TStade: Warum Lindemann drei Häuser in Schölisch abreißt und nicht saniert
Im Keller steht das Wasser, alles wurde hochgestellt, vergammelt aber trotzdem. Foto: Strüning
Das Gesicht von Schölisch verändert sich. Die Lindemann-Gruppe hat drei alte Häuser gekauft, reißt sie ab - und baut 18 neue Wohnungen. Warum werden die Häuser nicht saniert?
Stade. Der erste Eindruck ist fatal. Als Mario Thomaschewsky die Tür zu dem alten Backsteingebäude aufschließt, schlägt einem ein modriger, von Schimmel geprägter Geruch entgegen. Flach atmen ist angesagt. Was die Nase aufnimmt, bestätigt das Auge.
Im Keller steht das Wasser, das zieht in alle Wände
Im Keller stehen zehn Zentimeter Wasser. Die Tapeten in den oberen Geschossen sind direkt auf die Mauer geklebt, die nur mit schwarzer Schutzfarbe geschützt wird. Von Dämmung keine Spur.

Garage und Zufahrt stehen unter Wasser - wie der gesamte untere Bereich. Foto: Strüning
Die Feuchtigkeit hat sich im Erdgeschoss ausgebreitet. Bis zu einem Meter hoch ist der Streifen an der Tapete zu sehen. Überall bilden sich Schimmelpilzkulturen; bis unters Dach. Und hier haben bis vor kurzem noch Menschen gelebt.

So hoch ist die Feuchtigkeit gezogen: Mario Thomaschewsky an der Wasserkante der Tapete im Erdgeschoss. Foto: Strüning
Die soziale Geschichte und die menschliche Note hinter diesen Bildern beschäftigen auch Mario Thomaschewsky als Vertriebsleiter der Lindemann-Gruppe aus Stade und seine Kollegin Lara Ebeling. Die Verhältnisse machen zum Teil fassungslos. Ihr Job ist aber, neue Wohnungen auf den Markt zu bringen. Und das geht hier nur durch radikales Vorgehen: Abriss und Neubau.
Drei Objekte in Schölisch sind nicht zu retten
Ihr Chef, Lindemann-Geschäftsführer Friedrich Witt, kennt die mit leichtem Vorwurf untermalten Fragen, warum nicht die alte Bausubstanz saniert werde. Lindemann prüfe das, in der heutigen Zeit mit den hohen Auflagen in Sachen Klimaschutz sei das schwerer geworden. Für die drei Objekte in Schölisch komme das gar nicht infrage.
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Als Unternehmen müssen die Projekte vor allem auch wirtschaftlich sein, also für den Investor und später für die Vermieter bezahlbar bleiben. Thomaschewsky verweist auf das Anliegen der Stadt, neuen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, innerhalb des Stadtgebiets Areale zu nutzen und zu verdichten, damit der Flächenverbrauch außerhalb bereits ausgewiesener Baupläne minimiert wird.

Typische Siedlungshäuser aus den 50er Jahren an der Schölischer Straße in Stade. Foto: Strüning
Das heißt in den Fällen an der Schölischer Straße 21, 23 und 29: Statt bisher ein oder zwei Mietparteien pro Grundstück, werden es in Zukunft sechs sein in Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnungen. Von der Straße nur schwer zu sehen: Die Grundstücke sind großzügig geschnitten.
Neue Architektur soll zur alten Bebauung passen
Das älteste Gebäude ist die Nummer 29. Es stammt aus dem Jahr 1898. Das bislang sehr gepflegte Grundstück ist gut 1000 Quadratmeter groß. Bei den anderen beiden handelt es sich um typische Siedlungshäuser aus den 50er Jahren in gleicher Architektur mit Arealen von 863 und 1158 Quadratmetern. Die bisherigen Besitzer haben sie aus verschiedenen privaten Gründen verkauft.

Vor dem Haus von 1898: Lara Ebeling und Mario Thomaschewsky. Foto: Strüning
Lindemann verspricht, die Architektur der neuen Mehrfamilienhäuser auf die vorhandene Bebauung abzustimmen. Das heißt: Sie werden mit dem Giebel zur Straße ausgerichtet, ein Satteldach haben und mit Klinker hochgezogen werden.
Wasser zieht aus dem Keller in alle Wände
Apropos Klinker: Der rote Backstein hält gefühlt eine Ewigkeit. Deswegen sind die alten Häuser von außen noch ganz ansehnlich. „Der Eindruck täuscht“, sagt Lara Ebeling. Da ähneln sich die drei Häuser.
Problem in Schölisch ist das Grundwasser. „Das drückt hoch“, sagt Thomaschewsky. In Schölisch sei „ordentlich Bewegung drin“, die Neubauten werden deswegen auf Pfählen gegründet.

Hinter der aufgerissenen Tapete ist die schwarz angemalte Mauer zu erkennen. Gedämmt wurde hier nicht. Foto: Strüning
Energetisch bewegen sich die Häuser „im tiefsten Minusbereich“ so Thomaschesky. Wer sein Haus vor der Feuchtigkeit nicht schützt, wer nicht regelmäßig investiert in Heizung, Elektrik, Dämmung oder Fenster, der schiebt einen Sanierungsstau vor sich her, bei dem am Ende häufig nur der Abriss bleibt.

Einfachste Ausstattung: Die Tapete wurde über die Steckdose geklebt. Foto: Strüning
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