Zähl Pixel
Kommunalwahl 2026

TStephan Weil in Stade: Ministerpräsident a.D. – aber immer noch viel zu sagen

Wahlkampfbesuch in Stade: Stephan Weil unterstützt Kai Koeser als SPD-Bürgermeisterkandidaten.

Wahlkampfbesuch in Stade: Stephan Weil unterstützt Kai Koeser als SPD-Bürgermeisterkandidaten. Foto: Strüning

Er war der Hingucker des Tages in der Stader Altstadt: Ex-Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) machte Wahlkampf. Sechs Fragen an ihn.

author
Von Lars Strüning
05.08.2026, 18:02 Uhr

Stade. In Stade zeigte sich der neue Stephan Weil (67). In Jeans und blauem Poloshirt, entspannt, ohne Security. 13 Jahre lang war er Vorsitzender der SPD in Niedersachsen, fast genauso lang Ministerpräsident. Im Mai 2025 trat er zurück und machte den Weg frei für Olaf Lies an der Spitze der Landesregierung.

Einst eine starke Stimme der SPD im Bund

Weil war eine starke Stimme der Sozialdemokraten bundesweit. Sein Wort hatte Gewicht. Auch heute noch hat er viel zu sagen. Mit Bürgermeisterkandidat Kai Koeser verteilt er Rosen auf dem Wochenmarkt und schnackt mit den Leuten.

Während seiner kurzen Mittagspause in der Stader Altstadt beantwortet er bei Currywurst und Wasser sechs Fragen im TAGEBLATT-Interview.

Wie ist das Leben als Ministerpräsident a.D.? „Danke der Nachfrage, mir geht es bestens“, sagt Weil mit einem Lächeln. Keine dicht vertakteten 14-Stunden-Tage, nicht mehr die große Verantwortung, die ihn teilweise Nächte nicht schlafen ließen. Er genießt die Distanz, ohne ganz aus dem Politikgeschehen entfernt zu sein. Als Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Hannover-Buchholz kann er sich jetzt konkreter um die Region kümmern. „Vorher war das ganze Land Niedersachsen mein Wahlkreis“, sagt ein gut aufgelegter Stephan Weil.



Wahlen stehen an. Macht er sich Sorgen um die SPD?
Jein. In Niedersachsen, hier wird in etwa einem Jahr der neue Landtag gewählt, sei die SPD immer deutlich stärker als im Bundestrend. Die SPD sei die Partei mit dem größten Potenzial, das mache ihm Mut. Viele könnten sich vorstellen, sie zu wählen, hielten sich aber zurück. Dass noch Luft nach oben sei, zeigten die Umfragen, die die SPD auf Bundesebene mit 12 Prozent ausweisen.

Was rät er seiner Partei denn? „Ich werde nicht von der Seitenlinie mit gut gemeinten Ratschlägen nerven“, sagt Weil. Dabei denkt er sowohl an seinen Nachfolger Olaf Lies als auch an den Bundesvorsitzenden und Vizekanzler Lars Klingbeil, der aus Niedersachsen kommt. Beide machten ihre Sache gut. Niemand sei zu beneiden, der zurzeit in Berlin Verantwortung trage. Eines wünschte er sich dann doch.

Weil: Die SPD muss ihre Politik besser erklären

Die SPD müsste mehr erklären, warum sie welche Entscheidung fälle, zum Beispiel beim Thema Renten. Da werde auch er oft darauf angesprochen. Dass die Rentenversicherung angesichts des demografischen Wandels reformiert werden müsse, stehe außer Zweifel. „Wir leben in schwierigen Zeiten“, sagt Weil. Die Bundespolitik sollte Orientierung geben, wie es weitergeht, und Sicherheit ausstrahlen.

Lesen Sie auch


Und was rät er AfD-Wählern?
Die AfD trage eine bürgerliche Fassade, aber in ihr bewegten sich viele rechtsextreme Kräfte. Wer sie wähle, unterstütze womöglich Menschen, mit denen er eigentlich nichts zu tun haben möchte, gibt Weil für die anstehenden Kommunalwahlen am 13. September mit auf den Weg. Die meisten wählten die AfD nicht wegen kommunaler Themen. Geneigte Wählerinnen und Wähler sollten genau hingucken, was die AfD im Vergleich zu anderen Parteien geleistet hat oder vorgibt vorzuhaben.

Apropos Wahlkampf. Was führt ihn nach Stade? Eine Einladung von Kai Koeser. Der will für die SPD Bürgermeister von Stade werden. „Der Kai ist ein Guter“, sagt er standesgemäß. Die Menschen beim Infostand in der Fußgängerzone seien „absolut freundlich“ gewesen. Er mache gern Wahlkampf, und dieses Jahr sei es deutlich entspannter. „Es geht um was, aber nicht um mich.“ Das scheint er zu genießen.



Wie wichtig ist Kommunalpolitik und sind Kommunalwahlen?
Für Weil ist das sehr wichtig.Ob ein Staat funktioniert, entscheidet sich für viele Menschen in der eigenen Kommune“, sagt er. Hier zeige sich oft auch, ob eine Gemeinschaft funktioniere, wenn kein Geld da ist. Deswegen seien Kommunalwahlen für ihn auch keine Testwahlen. Die Menschen guckten sehr genau hin, welche Parteien in ihren Augen vor Ort gute Arbeit geleistet haben.

Stade, sagt er dann noch, sei für die Landespolitik vor allem wegen seiner Chemie-Industrie und dem Airbuswerk eine interessante Stadt. Dann setzte er seine kleine Sommerreise gen Cuxhaven und Loxstedt fort.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Zwei Auszeichnungen für die Hancken-Klinik

Die Strahlentherapie der Klinik Dr. Hancken arbeitet mit modernster Technik gegen den Krebs - und wurde jetzt dafür ausgezeichnet. Was das für Patienten bedeutet, erklärt der Leiter der Strahlentherapie, Dr. Markus Herrmann.