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Naturphänomen

TUnter Wasser wird er zum Torpedo: Warum der Kormoran ein Meisterjäger ist

Ein "tiefliegender" Kormoran im Wasser.

Ein "tiefliegender" Kormoran im Wasser. Foto: REINHARD PAULIN

Sie sind effiziente Jäger und leben auf und im Wasser: Kormorane nutzen beim Tauchen den Flügelantrieb - und sehen fast wie ein Torpedo aus.

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Von Grit Klempow
Dienstag, 03.02.2026, 14:36 Uhr

Landkreis. Sie sitzen fast unbeweglich auf einer Mole oder einem Dalben im Hafen. Die Flügel sind weit vom Körper abgespreizt. Es scheint, als seien die Kormorane erschöpft und müssten sich von der alltäglichen Arbeit erholen.

Kormorane sind sehr elegante Fischjäger. Die Jagd nach Nahrung ist so effektiv, dass sie beim Tauchen und Fischen viel weniger Energie als beim Fliegen benötigen.

Federkleid saugt Wasser auf

Zum Leben auf und im Wasser bringen Kormorane beste Voraussetzungen mit: Im Gegensatz zu Enten oder Blesshühnern haben sie ein anderes Gefieder. Denn an ihm perlt das Wasser nicht ab, sondern es saugt teilweise Wasser auf. Damit wird beim Abtauchen wenig Kraft benötigt.

Hinzu kommt, dass ihre Röhrenknochen mit weniger Luft gefüllt sind als bei landlebenden Vögeln. Das macht den Vogelkörper schwerer. So liegen Kormorane vor dem Tauchgang beim Schwimmen extrem flach auf dem Wasser. Diese Schwimmlage macht es möglich, dass sie ohne großen Aufwand und fast ansatzlos abtauchen können.

Kormoran auf Tauchgang in 16 Metern Tiefe

Dauer des Tauchgangs: problemlos eine Minute. Tauchtiefe: leicht drei Meter, wenn es sein muss bis 16 Meter. Filmaufnahmen zeigen, dass Kormorane unter Wasser ihre wahren Fähigkeiten an den Tag legen. Zum Antrieb werden die Flügel wie Ruder genutzt. Legen sie die Flügel an, gleichen die Vögel unter Wasser einem Torpedo.

Hinten am Körper sorgen die kräftigen Beine und Füße mit Schwimmhäuten für zusätzlichen Schub. Die Steuerung erledigt der bewegliche Schwanz. Außerdem sind sie durch den sehr langen, biegsamen Köper sehr wendig. Die hohe Geschwindigkeit unter Wasser macht Kormorane zu guten Fischjägern.

Schnabel packt die Fische an den Kiemen

Die großen Augen dienen zum Anpeilen der Beute. Und dann greifen sie zu und nehmen alles, was vor den Schnabel kommt. Fische zwischen zehn und 20 Zentimetern sind beliebt. Der lange Schnabel mit dem spitzen Haken ist gut geeignet, den glatten Fisch festzuhalten.

Häufig packen Kormorane den Fisch am Kopfende im Bereich der Kiemen. Hier ist der Fisch griffiger. Ist das erledigt, tauchen sie auf und verschlingen den Fisch. Fangquote: etwa 300 Gramm Fisch pro Tag.

Stehplätze am Hamburger Hafen

Trotz seiner Perfektion als Meisterfischer sind nur etwa 30 Prozent der Tauchgänge erfolgreich. Nach etlichen Arbeitsgängen tritt Ruhe ein. Kormorane suchen günstige Stehplätze auf und lassen das Wasser aus dem Gefieder ablaufen. Das ist im Hamburger Hafen gut zu beobachten.

Statuen gleich stehen sie unbeweglich da. Ist es kalt, sinkt ihre Körpertemperatur vorübergehend um drei Grad ab. Dass auch die Unterelbe bei Kormoranen beliebt ist, muss überraschen. Dann das braune Elbwasser ist eine sehr trübe Brühe, die Sicht unter Wasser geht gegen Null.

Sie können auch im Trüben fischen

Wie schaffen sie es also, sich unter Wasser an den keinesfalls häufigen Brassen, Plötzen oder Stinten so zu bedienen, dass sie davon leben können? Soweit bekannt, haben Kormorane außer den Augen keine weiteren Sinnesorgane, die dabei helfen könnten. Der Schnabel jedoch ist sehr empfindlich gegenüber Druckveränderungen. Könnte das zusätzlich helfen, die Bewegungen von Fischen wahrzunehmen und sie aufzuspüren? Man weiß es nicht.

Kormorane wurden früher gnadenlos verfolgt und brachten ihn an den Rand des Aussterbens. Nun ist er wieder da. Die Diskussion über den „Unglücksvogel“ und „Fischdieb“ kann auch heute noch hochkochen.

Buch und Serie

Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte und in Jahreszeiten gegliederte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.

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