TTödliche Schüsse in der Dankersstraße: Was wir schreiben - und was nicht
Die Tat des Mannes, der in Stade am Montag sechs Menschen getötet hat, bleibt unbegreiflich. Foto: Vasel
Die unfassbare Tat mit sechs Toten in der Stader Dankersstraße ist bis heute kaum in Worte zu fassen. Aber genau das ist der Job der TAGEBLATT-Redaktion. Wie geht sie damit um?
Stade. Das TAGEBLATT hat klare Regeln für die Berichterstattung, gerade in Fällen, in denen Menschen verletzt oder gar getötet worden sind. Der Opferschutz steht ganz oben. Wir werden keine Details zu Getöteten preisgeben, es sei denn, die Angehörigen bitten darum - zum Beispiel, um Spenden zu generieren.
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Rücksicht auf die Hinterbliebenen ist ebenso selbstverständlich, wie Rücksicht auf Einsatzkräfte an Tatorten oder Unfallstellen. Zurückhaltung und Diskretion gehören in derartigen Lagen zum Berufsbild dazu.
„Bei Unglücksfällen und Katastrophen beachtet die Presse, dass Rettungsmaßnahmen für Opfer und Gefährdete Vorrang vor dem Informationsanspruch der Öffentlichkeit haben“, heißt es dann auch im Kodex des Deutschen Presserats.
TAGEBLATT arbeitet nicht mit Gerüchten
Das TAGEBLATT beteiligt sich nicht an der Verbreitung von Gerüchten. Derzeit schießen zum Fall Dankersstraße bundesweit unbestätigte Behauptungen wie Pilze aus dem Boden. Klar, das Interesse der Öffentlichkeit an diesem fassungslos machenden Geschehen ist groß. Aber deswegen werden wir uns nicht an dem durch die sozialen Netzwerke noch angefeuerten Wettrennen um die "beste" neue Schlagzeile beteiligen.
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Wir wissen nicht, was wirklich während der nur wenige Tage zurückliegenden Tat geschah oder wie die Umstände während der Flucht mit dem Auto durch Stade waren. Wir kennen auch die Vorgeschichte des Verdächtigen in der Türkei nicht.
Wir verraten kein Täterwissen, weil das die Arbeit der strafermittelnden Behörden erschweren und Einfluss auf ein späteres Gerichtsverfahren nehmen könnte. Wir bleiben im engen Kontakt mit Polizei und Staatsanwaltschaft in Stade, um nur gesicherte Informationen zu verbreiten. Und wir werden uns bis zum Gerichtsverfahren gedulden müssen, um Details zum Tathergang zu erfahren.
Regeln des Deutschen Presserats sind uns heilig
Das Tageblatt zahlt kein Honorar an mögliche Zeugen oder an Angehörige, um an vermeintlich exklusive Geschichten zu kommen. Das ist eine Frage der Moral, aber auch der klaren Regeln des Deutschen Presserats, denen sich das TAGEBLATT verpflichtet fühlt.
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„Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse“, heißt es da einführend im Pressekodex. Oder auch: „Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben.“
Das sollte für alle Journalisten eine Selbstverständlichkeit sein. Nur wer auf Dauer wahrhaftig berichtet, bleibt glaubwürdig.
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