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Vandalismus

TTatort Stromkasten: Fredenbecker Schüler trauern wegen HSV um ihre Kunst

Es war einmal ein Kunstwerk einer Schülerin, im Ansatz ist es auf diesem Stromkasten an der Hauptstraße noch zu erkennen. Wolfgang Weh stört es, dass HSV-Fans es übermalt haben.

Es war einmal ein Kunstwerk einer Schülerin, im Ansatz ist es auf diesem Stromkasten an der Hauptstraße noch zu erkennen. Wolfgang Weh stört es, dass HSV-Fans es übermalt haben. Foto: Meyer

Ein Mädchen bemalte einen Stromkasten in Fredenbeck und wünschte sich Frieden. Die Botschaft der Künstlerin ist verschwunden - wegen HSV-Fans, erklärt Wolfgang Weh.

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Von Thies Meyer
Mittwoch, 03.06.2026, 11:55 Uhr

Fredenbeck. Die Tatorte: zwei Stromkästen. Die Opfer: zwei Schülerinnen. Die Täter: Fans des Hamburger SV. Das Delikt: Vandalismus. Wolfgang Weh erklärt aus seiner Sicht, was in Fredenbeck vor kurzem passiert ist.

Weh steht an einem Stromkasten an der Hauptstraße. Geister, geschnitzte Kürbisse und Spinnennetze zierten diesen Kasten am Dienstag nach Pfingsten, erzählt Weh, und einen Tag später waren es die HSV-Vereinsfarben Schwarz und Blau. Nur zwei Ampelüberquerungen weiter steht an der Schwingestraße vor dem Rathaus-Parkplatz ein weiterer Sicherungskasten.

So sah der von einer Geestlandschülerin bemalte Stromkasten an der Hauptstraße in Fredenbeck mal aus.

So sah der von einer Geestlandschülerin bemalte Stromkasten an der Hauptstraße in Fredenbeck mal aus. Foto: Privat (nomo)

Eine andere Geestlandschülerin malte eine Erdkugel mit einem weißen Peace-Zeichen und stempelte drum herum rote, gelbe, blaue und braune Handabdrücke. Von ihrer Friedensbotschaft ist nichts mehr zu sehen, denn der Stromkasten wurde silber übermalt. Auf der Rückseite dominieren wieder Schwarz und Blau. Weh ist sauer.

Nur das Gemälde einer Künstlerin bleibt unversehrt

„Natürlich sind die tieftraurig“, beschreibt Weh die Reaktion der Kinder. Der ehemalige Vorstand der Fredenbecker Grünen nennt die Tat eine „Unverschämtheit“ und „Gemeinheit“ gegenüber den Kindern, denn die Bilder der Mittelstufenschüler seien im Rahmen eines Kunstwettbewerbs entstanden, erklärt Weh.

So sah der von einer Geestlandschülerin bemalte Stromkasten an der Schwingestraße vor dem Rathaus in Fredenbeck mal aus.

So sah der von einer Geestlandschülerin bemalte Stromkasten an der Schwingestraße vor dem Rathaus in Fredenbeck mal aus. Foto: Privat (nomo)

Zehn Schülerinnen und Schüler hätten ihre Entwürfe eingereicht, sechs von ihnen werden prämiert und bekommen etwas von den 350 Euro Preisgeld, das Weh selbst gestiftet habe.

Hier war mal das Kunstwerk einer Schülerin, die sich mit ihrem Gemalten Frieden auf der Erde wünschte. Jetzt ist es silber übermalt. Immer wieder sollen hier HSV-Fans ihr Revier mit den Vereinsfarben Schwarz und Blau markiert haben, erzählt Wolfgang Weh.

Hier war mal das Kunstwerk einer Schülerin, die sich mit ihrem Gemalten Frieden auf der Erde wünschte. Jetzt ist es silber übermalt. Immer wieder sollen hier HSV-Fans ihr Revier mit den Vereinsfarben Schwarz und Blau markiert haben, erzählt Wolfgang Weh. Foto: Meyer

Bislang haben drei Kinder ihre Bildideen auf den Stromkästen umgesetzt - auf dem am Rathaus, an der Hauptstraße und auch am Holzweg. Dieses Kunstwerk blieb von Übermalungen verschont, hier strahlt eine Sonne über einer Insel im Meer mit Palmen.

Unversehrt: Auf diesem Stromkasten am Holzweg in Fredenbeck ist noch die Kunst einer Schülerin und kein Motiv eines anderen.

Unversehrt: Auf diesem Stromkasten am Holzweg in Fredenbeck ist noch die Kunst einer Schülerin und kein Motiv eines anderen. Foto: Meyer

Stromkreisverteiler in Wohngebieten wie am Holzweg blieben häufig verschont, so Weh. „Es gibt an den Hauptverkehrsstraßen kaum noch Stromkästen, die nicht bemalt sind.“ In den letzten zwei Jahren habe sich die Übermalung von Sicherungskästen im Landkreis verschlimmert, sagt Weh.

Hier regiert der HSV: Was Weh an den Fans stört

Es gehe den Fans um Besitzanspruch - nach dem Motto: Das ist unser. „Die meinen, die ganzen Stromkästen gehören dem HSV“, sagt Weh. Der Fredenbecker sagt, er habe den HSV-Fanbereich angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten.

Was Weh anspricht, ist eine Art des Reviermarkierens und gilt unter Fußballfans als gelebte Fankultur. Auch das sogenannte Stickern zählt für sie dazu.

An einer Ampel an der Kreuzung vor dem Rathaus kleben Dutzende. Vor den Kunstwerken waren auf den gleichen Stromkästen schon mal HSV-Farben und -Wappen. Aus Wehs Sicht waren es zweifellos HSV-Fans.

Weh erstattet Anzeige gegen unbekannt - Kunstwettbewerb ruht

Wolfgang Weh sagt, er habe vor dem Start des Kunstwettbewerbs ausdrücklich um Rücksicht gebeten. Auf einem DIN-A4-Zettel an den Sicherungskästen stand: „Stop! Hier wird in den nächsten Tagen eine Schülerin der Geestlandschule diesen Stromkasten mit Genehmigung (der EWE) bemalen. Es wäre sehr freundlich, wenn Sie sie nicht stören würden. Freuen Sie sich auf ein kleines Kunstwerk.“

Nachdem die Kästen übermalt wurden, habe Weh mit einem Zettel signalisiert, zum Beispiel am Kasten am Rathaus: „Dieses Gemälde entstand hier in ausdrücklicher Genehmigung durch den Eigentümer dieses Stromkastens, den Samtgemeindebürgermeister. „(Zer-)Störung durch Übermalung wird zur Anzeige gebracht!“ Auf eine Antwort auf seine Anzeige wartet Weh noch.

Nach den Vorfällen hat Wolfgang Weh den Kunstwettbewerb vorerst unterbrochen. Weh: „Ich bespreche das mit den Kindern. Die bekommen ihre Preise.“

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