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Interview

TStudio und Radio-Comedy: Warum Lotto King Karl eine enge Beziehung zu Stade hat

Lotto King Karl steht auf einer Bühne und hält ein Mikrofon.

Im Hamburger Stadtpark hält Lotto King Karl einen einsamen Bühnenrekord. Jetzt spielt er zum ersten Mal auf Stades grüner Konzertbühne. Foto: Torsten Sörup

Lotto King Karl kommt am Freitag in den Bürgerpark nach Stade. Im TAGEBLATT-Interview erzählt der Hamburger Kultmusiker, warum er früher ständig auf der B73 unterwegs war, wie es um ein neues Album steht und welche Devotionalien er zu Hause hütet.

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Von Fenna Weselmann
19.08.2026, 05:40 Uhr

Mit dem Bürgerpark erobern Sie zum ersten Mal Stades grüne Bühne. Erwarten Sie da genau so eine Party wie im Stadtpark Ihrer Heimatstadt?

Lotto King Karl: Ja, ich hoffe, wir dürfen da lauter sein. Das ist dann der dritte Park in Folge. Erst Hamburg und Harburg und jetzt Stade - wir haben schon gepostet „Nach dem Park ist vor dem Park ist vor dem Park“. Ich freu mich drauf, denn wir haben ja eine enge Beziehung zu Stade.

Wieso das?

In Ottenbeck war früher das Studio 4, in dem wir mehrere unserer Alben aufgenommen haben. Deswegen kenne ich das alles sehr gut da. Wir haben auch schon oft in Stade gespielt, in unterschiedlichen Locations, aber noch nie im Bürgerpark. Das ist wirklich was Besonderes, und deswegen freuen wir uns, genau dort zu sein.

Ich verbinde so viele Erinnerungen mit Stade, auch an die vielen endlosen Fahrten auf der B73. Das war ja wirklich die Zeit, als man drei, vier Wochen in ein Studio ging und einfach nur ein Kilo Bullrich-Salz und Aspirin mitnahm, weil man gar nicht mehr schlief.

Und als ich diese Radio-Comedy „Das geheime Tagebuch des Dieter B.“ aufgenommen habe, da war die Marketing-Idee ja, dass wir behaupten, der Pilot von Dieter Bohlen sei auf einem Acker in der Nähe von Stade abgestürzt und Frank Itt und ich hätten die dort gefunden. Für das PR-Foto haben wir uns dann einfach gegenüber vom Studio mit Gummistiefeln aufs Feld gestellt.

Apropos Studio - Wie sieht es mit einem neuen Album aus?

Das werden wir mit Sicherheit irgendwann machen, aber es ist noch ein langer Weg. Wir testen ja immer wieder Songs aus, die da dann auch erscheinen würden. Nur ist das Produzieren von Alben heute nicht sehr viel billiger geworden, doch die Möglichkeiten, überhaupt etwas damit zu verdienen, sind so schlecht, dass es wirklich heikel ist. Denn ich möchte ja nicht nur digital veröffentlichen, sondern ein haptisches Produkt. Das muss nicht zwingend Vinyl sein, auch wenn ich selbst fünf Plattenspieler besitze.

Lotto King Karl, Musiker und Moderator.

Lotto King Karl, Musiker und Moderator. Foto: Georg Wendt/dpa

Fünf Plattenspieler?

Ja, das hat sich so ergeben. Irgendwann habe ich mal so ein DJ-Ding gekauft, dann habe ich einen alten Thorens, einen weiteren zum Digitalisieren und eine alte Musiktruhe von meiner Oma, so ein Stand-Alone-Gerät mit Zehner-Plattenwechsler, und weil ich das cool fand, auch noch ein 50 Jahre altes Beocenter von Bang & Olufsen.

Aber allein schon eine CD in der Hand zu haben, mit einem richtigen Booklet, finde ich schön. Ich würde sagen, wir haben im Repertoire so eine Handvoll Songs, die nicht veröffentlicht sind, und am Horizont bestimmt weitere zehn. Es wird also ein neues Album geben, es ist aber nicht absehbar.

In Hamburg ist der Stadtpark ja so etwas wie Ihr Konzert-Wohnzimmer. Was macht diesen Ort für Sie so besonders?

Wir haben dort einfach schon so oft gespielt. 57 Mal - das ist im Stadtpark einsamer Rekord. Ich würde sagen, was größere Venues angeht, liegen wir damit weltweit in den Top Ten. Ewige Nummer 1 wird wohl Billy Joel mit seinen 150 Konzerten im Madison Square Garden sein - unwahrscheinlich, dass wir das noch brechen.

Und es gibt natürlich so Benchmarks im Laufe eines Band-Lebens, und der Stadtpark gehört für uns dazu. Den kennt meine Generation ja noch aus der Jugend. Deswegen war es natürlich was Besonderes damals, zum ersten Mal dort zu spielen.

Ist das immer noch Ihre erklärte Lieblingsbühne?

Ja klar. Aber eigentlich gibt es gar keine Lieblingsbühne in dem Sinne, weil die nächste Bühne immer die Lieblingsbühne sein sollte.

Wenn Sie sich eine Bühne aussuchen dürften - wo würden Sie dann gerne mal ein Konzert geben?

Ich würde gerne im Hamburger Stadtpark mal ohne Lautstärkenbegrenzung spielen. Das wäre sehr schön.

Wirklich toll ist es, auf großen Festivals in einem Headliner-Slot zu spielen, was wir schon ein paar Mal gemacht haben. Mit 100.000 und mehr ist das so, als würde das Publikum vor der Bühne kein Ende nehmen. Und dann gibt es natürlich auch magische Abende in ganz kleiner Runde.

Im Hamburger Stadtpark hält Lotto King Karl einen einsamen Bühnenrekord. Jetzt spielt er zum ersten Mal auf Stades grüner Konzertbühne.

Im Hamburger Stadtpark hält Lotto King Karl einen einsamen Bühnenrekord. Jetzt spielt er zum ersten Mal auf Stades grüner Konzertbühne. Foto: Tortsen Sörup

Aber so mit Blick auf ungewöhnliche Orte?

Ehrlich gesagt, haben wir das alles schon gemacht. Wir waren auf jedem Kreuzfahrtschiff jeder großen Linie, ich habe in der S-Bahn, im Knast oder mit Smudo und einem Straßenmusiker auf der Reeperbahn gespielt. Sehr speziell war auch die Gampe Alm in Sölden, eine der berühmtesten Skihütten in den Alpen, wo man auf dem schmalen Weg hoch auch nicht rechts und links gucken darf.

Am gleichen Tag habe ich noch ein HSV-Spiel kommentiert und wir kamen erst spät los. Das war dann schon ein Abend mit sehr wenig Schlaf und viel weißen Blutkörperchen, so schnell auf großer Höhe. Aber im Grunde genommen ist das nächste Konzert immer das Wichtigste. Das klingt so platt, aber es ist so.

Sie sind nicht nur auf der Bühne, sondern auch beim Hörfunk zu Hause, mittlerweile bei Rock Antenne. Hören Sie im Auto selbst gerne Radio?

Ja, das ist eines der wenigen Dinge, die ich beim Autofahren höre. Ich mag Radio, weil ich die Vorstellung irgendwie cool finde, dass jemand allein irgendwo auf der Autobahn fährt und da diese eine Stimme ist, weil jemand anderes auch noch wach ist. Das ist dieser Moment, weswegen ich eigentlich immer versuche, eine Sendung zu machen, die mit einer Geschichte zu tun hat - eine Sendung, in die ich selber gerne eingeladen wäre.

Welchen Song drehen Sie denn dann auf Anschlag?

Zu viele. Ich bin in so vielen Genres zu Hause. Was mich aber zuletzt besonders überrollt hat, war das Comeback von Oasis. Das war der Moment, der mir am nächsten ist - auch mit einem ähnlichen Background. Die sind ja alle große Fans von The Smiths, und ich war tatsächlich auf einem der drei Konzerte, die The Smiths jemals außerhalb von England gegeben haben - in Hamburg in der Markthalle.

Beim Open Air im Bürgerpark sind auch die Toten Ärzte auf der Bühne. Welche Songs von den Toten Hosen und den Ärzten sollten für Sie unbedingt auf der Setlist stehen?

Dann können wir zwei Tage später kommen. Es gibt so viele gute Songs, und ich bin von beiden Bands ein Supporter der ersten Stunden.

In den Stadien rollt wieder der Ball und nächste Woche geht die 1. Bundesliga wieder los. Sind Sie schon im Fußball-Fieber?

Das ist ja nie ganz weg. Nach der WM, die zum Teil sehr hysterisch war, ist es schön, wieder geerdeten Sport zu sehen, obwohl das natürlich relativ ist. Mal sehen, wie es läuft. Der HSV wird da sicherlich noch ein paar Ideen im Sturm verwirklichen müssen.

Ihr Herz schlägt seit jeher für den HSV. In dem Vereinsmuseum sind echte Schätze versammelt. Gibt es da ein Lieblingsstück?

Sehr schön finde ich das Modell vom alten Stadion am Rothenbaum, weil ich den HSV dort noch mit Jungs aus meiner Klasse zusammen bei einem Freundschaftsspiel gesehen habe und schon als Kind ein Fan von Dioramen war. Und das alte Volksparkstadion, wo ich mit meinem Vater das erste Mal war. Das war ja schon sehr majestätisch für so einen kleinen Jungen.

Welche Devotionalien haben denn bei Ihnen zu Hause einen besonderen Platz?

Das ist eine gute Frage. Es ist alles sorgsam weggepackt, und ich kann eigentlich gar nicht darüber reden, weil ich das auch noch nicht gepostet habe. Seit zig Jahren spiele ich mit dem Gedanken, irgendwann mal irgendwo eine Art Vitrine mit meinen eigenen Devotionalien aus dem Sport, aber auch aus der Musik aufzubauen, weil ich tatsächlich als Basketballer und auch mit Kart-Rennen einiges an Pokalen gewonnen habe. Mit der Idee bin ich aber noch nicht viel weiter gekommen.

Etwas können Sie uns doch vielleicht verraten...

Der größte Pokal ist zum Beispiel ein Wanderpokal, den vorher Smudo lange hatte. Wir sind ja zusammen als Team gefahren.

Und dieses Foto von Kevin Keegan und mir, was ich veröffentlicht hatte, als er gestorben ist. Von Uwe Seeler und mir gibt es ja viele Bilder, aber mit Keegan nur dieses eine - als er damals mit Manchester City zum HSV für ein Testspiel kam und wir davor aufgetreten sind. Das war so ein immaterieller Fan-Moment, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte. Keegan war ja ein unglaubliches Idol, mit nichts vergleichbar.

Zur Person

Lotto King Karl, 1967 als Gerrit Heesemann in Hamburg geboren, ist Musiker und Moderator. Seine Geschichte von Gabelstaplerfahrer Karl König mit dem Lottogewinn ist ausgedacht, aber Lottos Legende nimmt ihren Lauf. 1995 erscheint die erste Single „Ich hab‘ den Jackpot“. Ein Jahr später folgt das Debütalbum „Weiß Bescheid“. Mit diesem Album und seiner Präsenz im Lokalradio steigt er zur Hamburger Musikgröße auf. „Hamburg, meine Perle“ ist Lottos Hymne an die Heimat, die er von 2005 bis 2019 als Co-Stadionsprecher bei den Heimspielen des HSV vor jedem Anpfiff singt. Der Lokalmatador und seine Band touren regelmäßig von einer Konzertbühne zur nächsten, und mit „Lottos beste Sendung“ ist er auch weiter im Radio zu hören.

Karten

Das Konzert im Bürgerpark beginnt am Freitag, 21. August 2026, um 18 Uhr, der Einlass um 17 Uhr. Tickets zum Preis von 30 Euro sind bei der Stade Marketing und Tourismus GmbH und bei Eventim (www.eventim.de) erhältlich. Ein Kombiticket für das Open Air am Freitag und MAMF am Samstag kostet 70 Euro. Weitere Infos: www.mamf-stade.de. (sal)

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