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Bürgermeisterwahl

TTristan Jorde: Ein Linker will Stades nächster Bürgermeister werden

Tristan Jorde will in Stade Bürgermeister werden.

Tristan Jorde will in Stade Bürgermeister werden. Foto: Linke

Seine Kandidatur kam überraschend. Tristan Jorde sitzt für die Linken im Rat der Stadt. Jetzt will er Stades Bürgermeister werden. Im TAGEBLATT-Interview äußert er sich gewohnt provokant dazu.

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Von Lars Strüning
22.07.2026, 12:20 Uhr

Moin, Herr Jorde, was hat Sie denn geritten, für das Amt des Bürgermeisters in Stade zu kandidieren?

Ich habe in der Arbeit, die ich bisher getan habe im Rat, das Gefühl gehabt, dass in der Stadt einiges zu gestalten ist. Als sich die ersten Kandidaten gemeldet haben, war ich von ihnen nicht hellauf begeistert.

Ich hätte mich sehr gefreut, wenn es eine Frau geschafft hätte. Das wäre mir wichtig gewesen. Deshalb habe ich auch lange zugewartet. Es gab auch Gespräche bei den Linken, die haben sich leider zerschlagen. Und dann habe ich mir gedacht, na gut, also dann muss man was tun, weil ich nicht wollte, dass sozusagen die beiden großen Kandidaten das einzige Angebot bleiben.

Sehen Sie denn überhaupt Erfolgschancen für das Amt jetzt bei der Kommunalwahl?

Na, auf jeden Fall mal denke ich mir, kann man einen Teil der bestehenden Unzufriedenheit auf einer Ebene kanalisieren, wo es anständig bleibt und menschlich bleibt und in Ordnung bleibt. Und wer weiß, wenn sich die Bundes- und die Landesregierung noch ordentlich anstrengen, ist ja vielleicht auch eine Überraschung möglich.

Sie sind als Umweltingenieur bei der Verbraucherberatung beschäftigt, aber auch Schauspieler mit einer zweiten Ausbildung. Wie viel Schauspiel steckt denn in Ihren Ratsauftritten?

Schauspiel ist immer hilfreich. Ich wäre dafür, dass das ein Pflichtfach in der Schule wird, nicht weil alle Schauspieler werden sollen oder Schauspielerinnen, sondern weil es darum geht, die eigene Position zu artikulieren, klar zu sprechen, emotional dabei zu sein. Auch das ist wichtig, sonst wird es blutleer. Und versuchen, die Dinge auf den Punkt zu bringen, da hilft Schauspiel. Das ist dabei, auf jeden Fall.

Gefallen Sie sich in der Rolle des Enfant terrible im Rat?

Ich würde sagen, ich bin da hineingeraten. Es war am Anfang gar nicht so. Also, am Anfang war sehr stark der Versuch, es sozusagen auf der Vernunftebene abzuhandeln. Heißt, dass wir Anträge gestellt haben, von denen wir vermutet haben, da müssen eigentlich alle zustimmen. Da kam aber dann, das war für mich sehr überraschend, nicht einfach eine sachliche andere Position, sondern es kam ein wilder Angriff, quasi so, was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind, und so was macht man doch nicht.

Da war ich erstaunt, weil die waren ja nicht unanständig, diese Anträge. Und dann hat sich das verschärft. Jetzt ist es ja quasi kategorisch, dass alles, was von uns kommt, abgelehnt wird; mit ganz wenigen Ausnahmen. Und damit ist man automatisch in dieser Ecke. Aber das halte ich aus.

Was dürfen wir denn noch von Ihnen im Wahlkampf erwarten? Weil, noch ist es ja relativ übersichtlich, Ihr Angebot.

Also, im Wahlkampf werde ich nichts anderes machen, als das darstellen, was wir schon im Rat getan haben. Warum wir glauben, dass wir es besser machen können als die anderen. Warum wir glauben, dass es Stade ganz gut täte, frischen Wind zu spüren.

Aus der Stader Politik

Und nicht diese eingefahrenen Strukturen, die da irgendwo im Hintergrund alles ausmachen im Rat; alle gleichzeitig die Hand heben, und dann ist es so und es kann nie anders sein. Da sehe ich schon andere Wege für Stade.

Mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten dürfen wir rechnen?

Also, kurz zusammengefasst ist es eine sozialverträgliche Stadt, die sich um die ärmeren Menschen kümmert, eine ökologisch verträgliche Stadt, die versucht, die Auswirkungen der Zivilisation beherrschbar zu halten; für alle eine lebenswerte Stadt.

Und der dritte Punkt ist sicher ein menschenfreundliches Stade, dass wir weder in keiner Richtung Menschen ausgrenzen, noch dass wir sagen, mit denen reden wir nicht, sozusagen ein den Menschen sehr zugewandtes Stade.

Also ein klares Plädoyer zum Beispiel für den Ankerplatz?

Ein klares Plädoyer mittlerweile für den Ankerplatz, der hat ja einige Geburtswehen gehabt. Ich bin ja nach wie vor der Meinung, dass Hauptwehwehchen des Ankerplatzes ist, dass es dort keinen Schatten gibt. Man hält sich dort einfach nicht gern auf, weder bei Regen noch bei prallem Sonnenschein.

Wo geht's lang auf dem Ankerplatz?

Wo geht's lang auf dem Ankerplatz? Foto: Strüning

Dann ist leider diese Anfangsidee verloren gegangen, die ja mal hieß, wir haben hier Containerstandorte und die werden vielleicht sogar umgebaut regelmäßig im Halbjahrestakt und dann machen wir eine wechselnde Stadtlandschaft. Da hat sofort die Verwaltung abgewunken und gesagt, haben wir kein Geld, machen wir nicht. Damit ist es jetzt quasi ein Containerstrand. Aber nun gibt es da eine ganze Reihe junger Menschen, die in der Stadt angedockt sind und sich da mit viel Initiative und Dialog einbringen.

Geben wir mal davon aus, Sie werden tatsächlich Bürgermeister. Was machen Sie als Erstes?

Auf einen Teil meines Einkommens als Bürgermeister verzichten, um damit einen kleinen Hilfsfonds für soziale Angelegenheiten von Menschen in Not zu dotieren. Die Idee dazu stammt aus Graz.

Sie sind hörbar Zugereister, kommen aus Wien. Was gefällt Ihnen an der kleinen Stadt im Norden?

Ich habe mir nie vorstellen können, in einer Kleinstadt zu leben. Was ich jetzt wirklich genieße, ist, dass es abends ruhig wird. Das ist total schön. Ich genieße tatsächlich auch einen Spaziergang über den Wochenmarkt mit den direkten Einkaufsmöglichkeiten und natürlich den bereits resultierten persönlichen Bekanntschaften dort. Das ist sozusagen das Asset der Kleinstadt.

Was sicherlich auch schön ist: Ich bin ein leidenschaftlicher Jogger und Fahrradfahrer. 100 Meter raus und ich bin im Grünen. Das genieße ich sehr.

Aber die Radwege in Stade genießen Sie sicher nicht...

Nein. Da gibt es sehr viel Luft nach oben, auch wenn sich die Stadt als fahrradfreundliche Gemeinde schmückt. Da gibt es ganz viel, was es zu verbessern gibt.

Was an der Stadt stört Sie?

Bei Politik und Verwaltung ist es der Hang zu wuchtigen Großprojekten, die man nicht ganz handeln kann, die man aber gerne hätte.

Haben Sie Beispiele?

Ja, der Surfpark oder das LNG-Terminal. Auch zum Beispiel der Bildungscampus in Riensförde, der ist ja an sich etwas Sinnvolles. Er ist allerdings zu weit in die Pampa gesetzt worden. Da gibt es jetzt ganz viele Probleme, den irgendwie anzubinden mit dem Rest der Stadt. Und gleichzeitig hat er viele Schulden produziert. Da hätte man sich überlegen können, ob es dezentralere Lösungen gibt mit weniger Kapitalaufwand, näher in der Stadt, weniger Transport.

So soll der Surfpark in Stade aussehen.

So soll der Surfpark in Stade aussehen. Foto: Surfgarten

Ein bisschen hat Stade die Neigung, sich mit Titeln zu schmücken und das dann nicht ganz mit Substanz zu hinterfüttern.

Zum Beispiel?

Fahrradfreundliche Stadt wäre wie gesagt so eine Geschichte oder die immer wieder genannte Schwammstadt. Dabei ist die Verwaltung nie so schnell wie beim Umschneiden von Bäumen. Das ist leider so, und zwar bei alten Bäumen. Die Schnelligkeit, mit der das passiert, da sehe ich so eine gewisse Freude dran, dass das Ding endlich weg ist. Und das widerspricht wiederum dem von ihnen selbst propagierten Schwammstadt-Prinzip zum Beispiel.

Letzte Frage. Nutzen Sie die Kandidatur für den Bürgermeister auch als Wahlkampfhilfe für die Kommunalwahl und für Ihre Person im Speziellen?

Das wird sich vermutlich automatisch ergeben, weil aufgrund der Bekanntheit im Wahlkampf wird es eine Wechselwirkung geben. Die Hauptintention ist, hier ein attraktives Angebot zu machen für die Stadt, als Bürgermeister. Und wenn es gelingt, eine größere Protestgruppe zu versammeln oder eine Gruppe, die sich denkt, ja, ökologisch, sozial, menschenfreundlich, das klingt gut für mich, dann ist das erfreulich und ein Erfolg; unabhängig davon, ob ich Bürgermeister werde oder nicht.

Zur Person: Das ist Tristan Jorde

Tristan Jorde wurde 1966 in Wien geboren. 2017 ist er aus privaten Gründen nach Stade gezogen. Dem Stadtrat Stade gehört Jorde seit 2021 an, er ist parteilos, aber Vorsitzender der zweiköpfigen Fraktion Die Linke. Er hat Umwelttechnik studiert und eine zweite Ausbildung zum Schauspieler absolviert. Jorde arbeitet als Abteilungsleiter für Energie, Klima und Umwelt bei der Verbraucherzentrale in Hamburg und ist dort Vorsitzender des Betriebsrates.

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