TSpenden nach den Schüssen in Stade: Wie funktioniert Gofundme?
Die Spendenkampagne von Jana Sabo erzeugte deutschlandweit Aufmerksamkeit. Foto: Screenshot/gofundme
Die Bluttat mit sechs Toten in Stade bewegt die Menschen. Bei einer viel beachteten Spendenkampagne kommt derzeit viel Geld zusammen. So erreicht es die Menschen, für die es bestimmt ist.
Was ist Gofundme?
Auf der Plattform Gofundme werden Spenden für unterschiedliche Zwecke gesammelt. Dahinter steckt die Idee des „Crowdfunding“, eine Art Gruppenfinanzierung. Über Einzelspenden soll dabei ein gewisses Spendenziel erreicht werden, manche sind aber auch nach oben offen. Laut Gofundme spenden Menschen auf der Plattform jede Woche 45 Millionen Euro. Jeder kann eine Spendenkampagne starten, entweder für sich selbst oder für andere.
Das Unternehmen mit Sitz in den USA und einem Europa-Büro in Irland ist Weltmarktführer in Sachen Crowdfunding. In Deutschland gibt es vergleichbare, kleinere Anbieter wie betterplace.org.
Wie viel Geld ist für die Opfer aus Stade auf Gofundme zusammengekommen?
Mit mehreren Spendenkampagnen sammeln verschiedene Initiatoren auf der Plattform für die Opfer von Stade, unter anderem spendeten Nutzer bei der Kampagne des Kita-Kreiselternrats schon mehr als 40.000 Euro. Es sei eine unabhängige Spendenkommission gebildet worden. Diese erarbeite Kriterien, die für eine „transparente und verantwortungsvolle“ Verteilung des Geldes an die Hinterbliebenen sorgen soll. Neben den Vorsitzenden des Kreiselternrates, Andreas Neumann und Katharina Brüggemann, gehören der Kommission Stadtrat Carsten Brokelmann, St.-Wilhadi-Pastorin Ann-Katrin Hamsch sowie TAGEBLATT-Chefreporterin Anping Richter an.
Mutter in Stade getötet: Mehr als 785.000 Euro für Waisen gespendet
Eine andere Kampagne, mit der Spenden für zwei Kinder gesammelt werden, die in der vergangenen Woche ihre Mutter verloren haben, ging viral und wurde tausendfach geteilt. Tragisch: Laut dem Spendenaufruf der Initiatorin mit dem Benutzernamen Jana Sabo haben die Kinder erst kurz zuvor ihren Vater verloren und sind nun Vollwaisen. Fast 30.000 Menschen spendeten binnen fünf Tagen insgesamt mehr als 780.000 Euro. Jede zweite Spende lag zwischen 5 und 20 Euro, allerdings gab es auch Großspender die 3000, 5000 oder gar 10.000 Euro gaben.
„Diese Spendenhöhe ist außergewöhnlich und zeigt, wie tief die Tragödie in Stade die Menschen berührt hat. Innerhalb kurzer Zeit haben sich Tausende entschieden, mit einer Spende zu helfen, viele davon Menschen, die diese bestimmte betroffene Familie gar nicht persönlich kennen“, sagt eine Gofundme-Sprecherin auf TAGEBLATT-Nachfrage.
Was kostet es, einen Spendenaufruf zu starten? Und was verdient Gofundme daran?
Einen Spendenaufruf zu starten, ist für die Initiatoren kostenlos. Gofundme erhebt allerdings bei jeder Spende eine Transaktionsgebühr in Höhe von 2,9 Prozent sowie pauschal 25 Cent, die automatisch von jeder Spende abgezogen werden.
Das Unternehmen macht das auf seiner Webseite transparent - und gibt auch Rechenbeispiele: Wirbt jemand 5000 Euro von 30 Spendern ein, so gehen 4847,50 zugunsten der Kampagne, Gofundme behält 152,50 Euro Transaktionsgebühr ein.
Im Fall der Kampagne von Jana Sabo kam also nicht nur Geld für den guten Zweck zusammen, Gofundme nahm mehr als 22.000 Euro Tranksaktionsgebühren ein.
Wie funktioniert die Auszahlung?
Die Auszahlung der gesammelten Spenden können die Initiatoren auf der Webseite beantragen. Dazu kann man ein eigenes oder ein fremdes Bankkonto angeben, die Angaben müssen zu einem offiziellen Ausweisdokument des Begünstigten passen, das beim Zahlungspartner in der Regel vorgelegt werden muss.
Wie stellt Gofundme sicher, dass sich bei den Kampagnen nicht um Betrug handelt?
Betrug sei auf der Plattform selten, schreibt Gofundme auf seiner Webseite. Für seine Nutzer stellt das Unternehmen eine „Spendengarantie“ aus. „Für den seltenen Fall, dass etwas nicht stimmt, garantieren wir eine vollständige Rückerstattung“, heißt es weiter.
Das Gofundme-Team für Schutz und Sicherheit überwache die Plattform „proaktiv auf jede Form von Missbrauch und geht allen gemeldeten Problemen nach“. Wer einen Betrug vermutet, kann direkt auf der Webseite Beschwerde einreichen.
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Das sogenannte Team für Vertrauen und Sicherheit sei zum Beispiel mit Initiatorin Jana Sabo in Kontakt, um sicherzustellen, dass die betroffene Familie beziehungsweise ein Vormund der Kinder der verstorbenen Jugendamtsmitarbeiterin als Spendenbegünstigte hinterlegt wird. „So wird sichergestellt, dass alle gesammelten Gelder an die Personen gehen, die im Spendenaufruf genannt werden und für die gesammelt wird“, sagt die Sprecherin.
Bevor das Team zur Überprüfung kommt, unterläuft ein Aufruf noch weitere Sicherheitsebenen, erklärt die Sprecherin auf Nachfrage. „Basierend auf Daten von 40 Milliarden Dollar an Spenden und Millionen von Spenden erkennen wir Unregelmäßigkeiten“, sagt sie. Neben den Überprüfungen von Gofundme böten deren Bankpartner wie Stripe und Adyen zusätzliche Prüfungen. Dieses Verfahren, bekannt als „Know your Customer“ (KYC), dient der Identitäts- und Hintergrundprüfung von Kunden. „Erst wenn diese bestanden sind, wird das Geld an den Begünstigten freigegeben.“
Was passiert im Betrugsfall?
Gofundme betont: Betrug, ob online oder offline, ist illegal. „Gofundme hat eine Null-Toleranz-Politik gegenüber dem Missbrauch unserer Plattform und wir arbeiten mit Strafverfolgungsbehörden zusammen, um gegen diejenigen vorzugehen, die des Fehlverhaltens beschuldigt werden“, sagt die Sprecherin.
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