TTrinkwasserverband Stader Land drosselt Druck – Spülmaschinen fallen aus
Rasensprengen verboten: Das gilt im Bereich des Trinkwasserverbands Stader Land (TWV) aufgrund des hitzebedingten hohen Wasserverbrauchs. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Was am Wochenende aus Duschen und Hähnen kam, war in Teilen des Landkreises eher ein Rinnsal als ein Strahl. Der Trinkwasserverband Stader Land hat die Notbremse gezogen.
Landkreis. Der ungewohnt lasche Wasserdruck fiel am Wochenende vielen Kunden des Trinkwasserverbands Stader Land auf: Geschirrspülmaschinen zeigten Fehlermeldungen, einen Topf mit Nudelwasser zu füllen, dauerte ein paar Minuten. Den Grund dafür nennt Ralf Burghartz, Geschäftsführer des Trinkwasserverbands Stader Land (TWV): Der Druck in den Leitungen wurde bewusst gedrosselt.
Ralf Burghartz, Geschäftsführer des Trinkwasserverbands Stader Land, in der Pumpenhalle des 1959 erbauten Wasserwerks in Dollern. Foto: Vasel
„Der Verbrauch steigt an warmen Wochenenden extrem“, erklärt er. Die Wasserwerke können aber nur eine begrenzte Menge aufbereiten. Wie berichtet, sind es an normalen Tagen etwa 20.000 Kubikmeter. Doch an warmen Tagen steigt der Verbrauch stark: 31.000 Kubikmeter waren es an einem Freitag während der Hitzewelle im Juni.
Nur die gute, alte Gießkanne ist erlaubt - eigentlich
Danach verhängte der Verband ein Bewässerungsverbot: Vom Alten Land bis nach Kehdingen, von Apensen bis Himmelpforten gilt bis auf weiteres: Trinkwasser darf nicht für die Bewässerung von Gärten, Rasenflächen und Grünanlagen, die Befüllung von Pools und Schwimmbecken oder zum Autowaschen verwendet werden. Erlaubt sind nur Handgefäße wie die gute, alte Gießkanne.
Doch daran halten sich viele nicht. Besonders jetzt, wo alle aus den Sommerferien zurückkehren und ihre Gärten in der Sommerhitze ausgedörrt vorfinden, wollen viele plötzlich dringend wässern. „Das ist schon verständlich. Aber wenn die Leute alle den Hahn aufdrehen, laufen bei uns die Behälter leer“, sagt Burghartz. Die Wasserwerke des TWV in Dollern, Himmelpforten und Heinbockel versorgen 136.000 Menschen im Kreis Stade.
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Normalerweise werden die Speicher nachts wieder aufgefüllt. „Wenn die Speicher morgens nicht voll sind, schaffen wir die Versorgung den Tag über nicht“, sagt Burghartz. Die Aufarbeitung könne auch nicht einfach schneller gestellt werden - schließlich muss das Wasser unter anderem einen Sandfilter durchlaufen. „Deshalb haben wir den Druck reduziert.“
Dadurch verringert sich automatisch die Abnahme. Von Wasserknappheit wäre im Landkreis Stade trotz Hitze keine Rede, wenn sich alle an das Bewässerungsverbot halten würden. Die Grundwasserstände seien zwar an ein paar Stellen gesunken, aber laut Burghartz gibt es im Landkreis Stade zum Glück kein Wassermangelproblem.
Wer den Pool füllt, klaut dem Nachbarn Wasser
Mit dem normalen Leitungsdruck wären auch im heißen Sommer alle gut versorgt und Haushaltsgeräte würden einwandfrei laufen. „Aber wenn ich meinen Pool fülle, klaue ich damit meinem Nachbarn das Wasser für die Spülmaschine.“ Wer an einem der weiter entfernten Enden der Leitungen des TWV wohne, bekomme das noch eher zu spüren.
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Die Geräte benötigen in der Regel einen gewissen Mindestwasserdruck, damit das Zulaufventil richtig öffnet, sonst gibt es eine Fehlermeldung. Bleibende Schäden sind dabei eher nicht zu erwarten, erklärt Ulrich Wiegel von Euronics Wiegel, einem alteingesessenen Fachhändler in Buxtehude: „So etwas haben wir ja oft auch aus anderen Gründen. Wenn der Druck wieder da ist, funktioniert in der Regel alles wieder.“

Wenn der Wasserdruck zu niedrig wird, kann die Spülmaschine ausfallen. Sie benötigt einen Mindestdruck, damit das Zulaufventil richtig öffnet. Foto: Richter
Verstöße gegen das Beregnungs- und Bewässerungsverbot können mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen und Bußgeldern geahndet werden - im Einzelfall bis zu 50.000 Euro. Doch die Kontrolle fällt schwer. Burghartz appelliert lieber an Gemeinsinn und Vernunft: Gärten sollten in der Regel ohnehin am besten aus der Regentonne bewässert werden. Der Pool kann auch im März oder April schon befüllt und das Wasser mit Chlor und Pumpe die ganze Saison über genutzt werden.
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Im Zeichen des Klimawandels nehmen die Hitzetage und damit auch der Bedarf zu. Aktuell stellen die Wasserwerke des TWV jährlich rund 7,3 Millionen Kubikmeter Trinkwasser zur Verfügung. Durchschnittlich benutzt jeder Einwohner des TWV-Gebiets täglich 153 Liter. Das neue Wasserwerk in Dollern, das der TWV zurzeit direkt neben dem alten Wasserwerk für fast 30 Millionen Euro baut, wird ab 2029 mehr schaffen - aber nicht unbegrenzt viel.
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