TVerkehrschaos in Ketzendorf: Anwohner kämpfen gegen Lkw-Lawine
Lkw dürfen die K84 in Ketzendorf und Ovelgönne nicht benutzen - außer sie sind Anlieger. Foto: Weil
Anwohner kämpfen in Ketzendorf gegen Lkw und Tempoverstöße. Die Situation spitzt sich seit der B73-Sperrung zu: Sie berichten von gefährlichen Situationen und Schäden.
Buxtehude. Bei Jessica Marbes klirrt das Geschirr im Schrank, wenn wenige Meter vor ihrem Haus große Lkw über die schmale Dorfstraße der Buxtehuder Ortschaft Ketzendorf rollen. Sie und die anderen Anwohner der Kreisstraße K84 leiden ohnehin seit Jahren unter hohem Verkehrsaufkommen. Insbesondere seit die A26-Anschlussstelle Neu Wulmstorf geöffnet wurde, wird die Strecke oft genutzt, um den Stau an der Kreuzung B3 / B73 zu umfahren.
Aktuell hat sich die Situation massiv verschärft, denn die B73 ist seit Anfang Mai ab eben dieser Kreuzung mit der B3 in Richtung Hamburg bis zur Einmündung der Straße Hemberg einseitig gesperrt. In diesem Bereich wird die Bushaltestelle barrierefrei umgebaut. Die offizielle Umleitung führt weiträumig über Elstorf, doch nach den Beobachtungen der Anwohner wird die Beschilderung von vielen Fahrern ignoriert.
Anwohner von Fahrern angepöbelt und beleidigt
„Wir erkennen manche Lkw schon am Kennzeichen, weil sie immer wieder hier durchkommen“, berichtet Anwohnerin Uta Zielke. Dabei dürfen Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Gewicht die Strecke gar nicht befahren – tun es aber trotzdem. Einige Nachbarn fotografieren Fahrzeuge, die die Strecke regelwidrig nutzen, und erstatten Anzeige.
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Durch Parken der eigenen Autos auf der Straße haben die Anwohner bereits versucht, den Verkehrsfluss wenigstens auf die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer zu verlangsamen. „Dabei wurden wir von Fahrern beleidigt und angepöbelt. Aber eine andere Möglichkeit, uns zu wehren, haben wir ja nicht“, bedauert Zielke.

Viele Autofahrer halten sich in Ketzendorf nicht an die Geschwindigkeitsvorgabe. Foto: Wisser
Sie und ihr Nachbar Nils Marbes sind nicht nur verärgert über die Einschränkung ihrer Lebensqualität, sondern sorgen sich um die Sicherheit im Ort. Die Straße ist schmal, stellenweise durch Kurven und Bäume schlecht einzusehen und hat keinen adäquaten Gehweg.
Straße ist für Kinder gefährlich
Insbesondere für die Kinder, die morgens die Straße auf dem Weg zum Bus queren müssen, entstehen hierdurch gefährliche Situationen. Viele Eltern begleiten ihre Kinder zum Bus oder bringen sie selbst mit dem Auto zur Schule nach Buxtehude, so wie Jessica Marbes. Sie bedauert es, ihrem Kind so ein Stück Selbstständigkeit nehmen zu müssen.

Das Haus von Nils Marbes in Ketzendorf ist 250 Jahre alt. Er befürchtet Schäden, da immer mehr Lkw durch das Dorf fahren. Foto: Weil
Ihr Vater Nils Marbes, der nebenan wohnt, beobachtet regelmäßig kritische Situationen, bei denen Fahrzeuge in den teilweise bereits stark ausgefahrenen Seitenraum ausweichen. Sein mehr als 250 Jahre altes Fachwerkhaus stehe nur wenige Meter vom Fahrbahnrand entfernt. Es leide unter den Erschütterungen durch den Verkehr. Mit Sorge beobachte er, dass sich Schäden am Mauerwerk ausbreiten und Balken lockern, berichtet Marbes.
Gibt es zu wenig Verkehrskontrollen?
Einig sind sich die Anwohner in ihrer Unzufriedenheit mit dem Agieren der Hansestadt Buxtehude sowie der Polizei. Dringend wünschen sie sich verstärkte Kontrollen sowohl des Lkw-Verbotes als auch des Tempolimits von 30. Dies war vor drei Jahren eingeführt worden, nachdem die Anwohner Politik, Verwaltung und TAGEBLATT eingeschaltet hatten.
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„Am ersten oder zweiten Tag war jemand vom Ordnungsamt hier“, berichtet Uta Zielke. Sie vermute, dass danach niemand mehr vor Ort war, um die Situation in Augenschein zu nehmen. Dem widerspricht Steffen Johannsen, der Leiter der zuständigen Fachgruppe im Stadthaus und damit der Verkehrsbehörde sowie des Ordnungsamtes. Er nennt drei weitere Termine, an denen er selbst oder Kolleginnen vor Ort waren. Johannsen weist darauf hin, dass für Kontrollen die Polizei zuständig sei. Diese werde er erneut kontaktieren und auf verstärkte Präsenz drängen, kündigt er an.
Stadtverwaltung reagiert auf Anwohnerbeschwerden
Außerdem werde das Dialogdisplay, das an der Ortsdurchfahrt vor überhöhter Geschwindigkeit warnen soll, kurzfristig auf die andere Straßenseite umgehängt, so dass Fahrer in Richtung B73 auf ihr Tempo hingewiesen werden. „Wir nehmen die Beschwerden der Anlieger ernst und haben ja auch nach Hinweisen aus der Bevölkerung die Beschilderung an möglichen Schleichwegen angepasst“, sagt Johannsen.
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Bei Ulrich Felgentreu, Grünen-Ratsherr in Buxtehude und Mitglied des Kreistages, hat er damit wenig Erfolg. Felgentreu hatte bereits vor drei Jahren die Ketzendorfer im Kampf für das Tempolimit unterstützt. Er sagt, dass das „Schutzgut Mensch und die Sicherheit aller im Vordergrund stehen sollten“. Der Grüne hätte sich eine durchdachtere Verkehrslenkung gewünscht.
Ortsvorsteherin: Zustände sind unhaltbar
„Die Zustände sind unhaltbar“, sagt Else Behrens, Ortsvorsteherin von Ketzendorf und Ovelgönne sowie CDU-Ratsfrau. Besonders die Lkw seien unzumutbar. Die Verwaltung hätte die K84 zu einer Einbahnstraße aus Richtung B73 machen sollen. Sie beklagt generell, dass sie als Ortsvorsteherin zu selten in solche Vorgänge einbezogen werde.

Mehrere kleinere Straßen an der B3 in Ketzendorf sind für den Durchgangsverkehr gesperrt. Foto: Wisser
Zu den Kontrollen durch die Polizei äußert sich Rainer Bohmbach, Sprecher der Polizei im Landkreis Stade: „Die Buxtehuder Kollegen sind täglich in Ketzendorf vor Ort auf Streife. Es wurde bereits eine hohe zweistellige Zahl von Verstößen aufgenommen und wir haben die Situation sowohl bezüglich der Geschwindigkeit als auch des Durchfahrtsverbots im Blick. Eine höhere Präsenz können wir nicht leisten.“ Einig sind sich alle in der Hoffnung, dass die Baumaßnahme termingerecht abgeschlossen und die Sperrung der B73 aufgehoben werden könne.
Apensener Straße als nächstes betroffen
Für die Ketzendorfer wird es dann ab dem 5. Juni endlich wieder ruhiger in ihrem Dorf. Der Verwaltung ist an der fristgerechten Umsetzung der Maßnahmen gelegen, weil die ausführende Firma auch den barrierefreien Umbau der Bushaltestellen an der Apensener Straße durchführen soll. In der Apensener Straße werden von Dienstag, 2. Juni, bis Dienstag, 30. Juni, Bauarbeiten zur barrierefreien Sanierung der Bushaltestelle Wettloopsweg sowie zur Instandsetzung der Fahrbahn durchgeführt.
Für die Dauer der Arbeiten wird die Fahrbahn halbseitig gesperrt. Der Verkehr wird mit Hilfe einer Baustellenampel geregelt. Die Arbeiten müssen pünktlich Ende Juni abgeschlossen sein, damit die Fördergelder des Landes in Anspruch genommen werden können.
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