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Fußball-WM

TTrainer-Umfrage: Diese Spieler fehlen im DFB-Kader - Reicht es zum Titel?

Vier Trainer aus dem Landkreis bewerten die deutsche Nationalmannschaft. An der Personalie Manuel Neuer scheiden sich die Geister.

Vier Trainer aus dem Landkreis bewerten die deutsche Nationalmannschaft. An der Personalie Manuel Neuer scheiden sich die Geister. Foto: Collage: Federico Gambarini/dpa/FuPa

WM-Stimmung? Weit weg. Kann die deutsche Nationalmannschaft sie entfachen? Nur mit Erfolg. Vier Trainer beurteilen den Kader, die Chancen und präferieren diese Spielidee.

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Von Jan Bröhan
Samstag, 13.06.2026, 07:50 Uhr

Landkreis. Die WM-Stimmung sei „noch weit weg“, sagt Carsten Junge (58), Trainer des Kreisklassen-Meisters und Kreisliga-Aufsteigers SV Agathenburg/Dollern. Das sei früher „viel intensiver gewesen“. Vielleicht komme die Stimmung mit den deutschen Spielen, so Junge. Am Sonntag (19 Uhr) steigt die Nationalmannschaft gegen Curacao ein. „Sie muss was bieten“, sagt Junge.

Carsten Junge, Trainer des SV Agathenburg/Dollern.

Carsten Junge, Trainer des SV Agathenburg/Dollern. Foto: FuPa

WM-Stimmung? „Null“, sagt Björn Stobbe (51), Trainer des Bezirksligisten VSV Hedendorf/Neukloster. Das sei schade. „Sie haben uns die Freude an unserem Lieblingssport genommen“, sagt Stobbe und meint damit Fifa-Präsident Infantino und US-Präsident Trump, zudem sei die „aufgeblähte WM“ mit 48 Mannschaften eine Farce.

Björn Stobbe, Trainer der VSV Hedendorf/Neukloster.

Björn Stobbe, Trainer der VSV Hedendorf/Neukloster. Foto: FuPa

Die WM-Stimmung komme nicht wirklich auf, sagt auch Nils Zielesniak (35), Trainer des Kreisligisten TSV Wiepenkathen. Die allgemeinen Nebengeräusche und die späten Anstoßzeiten seien nicht förderlich.

Nils Zielesniak, Trainer des TSV Wiepenkathen.

Nils Zielesniak, Trainer des TSV Wiepenkathen. Foto: FuPa

Milan Schweiger (24) freut sich, dass er Fußball gucken kann. Der Trainer der SV Drochtersen/Assel II, Landesliga-Meister und Bezirkspokal-Sieger, hofft dabei auf „eine erfolgreiche deutsche Nationalmannschaft“.

Milan Schweiger, Trainer der SV Drochtersen/Assel II.

Milan Schweiger, Trainer der SV Drochtersen/Assel II. Foto: FuPa

Denn bei einem sind sich die vier Experten aus dem Fußballkreis Stade einig: Nur die deutsche Nationalmannschaft kann eine WM-Euphorie entfachen, mit unterhaltsamer Spielweise und Erfolg.

So beurteilen sie den Kader und die Chancen - und diese Spielweise würden sie gerne sehen.

Der Kader der deutschen Nationalmannschaft

Das meint Schweiger: Grundsätzlich sei die Zusammenstellung gut, ein Mix aus Erfahrung mit Weltklasse und frischen Talenten plus Rollenspielern.

Statt Pascal Groß (Brighton&Hove) hätte er Tom Bischof vom FC Bayern München mitgenommen. „Das würde den Bayern-Block stärken. Mit Bischof hätte man mehr Flexibilität und er bringt auch in Kurzeinsätzen noch Qualität rein“, sagt Schweiger.

D/A-Trainer Milan Schweiger hätte Tom Bischof (rechts) mitgenommen, Lennart Karls Ausfall wird bedauert.

D/A-Trainer Milan Schweiger hätte Tom Bischof (rechts) mitgenommen, Lennart Karls Ausfall wird bedauert. Foto: Sven Hoppe/dpa

Nach der Verletzung von Lennart Karl (Bayern München) hätte er Kölns El Mala statt Leipzigs Ouédraogo nachnominiert. Das hätte den Flügel gestärkt.

„Außerdem hätte ich Rüdiger (Real Madrid) zu Hause gelassen und dafür einen klassischen Rechtsverteidiger mitgenommen“, sagt Schweiger. Dadurch wäre die Mannschaft variabler, da Kimmich auch als Sechser („Da sehe ich ihn eher.“) spielen könnte.

Die Rückholaktion von Torhüter Manuel Neuer wird hinterfragt.

Die Rückholaktion von Torhüter Manuel Neuer wird hinterfragt. Foto: Federico Gambarini/dpa

Das meint Stobbe: Insgesamt sei der Kader ausgewogen. Er hätte aber auf den „loyalen und fehlerfreien“ Torhüter Baumann (Hoffenheim) gesetzt, statt den zurückgetretenen Neuer (Bayern) zu reaktivieren. „Ich als Trainer könnte das nicht. Ich finde das brutal, so eine Entscheidung zu treffen.“

Die Nominierung von Rüdiger findet er „grenzwertig“ - „das kann zu Nebengeräuschen führen“. Wie Schweiger hätte auch Stobbe einen Rechtsverteidiger mitgenommen - und zwar Yann Aurel Bisseck von Inter Mailand.

Matthias Ginter hatte sich nach einer starken Saison - der SC Freiburg kam ins Finale der Europa League - WM-Hoffnungen gemacht.

Matthias Ginter hatte sich nach einer starken Saison - der SC Freiburg kam ins Finale der Europa League - WM-Hoffnungen gemacht. Foto: Robert Michael/dpa

Das meint Junge: Eine Personalie kann er überhaupt nicht nachvollziehen. „Matthias Ginter (Freiburg) hat eine super Saison gespielt. Stattdessen Rüdiger mitzunehmen, halte ich für einen großen Fehler“, sagt Junge, der Rüdigers „Vorbildfunktion“ infrage stellt.

Wie Stobbe hätte er Baumann „den Rücken gestärkt“. „Keine Frage“, so Junge, „Neuer hat immer noch Klasse, aber er ist nicht 100-prozentig fit - und lass ihn mal einen Fehler machen, dann ist die Aufregung groß.“ Zudem hätte auch er El Mala für Karl nachnominiert. In diesem Zusammenhang ist Junge auch „sehr gespannt“, wie Leroy Sané performt.

Antonio Rüdiger (links) hätten die Kreistrainer nicht mitgenommen, auf Leroy Sané sind sie gespannt.

Antonio Rüdiger (links) hätten die Kreistrainer nicht mitgenommen, auf Leroy Sané sind sie gespannt. Foto: Jan Woitas/dpa

Das meint Zielesniak: „Rüdiger hätte ich aufgrund seiner vielen grob unsportlichen Aktionen zuletzt nicht berücksichtigt“, sagt er deutlich, das könne auch eine „Baustelle eröffnen“.

Dass Serge Gnabry (Bayern) verletzungsbedingt ausfällt, sei „ganz bitter“. Ansonsten sei der Kader ausgewogen zusammengestellt.

So sollte die Nationalmannschaft spielen

Schweiger: In der Gruppenphase (Gegner sind Curacao, Elfenbeinküste, Ecuador) werde Deutschland viel Ballbesitz haben. „Da wünsche ich mir geradlinigen und zielstrebigen Fußball, sie müssen schnell in die gefährliche Zone kommen.“ Das Flügelspiel sei wichtig und die Gegner müssten in der Box unter Druck gesetzt werden.

Gegen die technisch starken Mannschaften, die kommen werden, muss hoch gepresst werden. „Das ist der Bayern-Block, aber auch Dortmund, sowieso gewohnt“, sagt Schweiger.

Stobbe: Nagelsmanns Konzept sei, hoch anzulaufen, Ballbesitz zu haben und mehr offensiv als defensiv zu denken. „Wenn das Team das durchbringt, ist es gut.“

Stobbe gibt zu bedenken, dass Ecuador und die Elfenbeinküste („Die haben in der Quali kein Gegentor bekommen.“) defensiv stark sind. „Deutschland braucht Ideen, das zu knacken.“ Grundsätzlich denkt er, dass sich in den USA offensive statt defensiv denkende Mannschaften durchsetzen werden. Das Wetter werde auch ein Faktor sein.

Junge: Er sieht die Nationalmannschaft offensiv ausgerichtet. „In der Gruppenphase würde ich mit zwei Stürmern spielen, Havertz (Arsenal London) und Undav (Stuttgart) sind super in Form.“ Die Mannschaft sollte sich - gegen wahrscheinlich mauernde Gegner - mit möglichst vielen Toren Selbstvertrauen holen. Danach sollte das DFB-Team variabel sein und sich Gegnern anpassen.

Zielesniak: Auch er unterscheidet zwischen Gruppenphase und K.o.-Spielen. „Hoch pressen, Ballbesitz und Lösungen finden“, das sei in der Gruppe gefragt. Gegen die Topteams würde er aufs „mittlere Drittel gehen und auf Umschaltmomente setzen“.

„Die Mannschaft kann beides und ich gehe davon aus, dass Nagelsmann sowieso oft die Grundordnung - siehe ausgewogenen Kader - ändern wird“, sagt Wiepenkathens Trainer.

Das sind die Chancen des DFB in den USA

Schweiger: „Der Mannschaft fehlt in der Breite die Weltklasse, das muss sie mit Mentalität ausgleichen, jeder muss ans Maximum gehen - dann ist alles möglich“, sagt der Drochterser Erfolgstrainer.

Sollte das nicht greifen, könnte die Reise schon im Achtelfinale beendet sein, weil da schon Topgegner lauern.

Stobbe: „Ich sehe bei dem aufgeblähten Turnier keine herausstechenden Favoriten. Die Nationalmannschaft muss Spaß haben und eine Euphorie entfachen - dann könnte es überall hingehen“, wünscht sich der VSV-Trainer.

Junge: „Die Mannschaft muss sich in der Gruppenphase Selbstvertrauen holen. Das Halbfinale sollte drin sein, aber ab einem bestimmten Punkt braucht es auch immer das nötige Spielglück“, sagt der Agathenburger Aufstiegstrainer.

Zielesniak: „Die Mannschaft muss den Fokus voll aus Sportliche haben und ihre Pflichtaufgaben lösen. Das Viertelfinale sollte sie mindestens erreichen - und dann ist alles offen und möglich“, so der TSV-Trainer, der mit Wiepenkathen noch das Aufstiegsspiel (13. Juni) sowie das Kreispokalendspiel (20. Juni) hat.

Nach dem deutschen Auftaktspiel am Sonntag gegen den WM-Neuling Curacao wird es einen ersten Eindruck geben, trotz vieler Fragezeichen und Bedenken ist eines sicher: Insgeheim wünschen sich die Fußball-Liebhaber, dass die Nationalmannschaft Lust auf mehr macht.

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