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Handball-Bundesliga

TTrainer-Urgestein glaubt an den BSV und vermisst Dirk Leun

Die enttäuschten BSV-Spielerinnen bedanken sich bei den mitgereisten Fans.

Die enttäuschten BSV-Spielerinnen bedanken sich bei den mitgereisten Fans. Foto: THC/HaJo Steinbach (nomo)

Nach der BSV-Niederlage in Thüringen rückt das Ergebnis in den Hintergrund. THC-Trainer Herbert Müller hat klare Worte - das sagt er über Dirk Leun und Traditionsvereine.

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Von Tim Scholz
Freitag, 16.01.2026, 05:40 Uhr

Buxtehude. Das Spiel ist längst vorbei, die Zuschauer sind gegangen. Doch der Abend in der Salza-Halle ist noch nicht vorbei. In der VIP-Loge sitzen Sponsoren und Gäste an Tischen, hören dem Thüringer Trainer Herbert Müller zu, er spricht über das Spiel gegen Buxtehude, über die angespannte Personallage, über die Strapazen der Europapokalreise nach Ungarn wenige Tage zuvor. Danach gibt es Applaus, bevor sich der 63-Jährige Zeit für das TAGEBLATT nimmt.

THC-Trainer Herbert Müller "vermisst" seinen langjährigen Kollegen und Ex-BSV-Trainer Dirk Leun.

THC-Trainer Herbert Müller "vermisst" seinen langjährigen Kollegen und Ex-BSV-Trainer Dirk Leun. Foto: THC/HaJo Steinbach (nomo)

Sportlich hatte der Thüringer HC das noch sieglose Schlusslicht aus Buxtehude am Mittwoch mit 27:23 (13:12) bezwungen. Ein Pflichtsieg für den Tabellenvierten, erkämpft gegen einen Gegner, der lange dagegenhielt und in der zweiten Halbzeit an der ehemaligen BSV-Torhüterin Laura Kuske verzweifelte.

Mit 13 Paraden war die 24-Jährige einer der entscheidenden Faktoren gegen ihren Ex-Verein - und unterstrich damit einmal mehr, dass sie zu den besten Torhüterinnen der Liga gehört.

Doch das Ergebnis rückte schnell in den Hintergrund

Denn es war ein ungewohnter Anblick: Auf der einen Seite stand Herbert Müller, seit Jahren das Gesicht des THC, und auf der anderen erstmals seit vielen Jahren nicht Dirk Leun. Bereits eine Woche zuvor betonte Blombergs Trainer Steffen Birkner bei der Pressekonferenz, dass es wehtue, nicht mehr neben Leun zu stehen, von dem er in seiner Buxtehuder Zeit viel gelernt hat.

Fast 18 Jahre lang hatte Leun den BSV geprägt, lieferte sich mit Müllers THC denkwürdige Meisterschaftsfinals. Nach der Trennung im November wurde der Däne Nicolaj Andersson sein Nachfolger. „Ja, es war heute ein besonderes Spiel“, sagt Müller. „Dirk ist mein Freund und Kollege. Mir hat die Art und Weise sehr leidgetan.“ Dann bricht er ab. „Ich möchte diese Entscheidung nicht kommentieren. Aber wenn man so lange im Trainergeschäft ist, wünscht man sich, dass solche Dinge gut auseinandergehen. Letztlich vermisse ich ihn.“

Der nun dienstälteste Trainer eckt auch an

Mit der Entlassung von Leun ist Müller - seit 2010 beim THC - nun der dienstälteste Trainer der Frauen-Bundesliga. Eine Rolle, die ihm allerdings wenig bedeutet. „Ich wäre lieber ein paar Jahre jünger“, sagt er und lacht. „Ich liebe diesen Sport. Solange ich die Energie habe, mit jungen Spielerinnen zu arbeiten und sie zu entwickeln, mache ich weiter.“ Dass der THC erneut Spielerinnen an internationale Topclubs verliert, wertet er als Bestätigung, auch wenn es die Arbeit mit begrenztem Budget im „beschaulichen Bad Langensalza“ jedes Jahr schwieriger macht.

Müller ist einer, an dem man sich reiben kann. Emotional, laut, streitbar. Im vergangenen Jahr sorgte er mit einem Ausraster nach einem Spiel für Schlagzeilen, kritisierte später scharf den insolventen Meister aus Ludwigsburg. Gleichzeitig wird er für seine Klarheit und seine Haltung geschätzt. „Letztlich sollte man sich nicht verbiegen“, sagt er. „Wenn man vorneweg marschiert und klar sagt, was man will, dann folgen dir die Spielerinnen.“

Besonders deutlich wird Müller, wenn es um die Situation von Traditionsvereinen geht. Rekordmeister Leverkusen ist vergangene Saison abgestiegen, Buxtehude steht jetzt am Tabellenende. „Das tut richtig weh“, sagt er. „Man sieht, wie oft Vereine an einzelnen Personen hängen. Gehen diese weg, bricht vieles zusammen.“ Müller spielt unter anderem auf Renate Wolf an, die prägende Figur in Leverkusen, und spricht auch aus eigener Erfahrung. „In Nürnberg war es genauso.“ Müller war dort neun Jahre Trainer und „Einzelkämpfer“, wie er sagt, und führte den Verein zu mehreren Titeln. Nach seinem Weggang und der Insolvenz ging es von der Bundesliga direkt in die Bayernliga.

Droht dem BSV ein ähnliches Schicksal?

Müller möchte trotzdem nicht schwarzmalen und glaubt an den BSV: „Buxte wird es hoffentlich weitergeben. Solche Vereine dürfen nicht verschwinden.“

Beim BSV überwog trotz der Niederlage der Stolz. Abwehrspezialistin Lin Lück sagte: „Wir haben unseren Plan größtenteils umgesetzt und das Herz auf der Platte gelassen.“ Trainer Nicolaj Andersson sprach von einer „richtig guten Leistung“ und wertvollen Erfahrungen. „Unser Ziel ist es, für den Abstiegskampf bereit zu sein.“

Trotz abermaliger Niederlage: Die BSV-Fans respektieren die Leistung.

Trotz abermaliger Niederlage: Die BSV-Fans respektieren die Leistung. Foto: THC/HaJo Steinbach (nomo)

Torhüterin Laura Kuske, die im Sommer zum THC zurückgekehrt ist, kennt die Situation in Buxtehude nur zu gut. Sie kämpfte selbst in der Vorsaison mit dem BSV in den Play-downs um den Klassenerhalt. „Das tut mir unglaublich leid“, sagt sie beim Blick auf die Tabelle. „Ich weiß, was für ein Druck auf der Mannschaft liegt.“

Gleichzeitig lobt sie den Auftritt ihres Ex-Teams in Thüringen: kämpferisch, schnell, mutig. „Ich denke, dass sie jetzt in die Spur kommen.“ Kuske ist sich sicher, dass es für den BSV wieder bergauf geht.

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