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Polizeiarbeit

TVerbrechern auf der Spur: Der Phantomzeichner

Phantomzeichner Addick Dase karikiert bei der Suche nach unbekannten Personen die wesentlichen Merkmale, um den Wiedererkennungswert zu erhöhen.

Phantomzeichner Addick Dase karikiert bei der Suche nach unbekannten Personen die wesentlichen Merkmale, um den Wiedererkennungswert zu erhöhen. Foto: Krabbenhoeft

Aus Worten wird ein Gesicht: Addick Dase zeichnete für die Polizei in Bremerhaven 20 Jahre lang Phantombilder. Warum diese oftmals wie eine Karikatur aussehen - mit Absicht.

Von Sabrina Krabbenhoeft Sonntag, 14.06.2026, 08:55 Uhr

Nordenham. Der Zeichner beginnt mit der Nase, es folgen Brille und Frisur. Nach nur 20 Minuten ist das Gesicht einer Frau entstanden - sie scheint ein wenig zu schielen. „Du hast zur Seite gesehen, dadurch ist der Abstand der Augen verkürzt“, sagt er.

Addick Dase war rund 20 Jahre Phantomzeichner bei der Bremerhavener Polizeistation Nord im Stadtteil Lehe. Das heißt, eigentlich war er Drogenfahnder. Bis Ende der 90er führt ein Schaufensterdekorateur von Karstadt die Zeichnungen zur Ermittlung vermisster Personen oder unbekannter Straftäter durch.

Dann greift die Stadt für ein entsprechendes Computerprogramm tief in die Tasche und die Polizeidienststelle schreibt zwei Stellen aus. Der Blexer bekommt eine davon und übernimmt die neue Aufgabe nebenberuflich. Doch in Bremerhaven gibt es nur wenige Fälle, die seine Kunst benötigen. Gelegentlich hilft er deswegen bei der niedersächsischen Polizei aus. Nach wenigen Jahren wird das Programm wieder eingestampft. Addick Dase bleibt und zeichnet fortan Verdächtige mit dem Bleistift.

Karikatur birgt höheren Wiedererkennungswert

Bei ihren Ermittlungen ist die Polizei auf mögliche Hinweise angewiesen, um die Person zu finden. „Zeugen sind wertvoll, aber ihre Erinnerungen oft lückenhaft“, sagt er. Die Beamten müssen sich an ein Bild herantasten: Würde man den Täter wiedererkennen? Wenn das bejaht wird, werden dem Zeugen entweder Fotos von bekannten Tätern gezeigt oder ein Phantombild angefertigt.

Der Vorteil der Zeichnung ist die schrittweise Annäherung an ein Gesicht. „Der Beobachter einer Tat hat oft nur Sekunden, um das Geschehen einzuschätzen. Vielleicht hat er in dem Moment gar nicht die Brisanz wahrgenommen und kann sich nicht an viele Details erinnern. Wir konzentrieren uns daher auf herausragende Merkmale“, erläutert Addick Dase. Es entsteht eine Karikatur des Gesuchten. Die Überspitzung erhöht den Wiedererkennungsfaktor.

Sechsjähriger überführt Sexualstraftäter durch Beschreibung

„Ein kleiner Junge hat mich besonders beeindruckt“, erinnert er sich. Der Sechsjährige wird von einem Mann angesprochen, der, wie sich später herausstellt, mehrere Kinder missbraucht hat. Der Täter habe strubbelige Haare und einen Ziegenbart, sagt der Kleine. Außerdem habe er einen silbernen Wagen mit einem Stern gefahren. Das Phantombild kommt in die Zeitung. Die Polizei engt den Kreis der Verdächtigen auf zwölf Besitzer einer silbernen Mercedes-A-Klasse ein. Nahezu zeitgleich melden sich mehrere Bürger, die glauben, den Mann erkannt zu haben. Innerhalb kürzester Zeit wird er gefasst.

Ein anderes Beispiel zeigt, wie Menschen sich irren können und das Gehirn blinde Flecken mit gespeicherten Stereotypen auffüllt. Die Zeugin hatte einen Mann mit schwarzer Hautfarbe, dicken Lippen und breiter Nase beschrieben. Auf Kameraaufnahmen sehen die Beamten, dass der Täter eine Maske im unteren Bereich des Gesichtes trägt.

Aus alten Fotos wird das Gesicht der Zukunft berechnet

Um bei der Entwicklung der Ermittlerarbeit auf dem Laufenden zu bleiben, besucht Addick Dase während seines Berufslebens alle drei Jahre das Treffen der Phantomzeichner in Deutschland. Einige von ihnen bearbeiten Fälle von lange vermissten Personen.

Anhand vorhandener Fotos wird bei der Rekonstruktion die Veränderung der Gesichtszüge über die Jahre berechnet. Der nachgebaute Schädel wird mithilfe kleiner Stifte mit der angenommenen Gewebedicke für Alter, Geschlecht und Herkunft markiert. Für die Modellage dient eine spezielle Knetmasse oder eine 3D-Software, mit der das Gesicht geformt wird. Heute setzt die Polizei immer stärker auf KI.

Addick Dase hat seine Dienstzeit beendet. Er zeichnet aber weiterhin gern Porträts. Es fasziniert ihn, wie aus einem weißen Blatt Papier etwas Neues entsteht.

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