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Gastronomie

TThomas Mäkels Ende im Apropos: Von Herzblut und alten Zeiten

Gastwirt Thomas Mäkel mit seiner Lebensgefährtin Kerstin Genrich, mit der er jahrelang das Apropos in der Stader Innenstadt schmiss.

Gastwirt Thomas Mäkel mit seiner Lebensgefährtin Kerstin Genrich, mit der er jahrelang das Apropos in der Stader Innenstadt schmiss. Foto: Strüning

Seit 21 Jahren steht Thomas Mäkel hinterm Tresen und in der Küche des Apropos. Mit seiner Partnerin hat er ein Stück Stader Kneipengeschichte geschrieben. Jetzt will er aufhören.

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Von Lars Strüning
Freitag, 26.12.2025, 18:45 Uhr

Stade. Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Wenn Thomas Mäkel und seine Kerstin zurückblicken, kommen viele Erinnerungen hoch. Aus ihren Stimmen klingt Wehmut. Sie haben viel durchgemacht, viele Wendungen erlebt und viel Spaß gehabt.

Das alte Apropos: Wirte legten viel Wert auf Speisen

Das Apropos war Restaurant. „Wir haben großen Anspruch auf die Küche gelegt“, erinnert sich Kerstin Genrich an die Zeit, nachdem die beiden 2004 die Räume in der Kleinen Schmiedestraße übernommen hatten. Sie ist Köchin, bildete sogar für ihren Berufsstand aus, zauberte auch schon mal ein Sechs-Gänge-Menü im Apropos.

Mit dem Rauchverbot in Kneipen kam der erste Bruch. Viele Stammgäste gingen, weil sie im Apropos nicht mehr zum Glimmstängel greifen durften. Das Augenmerk der Wirte richtete sich weiterhin auf die Küche. „Das ist gutgegangen“, sagt sie. Neue Gäste kamen und blieben.

Mit Corona kam der nächste Wandel, dazu gesellte sich die Erkrankung von Kerstin, die nicht mehr arbeiten kann. Das Apropos musste sich neu erfinden, Hotelfachmann Thomas Mäkel auch. Er tauschte die Rollen, zog vom Tresen in die Küche.

Die Karte wurde reduziert, der beliebte Mittagstisch blieb noch eine lange Zeit. Heute schwärmen die Gäste immer noch von der Currywurst. Diverse Burger stehen auf der Speisekarte. Und selbstredend eine große Getränkeauswahl.

Viel mehr als nur eine Kneipe mitten in der Stadt

Das Apropos ist eine Kneipe - und viel mehr als das. Sie ist ein Treffpunkt, wie es in Stade nicht mehr viele gibt. An Heiligabend, so auch dieses Jahr, werden nach der Bescherung viele gut bekannte Gesichter aus alten Zeiten erwartet. Man trifft sich im Apropos. Manchmal kommen sogar Eltern mit ihren Kindern, beide sind oder waren Stammgäste.

Der Blick zurück geht in eine Zeit, als das Partyvolk in Stade zwischen den Kneipen pendelte. Die Oktave oder die Destille gehörten dazu, auch der Alchemist oder die Mülltonne. Das Apropos war häufig am längsten geöffnet, manchmal wurde hier noch gefrühstückt. Dann mussten die Gäste auf den Barhockern mal eben die Füße hochnehmen, wenn morgens durchgewischt wurde. Das ist lange her.

Die jungen Leute bleiben aus, verbrächten die Zeit offenbar lieber zu Hause - so wie sie es während der Corona-Krise gelernt hätten. Dabei war gerade der Kontakt zu den Gästen das Salz in der Suppe für das Gastwirtspaar. Aus Mitarbeitern und Stammgästen wurden Freunde. „Hier war es immer sehr persönlich“, sagt Kerstin.

Das streng gehütete Geheimnis um Hausschnaps Börnie

Selbstverständlich auch für das Duo: Vieles ist selbst gemacht. Zum Beispiel die Saucen. Oder auch Börnie, der Hausschnaps. Der wird immer noch in der Küche zubereitet nach Kerstins Geheimrezept. „Vielleicht“, sagt sie, „werde ich das Rezept am letzten Abend versteigern.“ Auch Speisen tragen hier eher ungewöhnliche Namen. Burger heißen augenzwinkernd Norbert oder Machete.

Das Wichtigste am Job sei die Verschwiegenheit, sagt Thomas Mäkel. Die Leute, die am Tresen sitzen, wollten reden, teilweise ihr Herz ausschütten. „Das ist der Job, mehr oder weniger auch Psychologe. Das musst du lieben.“ Sonst funktioniere es nicht.

Das Apropos ist eine Bühne - vor allem für Rock- und Bluesbands. Thomas Mäkel hat sich einen guten Ruf erarbeitet in der Szene. Immer wieder gibt es Liveauftritte, zwei sind noch für den späten Januar geplant. Zuletzt hat er auch beim Altstadtfest mitgewirkt, die Bühne ums Eck auf dem Rathausplatz bespielt.

„Möge die Nacht mir Dir sein...“

Das Apropos, seit 1981 in Betrieb, ist von vielem ein bisschen. Der Mix macht‘s. Café, Bistro, Kneipe, Partyservice steht auf dem beleuchteten Zigarettenautomaten. Zwei Menschen mit Hut im Schattenriss sind darauf zu sehen und der Spruch „Möge die Nacht mit Dir sein...“. Dabei handelt es sich um eine Abwandlung des berühmten Abschiedsgrußes der Jedi aus dem Star-Wars-Universum.

Möge die Nacht mit Dir sein: Besonderer Zigarettenautomat mit individuellem Design im Apropos.

Möge die Nacht mit Dir sein: Besonderer Zigarettenautomat mit individuellem Design im Apropos. Foto: Strüning

„Der private Zigarettenautomat wird mir fehlen“, sagt Thomas Mäkel und lacht leicht. Wenn er das Apropos verlässt, muss er sich die Kippen woanders holen. Gut 21 Jahre lang war es ihr zweites Zuhause. Aber noch ist es nicht so weit. Bis Ende Januar will er auf jeden Fall weitermachen.

Sein größter Wunsch: Dass das Apropos Kneipe bleibt und nicht die Türen schließt. Gespräche mit potenziellen Bewerbern liefen. Vielleicht bringen neue, jüngere Betreiber neue Ideen und frischen Wind mit, sinniert er. Thomas Mäkel: „Wir würden es nur zu gerne in gute Hände legen.“ Viel Herzblut ist in das Projekt geflossen.

Er (56) will sich jetzt einen Job suchen für die letzten Arbeitsjahre, nicht unbedingt in der Gastronomie. Möge die Nacht mit ihm sein. Oder wie Mäkel es ausdrückt: „Das Ende ist auch Teil des Ganzen.“

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