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Zugabe

TUmstrittener Auftritt und eine miese Drohung gegen einen Journalisten

Anthony-Robert Lee trat Anfang Januar beim Besamungs- und Rindviehzuchtverein Land Hadeln auf.

Anthony-Robert Lee trat Anfang Januar beim Besamungs- und Rindviehzuchtverein Land Hadeln auf. Foto: Larschow

Eine Jahreshauptversammlung schlägt im Landkreis Cuxhaven hohe Wellen. Mittendrin: Rinderzüchter, ein umstrittener Influencer und Kollegen der TAGEBLATT-Redaktion.

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Von Mario Battmer
Sonntag, 01.02.2026, 14:50 Uhr

Landkreis. In dieser „Zugabe“ schauen wir über den TAGEBLATT-Tellerrand beziehungsweise über die Oste zu unseren Kollegen der „Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung (CN/NEZ)“. Denn dort ging es hoch her.

Anthony Robert Lee spricht als Gastredner

Meist verlaufen Jahreshauptversammlungen ja relativ unspektakulär: Wahlen, Berichte - selten etwas, das wirklich überrascht. Doch der Besamungs- und Rindviehzuchtverein Land Hadeln hatte für seine Versammlung in Cadenberge mit Anthony Robert Lee einen höchst umstrittenen Gastredner eingeladen. Die Kollegen aus dem Nachbarkreis berichteten mehrfach, ausführlich und journalistisch sauber über die Veranstaltung.

Wer ist Anthony Lee? Bis Juni 2024 war der Landwirt Bundessprecher der Bauernprotestbewegung „Landwirtschaft verbindet Deutschland“ (LSV). Im März 2023 sollte er für die AfD in der Fernsicht Grünendeich einen Vortrag zum Thema „Ernährungssicherheit versus EU-Verordnungen“ halten, sagte aber wieder ab.

Auf seinem YouTube-Kanal (240.000 Abonnenten) macht er mit Verschwörungstheorien auf sich aufmerksam. Klimawandel sei nicht menschengemacht, Medien würden nicht korrekt berichten. Auch in Cadenberge haute er eine populistische Phrase nach der anderen raus.

Verein hätte sich Berichterstattung nur über die Versammlung gewünscht

Lee bekam im Saal durchaus Applaus. Der Auftritt löste durch die Berichterstattung allerdings auch breite Kritik aus. Der Verein verteidigte die Einladung gegenüber den Kollegen: „Im Vortrag hat Herr Lee die Sorgen und Nöte der Landwirte treffend angesprochen. Dass er aber auch auf andere Themen eingegangen ist, war so nicht abgesprochen und liegt im eigenen Ermessen von Herrn Lee und nicht in unserem.“

Darüber hinaus betonte der Verein, dass er sich ganz klar vom Rechtspopulismus distanziere - kritisierte allerdings auch, dass es „schließlich um die Berichterstattung der Jahreshauptversammlung unseres Vereins gehen sollte“ und anscheinend nicht um die mindestens streitbaren Aussagen des Redners, dem der Verein eine Bühne von mehr als 200 Zuhörern bot. So einfach kann man es sich zurechtdrehen.

„Umerzieher“ versprechen dem Redakteur ein Bad im Güllebecken

Dass diese Berichterstattung Kritik auslösen würde, haben die Kollegen natürlich erwartet. Der scharf formulierte Brief eines namentlich bekannten Landwirts („Ihr Schreiberlinge seid so ein verlogenes Saupack“) wünschte der CN/NEZ-Redaktion schon alles Schlechte, inklusive mindestens vier Wochen Hungersnot. Doch es war ein anderes Schreiben, das eine rote Linie überschritt.

Die „Umerzieher“ sprechen in einem anonymen Brief den Kollegen direkt mit Namen an, bezeichnen ihn als „Hetzer“. Dann folgt wörtlich: „Und wir Bauern werden Sie auch auf unsere Art und Weise belangen: Auf Sie wartet zu gegebener Zeit ein schönes Freibad in einem abseits gelegenen Güllebecken. Wir nennen das Umerziehung.“

Wir nennen das einen wirklich widerlichen Angriff auf die freie Presse.

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