TSteigende Mieten und wenig Wohnraum: Die Verlierer auf dem Wohnungsmarkt
Laut Gewerkschaft IG BAU sind vor allem Jüngere und Ältere die Verlierer auf dem Wohnungsmarkt. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Die Lage am Wohnungsmarkt ist angespannt - auch im Kreis Stade. Laut IG BAU leiden vor allem Jüngere und Ältere. Die Gewerkschaft nennt die Hintergründe.
Landkreis. Das Wohnen werde gerade auch für Azubis mehr und mehr zum Problem, sagt Achim Bartels von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). „Etliche der rund 3.070 Azubis im Landkreis Stade wohnen noch bei ihren Eltern. Und das nicht immer ganz freiwillig“, wird Bartels in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft zitiert.
Eine eigene Wohnung könnten sich viele jüngere Menschen schlichtweg nicht leisten. Das zeigt, so die IG BAU Hamburg, der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ vom Pestel-Institut, den die Gewerkschaft mit in Auftrag gegeben hat.
Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmarkt scheitern „ist das Maß voll“
„Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist. Etwa dann, wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs bezahlen können“, so Bartels. Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und zu hohen Mieten scheitern, dann sei „das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlauben“, so Bartels.
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Deshalb sollten der Bund und das Land Niedersachsen den Neubau von Azubi-Wohnungen unterstützen – vor allem im Umfeld von Ausbildungszentren. Bartels spricht sich dabei auch für Steueranreize aus, wenn ein Betrieb dafür sorgt, dass seine Auszubildenden ein Dach über dem Kopf bekommen. Probleme auf dem Wohnungsmarkt hätten auch Studierende.
Darüber hinaus warnt die IG BAU Hamburg vor „Wohnarmut im Alter“. Im Fokus stehen dabei die geburtenstarken Jahrgänge, die sogenannten Baby-Boomer: Rund 26.800 Arbeitskräfte im Landkreis Stade gehen nach Berechnungen des Pestel-Instituts bis 2035 komplett in Rente.
Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung: Nach oben
Die IG BAU warnt vor einer weiteren Verschärfung auf dem Wohnungsmarkt. „Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das muss sich ändern. Wir brauchen wieder sinkende und damit bezahlbare Mieten“, fordert Bartels. Ein wichtiger Schritt, um dahin zu kommen, seien mehr Sozialwohnungen. „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt“, so Bartels.
Der „Soziale Wohn-Monitor“ vom Pestel-Institut nenne dabei eine erste Zielmarke: die Verdopplung von derzeit eine auf zwei Millionen Sozialwohnungen bundesweit bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts. Für Niedersachsen bedeute das konkret: „Bis 2035 muss es in ganz Niedersachsen 168.500 Sozialwohnungen geben“, so Bartels. Der „Soziale Wohn-Monitor“ lege damit eine deutliche Messlatte: 14.900 zusätzliche Sozialwohnungen für Niedersachsen pro Jahr.
Mehr Sozialwohnungen schaffen: Drei Forderungen der IG BAU
In Zuge dessen äußert Bartels drei Forderungen an Bund und Land:
- Intensive Förderung. Die Mittel müssen zu Baubeginn bereitstehen und nicht „erst über Jahre verteilt ausgeschüttet werden“.
- Geringere Baukosten. „Es geht darum, einfacher zu bauen – und damit fürs gleiche Geld mehr Sozialwohnungen bauen zu können. Und das trotzdem in guter Qualität, mit niedrigen Instandhaltungskosten.“
- Öffentliche Statistik. „Es ist wichtig, zu wissen, wo in Niedersachsen wie viele Sozialwohnungen pro Monat neu gebaut worden sind.“
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