TStartchancen: Was bringt das Förderprogramm für Schulen im Landkreis?
Beim Tanz-Workshop an der Rotkäppchenschule. Foto: Richter
Die soziale Schere geht in Deutschland immer weiter auseinander. Das Startchancen-Programm soll dem entgegenwirken. Wie die Praxis aussieht, zeigen Besuche in zwei Schulen in Buxtehude und Stade.
Landkreis. Grooviger Rhythmus und Sprechgesang erfüllen die Turnhalle der Grundschule am Rotkäppchenweg in Buxtehude. 20 Kinder wippen im Halbkreis, ein Mädchen tanzt in die Mitte. Sie stellt sich auf die Hände, lässt die Füße kurz in der Luft zappeln. Alle klatschen. Ein Kind nach dem anderen wagt sich vor und bekommt Applaus.
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Auch ein junger Mann feuert mit an: Tanz-Coach Pray ist für „Wir bewegen Schule“ aus Hamburg im Einsatz, einen bekannten Anbieter für Tanz-Projektwochen. „Wir haben sechs Tänzer hier, die 90 Minuten pro Tag unterrichten. Alle machen mit, auch unsere Lehrkräfte“, erklärt Schulleiterin Heike Welle. Sie freut sich auf die große Aufführung zum Abschluss der Woche: „Da können die Kinder ihre Stärken zeigen. Manche blühen bei Tanz und Bewegung richtig auf.“
Halepaghen-Schüler helfen bei Projektwoche mit
„Das motiviert das ganze Schulteam“, sagt Grundschullehrerin Tessa Follmann. Die Gemeinschaft zu stärken, sei der wichtigste Wunsch des Kollegiums für die Projektwoche gewesen, an der die 385 Schüler der Grundschule am Rotkäppchenweg teilnehmen. Neben Tanzen gibt es noch andere Angebote - zum Beispiel die Druckwerkstatt, in der auch Schüler des benachbarten Halepaghen-Gymnasiums zur Unterstützung im Einsatz sind.
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Die Projektwoche hat das Startchancen-Programm ermöglicht: Von 2024 bis 2025 wollen Bund und Länder jeweils 10 Milliarden Euro investieren. Mit den 20 Milliarden sollen insgesamt 4000 Schulen bundesweit gefördert werden, die unter besonderen Herausforderungen arbeiten müssen.
13 Schulen im Landkreis Stade im Förderprogramm
Im Landkreis Stade sind 13 Schulen dabei: in Stade die Grundschulen Montessori, Bockhorster Weg, Bützfleth, am Burggraben, Hahle und Wiepenkathen, außerdem die Hauptschule Thuner Straße, die Oberschule sowie die BBS III. In Buxtehude sind es die Grundschule am Rotkäppchenweg und die Hauptschule Süd. Auch die Grundschule Fredenbeck und die Grundschule Dornbusch in Drochtersen nehmen teil.

Beim Tanz-Workshop an der Rotkäppchen-Schule. Foto: Richter
Drei Säulen sollen dafür bürgen, dass die Ziele des Startchancen-Programms erreicht werden. Die teilnehmenden Schulen müssen dazu passende Konzepte vorlegen, um die Fördermittel zu bekommen. Bundesweit klagten viele Schulleitungen über bürokratischen Aufwand. Heike Welle fand das nicht schlimm: „Da fuchst man sich rein.“
Säule I ist ein bauliches Investitionsprogramm. Laut Regionalem Landesamt für Schule und Bildung (RLSB) stehen im Landkreis Stade dafür rund 10,8 Millionen Euro zur Verfügung. „In diesem Bereich ruht der See bei uns noch still“, sagt Welle.
Säule II ist ein Budget für Schul- und Unterrichtsentwicklung, das sich aus einem Sockelbetrag von 40.000 Euro pro Schule und einem jährlich vom Kultusministerium neu festgesetzten schülerbezogenen Beitrag zusammensetzt. Den Schulen im Kreis Stade wurden in der Säule II für das Jahr 2026 knapp 700.000 Euro zugewiesen.
Aus diesem Budget hat die Grundschule am Rotkäppchenweg zum Beispiel ihre Projektwoche finanziert, aber auch didaktisches Material wie Handpuppen, Spiele und Klangmaterialien für die Sprachförderung oder Lego-Boxen für den Sachunterricht angeschafft.
Profikünstler arbeiten mit Bützflether Grundschülern
Aus der Säule III wird Personal zur Stärkung multiprofessioneller Teams beschäftigt. Für die Schulen im Kreis Stade stehen aus dem Startchancen-Programm Mittel für 11,5 Vollzeiteinheiten zur Verfügung. Sie sind laut RLSB alle entweder schon besetzt oder in Besetzung. „Wir haben eine zusätzliche Sozialpädagogin bekommen. Das ist schon eine Entlastung“, berichtet Heike Welle.

Schulleiterin Sabine Wolff-Stamer (hinten) bestaunt die Kränze im Haar der Kinder. Die haben sie selbst gemacht - mit Unterstützung von Blumendesignerin Caro (links). Foto: Richter
Auch die 230 Kinder der Grundschule Bützfleth kommen durch das Startchancen-Budget in den Genuss einer Projektwoche mit Profitänzern und Künstlern aus anderen Bereichen. „Kunst und Musik kommen im Schulalltag manchmal zu kurz“, erklärt Schulleiterin Sabine Wolff-Stamer. Auch die Bereiche Medienbildung und Gewaltprävention sollen künftig gestärkt werden.

Bützflether Kinder arbeiten in der Schulprojektwoche mit dem Stader Streetart-Künstler Michael Jankatzky-Laging. Foto: Richter
Mit einer Unterrichtsversorgung von 81,1 Prozent gehört die Grundschule Bützfleth zu den schlechter versorgten im Landkreis Stade. Ausgeglichen wird das durch abgeordnete Lehrkräfte, die aber nur stunden- oder tageweise im Haus sind und zum Teil auch nur ein halbes Jahr bleiben. Der Output von außen sei oft bereichernd, findet Wolff-Stamer: „Aber organisatorisch ist es schwierig und für den Bindungsaufbau auch.“

Wie die Profis am Theater: Schülerinnen der Grundschule Bützfleth in der Schminkwerkstatt. Foto: Richter
Tanja Schmüser, Leiterin des Ganztagsbereichs am Rotkäppchenweg, kennt das Problem: „Kinder brauchen Beziehung und müssen Vertrauen aufbauen, gerade Kinder, die Schwierigkeiten haben.“ Schulleiterin Heike Welle würde sich wünschen, mit dem Startchancen-Budget die gut qualifizierten pädagogischen Mitarbeiter für die Zukunft absichern zu können. „Doch das ist arbeitsrechtlich nicht möglich“, bedauert sie.
Die vielen kleinen Maßnahmen des Startchancen-Programms seien tatsächlich hilfreich, findet Sabine Wolff-Stamer in Bützfleth. Doch der große Wurf sei das nicht: „Wirklich helfen würden Menschen, die kontinuierlich da sind. Ich würde mir wünschen, dass die Startchancen-Schulen vor allem mit ausreichend Lehrkräften versorgt werden.“
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