Buxtehude

TVerlassener Gasthof an der B73: Geschichte und Zukunft eines Lost Places

Seit sieben Jahren gibt es hier keinen Hotel- oder Restaurantbetrieb mehr.

Seit sieben Jahren gibt es hier keinen Hotel- oder Restaurantbetrieb mehr. Foto: Wisser

Leerstand an der B73 in Buxtehude-Ovelgönne: Für das frühere „Aldags Gasthaus“ stehen Verkauf oder Abriss zur Debatte. Was wird aus dem ehemals beliebten Lokal?

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Von Karsten Wisser
23.06.2026, 10:00 Uhr

Buxtehude. Diesen verlorenen Ort an der B73 in Buxtehude-Ovelgönne kennen viele. Täglich fahren dort mehrere Zehntausend Autos an dem leerstehenden Gebäudekomplex an der Hamburger Chaussee 125 vorbei. Ein Lost Place, den viele kennen. Oft taucht in Gesprächen in Buxtehude die Frage auf: Was soll dort passieren?

Der Eingangsbereich des leerstehenden Gasthauses ist ein relativ neuer Anbau. Die ältesten Gebäudeteile sind über 100Jahre alt.

Der Eingangsbereich des leerstehenden Gasthauses ist ein relativ neuer Anbau. Die ältesten Gebäudeteile sind über 100Jahre alt. Foto: Wisser

Gastronomie gab es dort schon seit 1819. Der damalige Hof ist aber 1911 fast vollständig abgebrannt. Viele Menschen kennen den Betrieb noch als Aldags Gasthaus. Mitte 2019 verschwand das letzte Restaurant. Der damalige letzte Pächter räumte das Restaurant aus und verschwand über Nacht. Er war insolvent.

Der Gebäudekomplex soll verkauft werden

Inzwischen gehört Ralf Steinfeldt der frühere Gastronomiebetrieb. Sein verstorbener Onkel Peter Reese hatte die Immobilie 1998 bei einer Versteigerung gekauft.

Eine historische Aufnahme von Aldags Gasthaus.

Eine historische Aufnahme von Aldags Gasthaus. Foto: Wisser

„Da ich keine gastronomische Erfahrung habe, haben wir uns zu einem Verkauf durchgerungen“, sagt Steinfeldt. Hinzu kommt: Er zog 2002 aus beruflichen Gründen mit seiner Familie nach Bayern. Ihm fehlt die Zeit, sich um die Immobilie zu kümmern. Das 5730 Quadratmeter große Areal wird angeboten.

An der Seite des Gebäudes sind noch Spuren des Hotelbetriebs zu finden.

An der Seite des Gebäudes sind noch Spuren des Hotelbetriebs zu finden. Foto: Wisser

Viele Menschen aus Ovelgönne kennen den Betrieb noch aus seinen Glanzzeiten als Aldags Gasthaus. In dem großen Saal fanden viele Feiern statt. Auch die Schützen waren dort regelmäßig zu Gast. „Ich erinnere mich auch noch genau an die Goldene Hochzeit meiner Großeltern, die wir dort gefeiert haben“, erzählt Steinfeldt.

Mehrere Pächter versuchen sich an Aldags Gasthaus

Nach dem Ende von Aldags Gasthaus erlebte der Betrieb eine wechselvolle Geschichte. Zeitweise hieß er Lindenhof. Ab 2011 waren dort zwei chinesische Restaurants untergebracht. Zuerst das Restaurant Harmonie, dann von 2016 bis 2019 das Restaurant Long Xuan mit chinesischem Büfett, mongolischem Grill und Sushi.

Das Gebäude ist in die Jahre gekommen. Das ist besonders auf der hinteren Seite zu sehen.

Das Gebäude ist in die Jahre gekommen. Das ist besonders auf der hinteren Seite zu sehen. Foto: Wisser

„Seitdem gab es Versuche, die Gastronomie wieder zu eröffnen, die waren aber nicht erfolgreich“, sagt Steinfeldt. Dem Gebäude sieht man inzwischen von außen an, dass dort in den vergangenen sieben Jahren wenig passiert ist. Im vergangenen Jahr kamen auch noch Kupferdiebe und bauten die Dachrinnen ab.

„Dank eines aufmerksamen Nachbarn wurde der Diebstahl unterbrochen und die Täter später gestellt, aber die Rohre waren alle verdreht und zerbrochen“, erzählt Steinfeldt. Zu gebrauchen waren sie nicht mehr.

Der große Tanzsaal ist modernisiert worden

Im Inneren wurde in den vergangenen Jahren jedoch unbemerkt von der Öffentlichkeit gearbeitet. Der legendäre große Tanzsaal war in der chinesischen Ära zum Restaurant umgebaut worden. Dabei wurde die Bühne herausgerissen.

Der große Tanzsaal ist in den vergangenen Jahren saniert worden.

Der große Tanzsaal ist in den vergangenen Jahren saniert worden. Foto: Wisser

Die Gästezimmer sind in einem guten Zustand.

Die Gästezimmer sind in einem guten Zustand. Foto: Wisser

„Das wurde in den vergangenen Jahren wieder zurückgebaut und modernisiert. Man könnte dort wieder wie früher feiern“, sagt Steinfeldt. Es gebe viele Nutzungsmöglichkeiten. Auch die 16 Gästezimmer sind modernisiert worden.

Der Lageplan für die Bauvoranfrage bei der Stadt Buxtehude zeigt die mögliche Anordnung der geplanten Wohnhäuser an der B73.

Der Lageplan für die Bauvoranfrage bei der Stadt Buxtehude zeigt die mögliche Anordnung der geplanten Wohnhäuser an der B73. Foto: Schulenburg Architekten

Allerdings ist ein Neustart als Gastronomie- und Hotelbetrieb an der B73 kein Selbstläufer. Mit einem Pächterwechsel verfällt die Ausschankerlaubnis. Die Vorschriften haben sich in den vergangenen Jahren verschärft. Allein die Auflagen für den Brandschutz einschließlich der Fluchtwege wären für jeden neuen Betreiber eine Herausforderung. Einen Bestandsschutz gibt es nicht mehr.

Drei Wohnhäuser mit insgesamt 16 Wohnungen

Deshalb gibt es neben einem Neustart der Gastronomie eine zweite Option: den Abriss des Gebäudes und den Bau neuer Wohnhäuser. Hier kommen zwei Buxtehuder ins Spiel. Die Vermarktung hat der Buxtehuder Immobilienmakler André Grote übernommen. Den Entwurf für die Bauvoranfrage bei der Stadt Buxtehude erstellte das Büro Schulenburg Architekten. Nach dem Abriss der Gebäude könnten dort drei Wohnhäuser entstehen.

Rote Klinker und Satteldach. Die neuen Gebäude sollen zu der vorhandenen Bebauung passen.

Rote Klinker und Satteldach. Die neuen Gebäude sollen zu der vorhandenen Bebauung passen. Foto: Schulenburg Architekten

Die Planung sieht insgesamt 16 Wohnungen vor. Zwei Häuser sollen je sechs Wohnungen bekommen, eines vier. Zwischen den neuen Häusern und der Bundesstraße würde ein Garagengebäude für zusätzlichen Lärmschutz sorgen. „Wir haben das Glück, dass es keine planerischen Vorgaben für das Grundstück gibt“, schildert André Grote die Genehmigungssituation.

Es gibt keinen Bebauungsplan. Deshalb seien dort sowohl wieder Gewerbe als auch Wohnbebauung möglich. Aus seiner Sicht ist Wohnbebauung die wahrscheinlichste Nutzungsoption für den Lost Place an der B73.

Seit sieben Jahren gibt es hier keinen Hotel- oder Restaurantbetrieb mehr.

Seit sieben Jahren gibt es hier keinen Hotel- oder Restaurantbetrieb mehr. Foto: Wisser

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