TÜberraschung: Die zitronengelbe Goldammer singt gerne im Dialekt
Die zitronengelbe Goldammer singt sie fast das ganze Jahr hindurch. Foto: Schaffhäuser
Manche Vögel singen nur am frühen Morgen. Andere schmettern fast den ganzen Tag. Neben den Männchen trällern auch die Weibchen. Biologen konnten sogar Dialekte feststellen.
Landkreis. Nach der lang andauernden Stille im tristen Winter ertönt nun der Vogelgesang. Durch Rufen, Flöten oder Zwitschern kennzeichnen und verteidigen die Männchen ihr Revier, machen Weibchen auf sich aufmerksam.
Bei manchen Vögeln, wie dem Baumläufer, ist der Gesang zurückhaltend leise. Dem Zaunkönig wiederum kann es nicht laut genug sein. Lange Zeit hieß es, dass nur die Männchen singen. Doch bei etwa 50 Prozent der Vogelarten können es die Weibchen auch. Bei Amseln und Rotkehlchen singen Männchen und Weibchen. Deren Gesangsstrophen sind aber kürzer und sie singen deutlich seltener.
Früher Vogel fängt den Wurm
Zugleich sind Rotkehlchen und Amseln wahre Frühaufsteher. Das lohnt sich: Denn sie suchen nach Würmern, die sie zu dieser Uhrzeit an der feuchten Bodenoberfläche leicht finden. Ihre relativ großen Augen helfen ihnen dabei. Dann erst folgen Kohlmeise oder Zaunkönig. Sie können bei den tieferen Temperaturen am frühen Morgen die noch trägen Insekten leicht erbeuten.
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Als Faustregel kann helfen: Frühaufsteher und Wurmfresser haben etwas größere, Spätaufsteher eher kleinere Augen. Zu Langschläfern gehören Samenfresser wie Buchfink, Grünfink oder Spatz.
Die zitronengelbe Goldammer jedoch verhält sich anders. Während die meisten Vogelmännchen nach dem Weibchen-Beeindrucken und Brüten im Hochsommer ihren Gesang einstellen, singt sie fast das ganze Jahr hindurch.
Die Goldammer variiert ihren Gesang
Gern sitzt sie hoch oben in Sträuchern und Bäumen. Die Goldammer-Melodie geht etwa so: „Wie, wie, wie hab ich dich lieb.“ Doch Bioakustiker - Biologen, die sich mit Tierlauten beschäftigen - hörten genauer hin. Sie stellten fest, dass der Gesang der Goldammern variieren kann.
Besonders der erste Teil der Gesangsstrophe ist bei Goldammermännchen oft anders: Mal ist er kratzend, mal helltönend oder langsam schleppend. Es kommt auch vor, dass manche Männchen die Abstände zwischen den Lauten verändern. Kurzum: Bei Auswertung vieler Gesänge ergab sich, dass jede Goldammer bestimmte Gesangseigenschaften besitzt.
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Die Überraschung war noch größer, als die Wissenschaftler die Gesänge der Goldammern aus verschiedenen Regionen Deutschlands und Europas verglichen: Es gibt typisch englisch und deutsch, ja sogar typisch sächsisch und norddeutsch singende Goldammern. Und es gibt Hinweise, dass manche Weibchen Männchen mit einem bestimmten Dialekt ihr Leben lang bevorzugen. Einmal ein Norddeutscher immer ein Norddeutscher. Sind die Vorlieben der Weibchen und die Sangeskunst der Männchen genetisch festgelegt oder angeboren? Das ist noch nicht genau geklärt.
Ursprünglich ein wärmeliebender Steppenvogel
Und noch eine Besonderheit bei der Goldammer: Sie singt auch tagsüber in größter Sommerhitze, wenn andere Vögel sich lieber ausruhen. Sie kann das, denn sie war ursprünglich ein wärmeliebender Steppenvogel. Mit der Entwicklung einer entwaldeten und mit Feldhecken versehenen Kulturlandschaft wurde sie bei uns häufiger.
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Mit dem Verlauf der Industrialisierung unserer strauchlosen Agrarlandschaft nahm ihr Bestand ab. Wird unsere Landschaft aber weiterhin mehr ökologisch bewirtschaftet, dann könnte, so vermuten es Ornithologen, dieser Vogel vielleicht wieder etwas häufiger werden. Das stimmt hoffnungsfroh.
Serie und Buch
Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.
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