen Euro stecken Rigo Gooßen und weitere Sponsoren in den Stadionausbau. „Solche Beträge kann man nur zur Verfügung stellen, wenn man diesen finanziellen Mehrwert außen vor lässt“, sagt Gooßen. Steckt dahinter ein Stück Idealismus? Teile des Geldes zurückzahlen könne D/A, wenn sich der Verein womöglich länger in der 3. Liga halte. D/A werde „sehr viel interessanter für Sponsoren“. Schon jetzt habe der Verein vermehrt Anfragen.
Bleibt da noch genügend Geld, um den Kader aufzuwerten? D/A baut offenbar auf drei Säulen. Der Verein setzt auf junge Spieler, auf vorhandene Spieler, deren Verträge verlängert werden, und auf Kooperationen mit anderen Vereinen. Gooßen denkt da an Leihspieler, ähnlich wie Zweitligist Elversberg, die in Drochtersen ausgebildet werden. „Wir können und wollen nicht ohne Ende in den Kader investieren“, sagt Gooßen.
D/A muss schon jetzt viel Geld ausgeben
Was passiert, wenn D/A nicht aufsteigt? Die Tribüne baut D/A in jedem Fall. „Das ist dann sicherlich überdimensioniert unter Berücksichtigung der jetzigen Zuschauerzahlen“, sagt Gooßen. Man müsse Mut haben.
Welche Schwierigkeiten begleiten das Verfahren? Stichwort Rasenheizung. Die fordert der DFB. Allerdings kann D/A mit den Vorbereitungen und dem Bau nicht erst Ende Mai nach Ende der Saison beginnen. Die Heizung würde bis zum Drittligastart nicht fertig werden. Gooßen muss jetzt entscheiden, ob er weit mehr als eine Million Euro dafür ausgibt oder nicht.

D/A-Trainer Oliver Ioannou (von links), Sportdirektor Sören Behrmann und Präsident Rigo Gooßen bauen einen drittligatauglichen Kader auf. Foto: Thies Meyer
Hat D/A das Wohlwollen aus der Drochterser Politik und der Verwaltung? Das Stadion gehört der Kommune. Entsprechend spricht die Politik bei den Plänen mit. „Die SPD hat sich einhellig hinter D/A gestellt“, sagt Gooßen. Mit Worten und einem Zuschuss für das Flutlicht. Das sei Wertschätzung. Kein Verständnis habe D/A, wenn Anträge pauschal abgelehnt werden mit der Begründung, den Haushalt zu retten. Gooßen hätte sich unterm Strich mehr Unterstützung erhofft, sieht aber dennoch eine breite Zustimmung aus der Bevölkerung. „Auch viele bürokratische Hürden werden uns in den Weg gelegt“, sagt der Präsident.
Politischer Gegenwind aus der FWG
Dass die FWG um Fraktionschef Cornelius van Lessen dagegen ist, nimmt Gooßen gelassen. „Die suchen nach Argumenten, obwohl es keine gibt“, sagt Gooßen. „Das darf man nicht zu wichtig nehmen.“ Auch zwischen Gooßen und Bürgermeister Mike Eckhoff gibt es Unmut. „Wir wünschen uns, bei Problemen nach Lösungen zu suchen und brauchen keine Erklärungen, warum etwas nicht geht“, sagt Gooßen. Unterschiedliche Auffassungen habe es in der Frage der Baumfällungen gegeben.
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Hat der Verein Fehler gemacht? „Wir haben eine sehr gute Kommunikation gepflegt und den Fraktionen der SPD und CDU und der Verwaltung rechtzeitig das Projekt vorgestellt“, sagt Gooßen. Manchmal werde in der Hitze des Gefechts womöglich etwas übersehen.
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