TDiese Schulen im Kreis Stade geben auch am Donnerstag Hitzefrei
Über den Unterrichtsausfall an Schulen wegen Hitze entscheidet die Schulleitung. Foto: Jan Woitas/dpa
Auch am Donnerstag ist es warm im Kreis Stade. Deshalb gibt es an vielen Schulen in Stade und Buxtehude erneut hitzefrei.
Landkreis. Im Kreis Stade geben das Vincent-Lübeck-Gymnasium und das Athenaeum geben auch am heutigen Donnerstag nach der vierten Stunde aufgrund der hohen Temperaturen frei. Wie Martin Niestroy, der Leiter des Athenaeums in Stade, berichtet, würden sich die beiden Stader Gymnasien in diesem Punkt absprechen. Und am Freitag? Da sei sowieso „am Athenaeum nach der dritten Stunde unterrichtsfrei“, so Niestroy.
Auch das Buxtehuder Halepaghen-Gymnasium verkürzt am Donnerstag den Unterricht für alle Jahrgänge auf sechs Stunden, erklärt Dr. Timo Leimbach, der stellvertretende Schulleiter der HPS. Am Freitag ist nach vier Stunden Schluss.
An der IGS Buxtehude ist der Hitze-Fahrplan dagegen in einem Elternbrief bereits kommuniziert worden. An der von der Schülerzahl her größten Schule in der Hansestadt findet in dieser Woche ohnehin eine Projektwoche statt. Am Donnerstag ist es Eltern laut Steffen Seel, stellvertretender Schulleiter, freigestellt, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken. Am Freitag werde der Schultag massiv auf zwei Stunden verkürzt und endet um 9.20 Uhr - in vielen Klassen bereits mit der Zeugnisausgabe.
Ministerin gibt Grünes Licht für Hitzefrei
Die Temperaturen sollen am heutigen Donnerstag auf 30 Grad steigen, weshalb mit weiteren hitzebedingten Schulausfällen im Landkreis Stade zu rechnen ist. Eine Stader Grundschule beispielsweise bietet den Eltern an, ihre Kinder bereits ab 11.35 Uhr aus dem Unterricht zu entlassen. Die Besonderheit: Grundschüler dürfen nur nach Zustimmung der Erziehungsberechtigten früher nach Hause.
Auch Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg hat am Mittwoch Verständnis geäußert für Schulen, die ihren Schülern Hitzefrei geben. „Wenn die Arbeit in den Schulen nicht sinnvoll ist, dann ist es richtig, hier Hitzefrei zu geben“, sagte die Grünen-Politikerin. „Die Lehrkräfte haben das im Blick und werden schon darauf achten, dass die Kinder all das lernen, was sie lernen müssen.“
Philipp Schmidt, stellvertretender Pressesprecher des Regionalen Landesamtes für Schule und Bildung (RLSB) in Lüneburg, erklärt, ab wann Hitzefrei auch im Landkreis Stade infrage kommt – und welche Maßnahmen Schüler, Lehrer und Eltern bei Hitze helfen.
Ab welchen Temperaturen kommt Hitzefrei grundsätzlich infrage? Spielen noch andere Kriterien eine Rolle bei der Entscheidung?
Eine festgelegte Temperatur, ab der Hitzefrei gilt, gebe es in Niedersachsen nicht, erklärt Julia Willie Hamburg. Die Schulleitungen sollen neben der Temperatur im Klassenraum auch berücksichtigen, wie weit die Klassen mit dem Unterrichtsstoff sind und ob zeitnah wichtige Prüfungen anstehen.
„Ausschlaggebend bei der Entscheidung über Hitzefrei sind immer die Gegebenheiten vor Ort“, sagt Schmidt. Die Bauweise und der Standort der Schulgebäude beeinflussen die Raumtemperaturen erheblich. Gut gedämmte Gebäude bleiben auch bei hohen Außentemperaturen kühl. Schulen ohne ausreichenden Wärmeschutz heizen sich stark auf und erhöhen das Hitzebelastungsrisiko.
Gibt es festgeschriebene Vorgaben oder entscheidet jede Schule selbst, wann es Hitzefrei gibt?
Die Schulleitung kann bei hohen Temperaturen organisatorische Maßnahmen ergreifen, etwa die Umstrukturierung des Unterrichts, verkürzte Unterrichtszeiten oder die Gewährung von Hitzefrei.
Bei den Maßnahmen müsse sich die jeweilige Schulleitung an den Regelungen des Arbeitsschutzes, die auch für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Schulen gelten, orientieren.
Laut dem RLSB-Pressesprecher sind folgende Maßnahmen je nach Raumtemperatur vorgesehen:
Raumtemperaturen über 26 °C
Folgende Maßnahmen sind erforderlich:
• Lüftung in den frühen Morgenstunden, Nachtauskühlung (ggf. über raumlufttechnische Anlagen)
• Nutzung vorhandener Verschattung (z. B. Jalousien oder Vorhänge)
• Verlängerte oder zusätzliche Pausen
• Regelmäßige Trinkpausen, Bereitstellung von Trinkwasser
• Verlegung des Unterrichts in kühlere Räume oder in den Schatten im Freien
• Anpassung des Stundenplans, ggf. Verkürzung des Unterrichts
• Verzicht auf körperlich anstrengende Aktivitäten (z. B. Sportunterricht)
• Hinweis auf geeignete, leichte Kleidung
Raumtemperaturen über 30 °C
Die Maßnahmen ab 26 °C müssen verstärkt werden:
• Intensivierung der Belüftung durch Öffnen der Fenster oder Nutzung von Ventilatoren,
• Unterrichtsräume mit besserer Kühlung nutzen
T Wenn das BBQ räuchert, weht ein Hauch von Picasso in Wedel
Raumtemperaturen über 35 °C
Der Raum ist nicht mehr als Unterrichtsort geeignet.
Wenn aus organisatorischen Gründen kein Hitzefrei gewährt werden kann, sind alternative Maßnahmen zu ergreifen, um einen sicheren und gesundheitlich unbedenklichen Aufenthalt in der Schule zu ermöglichen. Dazu zählen z. B.:
• Betreuung in deutlich kühleren Räumen
• Reduktion der Unterrichtszeit auf ein Minimum
• Ruhe- und Rückzugsangebote
Am Beispiel HPS: So läuft die Entscheidungsfindung bei Hitzefrei ab
Wie einzelne Schulen im Landkreis anhand der aktuellen Wetterlage über Hitzefrei entscheiden, zeigt das Beispiel der Halepaghen-Schule Buxtehude. Dr. Timo Leimbach, erklärt auf TAGEBLATT-Nachfrage, dass die Schulleitung und Lehrkräfte den Wetterbericht täglich prüfen.
„Auf dieser Grundlage haben wir die Elternschaft frühzeitig per Elternbrief informiert, dass wir die Lage genau im Blick haben und dass wir den Unterricht gegebenenfalls früher enden lassen“, so Leimbach. Die Schule könnte beispielsweise auf den Nachmittagsunterricht verzichtet werden oder an einem besonders extremen Tag bereits um 11.30 Uhr enden. Die Entscheidung könne allerdings erst kurzfristig am jeweiligen Vormittag des betreffenden Schultags getroffen werden.
„Hier wird gegebenenfalls aber auch zwischen jüngeren und älteren Schülerinnen und Schülern differenziert“, so Leimbach. Zudem stehe die Schulleiterin in engem Kontakt mit den Nachbarschulen in Buxtehude, um ein grundsätzlich einheitliches Vorgehen zu sichern.
Wer entscheidet letztlich, ob eine Schule Hitzefrei gibt?
Laut Punkt 4.5 des Runderlasses „Unterrichtsorganisation“ auf der Seite des Bildungsportal Niedersachsens liegt die Verantwortung in diesem Fall bei der Schulleitung: „Für einzelne oder alle Klassen von Schulen des Primarbereichs sowie der Sekundarbereiche I und II kann durch die Schulleiterin oder den Schulleiter Hitzefrei gegeben werden, wenn der Unterricht durch hohe Temperaturen in den Schulräumen erheblich beeinträchtigt wird und andere Formen der Unterrichtsgestaltung nicht sinnvoll erscheinen.“
Zudem müsse der Träger der Schülerbeförderung unverzüglich über die vorzeitige Beendigung des Unterrichts in Kenntnis zu setzen. Selbiges gilt für Erziehungsberechtigte sowie Schülerinnen und Schüler.
Außerdem müssen die Schulen gegenüber Schülerinnen und Schülern, die trotz des angeordneten Unterrichtsausfalls zur Schule gekommen sind, ihre Aufsichtspflichten erfüllen. Auch bei einer vorzeitigen Beendigung des Unterrichts sind Schülerinnen und Schüler bis zum Verlassen der Schule zu beaufsichtigen. Im Primarbereich dürfen Schülerinnen und Schüler nur nach vorheriger Zustimmung der Erziehungsberechtigten nach Hause entlassen werden.
Wurde im Verlauf der letzten Jahre tendenziell mehr oder weniger Hitzefrei erteilt?
„Die Schulen entscheiden im Sinne ihrer Eigenverantwortlichkeit selbst über geeignete Maßnahmen“, so Philipp Schmidt. Eine Meldepflicht gegenüber dem RLSB bestehe nicht, demnach läge keine Statistik vor.
Was raten Sie Eltern, Schülern und Lehrern für besonders heiße Schultage?
Das RLSB rät zu passender, sommerlicher Kleidung sowie ausreichendem Sonnenschutz. „Ebenso ist es von zentraler Bedeutung, genug Wasser zu trinken“, sagt Schmidt.
Welche Maßnahmen Schulen ergreifen und wie sie beispielsweise bei Neubauten oder Sanierungen vorgehen, um besser gegen Hitze geschützt zu sein, liegt laut Schmidt im eigenen Ermessen der Schulträger.
Warum in Grundschulen und Kitas besondere Vorsicht geboten ist
Auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit mahnt in einem Beitrag auf seiner Website zu besonderer Vorsicht, speziell in Kitas und Schulen. „Kinder reagieren empfindlich auf Hitze – je jünger, desto empfindlicher und schutzbedürftiger sind sie“, heißt es in dem Beitrag.
Kinder verbringen immer mehr Zeit in Kitas und Schulen. Das gilt auch für die dort Beschäftigten. „Somit müssen sich auch diese Lebenswelten auf die immer häufiger auftretenden Hitzewellen vorbereiten, um die Kinder aber auch das Personal möglichst vor Hitzebelastungen zu schützen“, so das Bundesinstitut. Hierzu können unterschiedliche Maßnahmen zum Tragen kommen, die sich sowohl auf das Verhalten der Einzelnen als auch auf die Einrichtung selbst beziehen können.
Wie können Kinder besser vor Hitze geschützt werden?
Besondere Vorsichtsmaßnahmen sind wichtig, denn Kinder schwitzen weniger als Erwachsene und geben dadurch weniger Wärme ab. Andererseits erzeugen sie bei körperlichen Aktivitäten mehr Stoffwechselwärme als Erwachsene.
„Bei extremer Hitze und großer Anstrengung gelingt es dem kindlichen Körper dann oft nicht mehr, seine Temperatur genügend abzusenken“, so das Bundesinstitut. Die Folge können Hitzeerschöpfung oder sogar ein Hitzschlag sein.
Das Bundesinstitut empfiehlt folgende Verhaltenstipps, damit Kinder und Erwachsene in Kita und Schule gut mit Hitze umgehen können und worauf Verantwortliche achten können.
- Kinder und Eltern – besonders von den Kleinen – sensibilisieren, wie sie sich vor Hitze und UV-Strahlen schützen können.
- Möglichkeiten zur Abkühlung für Kinder und auch für das Personal schaffen.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist bei heißen Tagen für alle wichtig.
- Aufenthalte im Freien an die Hitze im Laufe des Tages anpassen.
- Möglichst viele Räumlichkeiten in der Einrichtung sollten kühl gehalten werden.
- Das Thema Hitze sollte im Kreis der Kolleginnen und Kollegen angesprochen werden, ggf. ergeben sich hieraus gemeinsam Maßnahmen zum Schutz vor Hitze.
- Gestaltung des Gebäudes und des Außenbereiches, zum Beispiel durch bauliche Dämm-Maßnahmen am Gebäude, das Einrichten von Schattenplätzen, oder das Erzeugen von Verdunstungskälte.
Wie der Neubau des Halepaghen-Gymnasium Schüler besser vor Hitze schützen soll
“Im Gebäude selbst erleben wir unterschiedliche Temperaturentwicklungen je nach Ausrichtung nach Norden oder Süden sowie baulichem Zustand“, sagt Leimbach. Generell stünden der HPS ausreichend beschattete Räume zur Verfügung, einzelne südlich ausgerichtete Räume des Altbaus verfügten zudem über Außenbeschattung in Form von elektrischen Rollos.

Das Bild zeigt den Neubau der Buxtehuder Halepaghen-Schule. Foto: Sulzyc
„Sollten einzelne Räume sich dennoch unverhältnismäßig aufheizen und nicht gut durchlüften lassen, stehen Ausweichräume für die betroffenen Lerngruppen zur Verfügung“, so Leimbach.
Der Neubau unterstütze dies maßgeblich. Durch seine Inbetriebnahme wurde die „Raumnot“, die während der Bau- und Umbauphasen erlebt wurde, behoben und es gebe bei Bedarf ausreichend Ausweichmöglichkeiten.
„Auch hier ergeben sich Unterschiede zwischen Nord- und Südausrichtung“, sagt Leimbach. Zudem biete zukünftig auch die südlich angrenzende Grünfläche, sobald dort ausreichend hohe, Schatten spendende Bäume stehen, Ausweichmöglichkeit. (mit dpa)
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