TTrotz Bruchlandung in Stade: Buxtehuder Studierende tüfteln weiter
Noch ist das Modell intakt: Pilot Timur Becker, Simon Jakobs, Malte Schwarze, Lucca Krucoski und Jannis Nettersheim warten auf Windstille. Foto: Felsch
Erster Flugversuch und dann das: Eine Windböe lässt den Flieger abstürzen. Die Erbauer des Modells sind Studenten der Hochschule 21 - und die lassen sich nicht entmutigen.
Stade. Jannis Nettersheim und sieben seiner Kommilitonen der Hochschule 21 in Buxtehude, die derzeit ein Duales Studium absolvieren und dafür bei Airbus arbeiten, stehen am Sonnabendnachmittag auf dem Modellflugplatz in Ottenbeck, um ihr „Flugzeug“ zu testen.
„Unser Ausbilder hatte die Idee, dass wir doch im Juni an einem internationalen Wettbewerb in England teilnehmen sollten.“ Die British Model Flying Association (BMFA), das nationale Regierungsorgan des Vereinigten Königreichs für den Sport Modellflugzeugfliegen, hat diese Competition einst ins Leben gerufen, um das Interesse an Luftfahrt und Ingenieurwesen durch Bildung zu steigern.
Wettbewerb in England
Bei der BMFA-Payload Challenge 2026 geht es darum, ein lasttragendes, flugfähiges Modellflugzeug zu entwerfen, das so leicht wie möglich ist. Mehrere Runden sind angesetzt, mit und ohne Gewichte. „Unser Modell fliegt einmal ohne, dann mit zwei und danach mit vier Kilo“, erklärt Jannis Nettersheim. Aber jetzt fliegt es erstmal gar nicht, sondern liegt mit einer durchgebrochenen Tragfläche auf der Wiese des Modell-Flugplatzes in Stade.

Vor dem Start: Pilot Timur Becker mit dem „noch intakten“ Leichtbauflugzeugmodell. Foto: Felsch
20 Stunden Bastelarbeit in weniger als zwei Minuten vernichtet. „Leichter Wind ist gut, aber nicht die unterschiedlich starken Böen“, erklärt „Pilot“ Timur Becker, von Beruf Flugzeugbauingenieur und in seiner Freizeit begeisterter Modellbauer. Ihn haben die Studenten extra angeheuert für den Test, der leider zunächst schief geht.

Mit Tapeband wird der kaputte Flügel gerichtet. Foto: Felsch
Aber Becker weiß Rat. Der Experte repariert in der Werkstatt den kaputten Flügel mit Klebeband. Gut getapt geht es zurück auf den Rasen. Windstille abwarten und erneuter Versuch. Diesmal mit einem schmalen Seil zum Ziehen, das an dem Modellflieger befestigt wurde. Aber auch das hilft nichts.
Totalcrash beim zweiten Versuch
Das Modellflugzeug bestehend aus extrem leichtem Balsaholz sowie Depron - ein Styropor ähnliches Material, das sich leicht formen lässt - und mit Rädern aus Styropor - schafft es wieder nicht, in der Luft zu bleiben. Die nächste Böe bringt es zu Fall, diesmal Totalcrash. Reif für die Mülltonne, zu flicken ist da nichts mehr.
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„Heute bringt das gar nichts, wir können es nochmal probieren, wenn es total windstill ist, dafür müssten wir dann allerdings die Wetter-App im Auge behalten und uns kurzfristig hier verabreden“, sagt Becker und gibt den jungen Leuten Tipps für den „Neubau“.
Neuer Test mit Fernsteuerung
Besser sei es, den neuen Test mit Fernsteuerung vorzunehmen. „Ohne Technik ist das unnütz.“ Becker rät, Servos (kleine Elektromotoren) in der Mitte der Tragflächen anzubringen, so dass der Flieger, wie bei allen Modellflugzeugen vom Boden aus korrigiert werden kann. „Macht euch Bilder von den hier vorhandenen Modellen um die Bauweise zu sehen“, so der Fachmann.

Fachsimpeln nach dem Totalcrash. Foto: Felsch
Die Zeit ist knapp. Anfang Mai muss der Design-Report in dem alle Details zur Konstruktion genannt werden, zum Beispiel, welches Material verwendet wurde und warum, bei der BMFA vorliegen. Für das Modellflugzeug, mit dem die Buxtehuder Studenten im Juni in England an den Start gehen wollen, haben sie vor, Carbon zu verwenden, was es stabiler macht.
Sponsoren gesucht
Also nochmal Freizeit investieren - aber es mache Spaß, meint Lucca Krucoski. „Wir haben auf alle Fälle was gelernt, nicht wie man einen neuen Flugzeugtyp entwickelt sondern wie man koordiniert - Projektmanagement als Vorbereitung für den späteren Job“, ergänzt Jannis Nettersheim. Er und seine Mitstreiter sowie der Pilot, freuen sich schon auf den Wettbewerb in England.
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Die Kosten des Projekts - für das sie noch Sponsoren suchen - liegen bei etwa 8000 Euro, davon sind 3000 Euro für Technik und Materialien gerechnet und etwa 5000 Euro für die Reise und Unterkunft. Für die Sponsoren besteht die Möglichkeit, ihr Logo gut sichtbar auf dem Flugzeug zu platzieren. Zusätzlich können sie in Projektunterlagen, Präsentationen und im redaktionellen Umfeld als Unterstützer genannt werden.
„Das Projekt bietet einen direkten Bezug zur Nachwuchsförderung im Ingenieurbereich. Sponsoren unterstützen damit die praktische Ausbildung von Studierenden und ein reales Entwicklungsprojekt mit Wettbewerbsteilnahme in England“, sagt Jannis Nettersheim. Er steht als Ansprechpartner unter Jannis.nettersheim@gmail.com zur Verfügung.

Zweiter Startversuch. Foto: Felsch
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